Triathlon Nur die „Überfrau“ ist schneller

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Julia Gajer hat es und ist geschafft: Als Vize-Europameisterin läuft sie in Frankfurt über die Ziellinie. Foto: Michael Rauschendorfer/Erdinger

Ditzingen - Es gibt Tage, da fühlt sich auch ein zweiter Platz (fast) wie ein Sieg an.“ Das ist der erste Kommentar, den Julia Gajer aus Ditzingen auf ihrer Internetseite zum zweiten Rang beim Iron-Man-Wettkampf in Frankfurt abgegeben hat. Sie hat die Hitzeschlacht bestanden. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und dem abschließenden Marathonlauf blieb die Uhr für sie bei 9:01,58 Stunden stehen. Hinter der Schweizerin Daniela Ryf, die knapp elf Minuten schneller war, ist sie damit Vizeeuropameisterin.

Die Beine am Montag sind noch ein bisschen schwerer als normalerweise nach dieser extremen Ausdauerleistung. Die 32-Jährige macht jetzt erst einmal eine Woche Pause, hätte sich am liebsten in eine Eistonne zurückgezogen. Jetzt müssen aber zunächst die Energiespeicher wieder aufgefüllt werden. Beim Buffet nach der Siegerehrung stehen Deftiges, salzige Speisen, Kuchen und Eis bei den Athleten ganz hoch im Kurs. Obwohl sie während des Wettkampfes sieben bis acht Liter getrunken hat, sagt Julia Gajer zu Wochenbeginn: „Ich merke, dass mein Flüssigkeitshaushalt noch nicht ausgeglichen ist.“

Bestes Rennen über die Iron Man-Distanz

Umso ausgeglichener ist ihre Sportler-Seele. „Das ist so ziemlich das optimale Ergebnis, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich denke, das war mein bisher bestes Rennen auf dieser Distanz“, sagt sie. Dass Daniela Ryf ihr fast elf Minuten abgenommen hat, ist nicht weiter tragisch. Die Schweizerin ist derzeit die „Überfrau“ (Gajer) in diesem Sport. Dafür ließ sie die zweite Eidgenossin, Caroline Steffen, die bei einem Iron Man bislang immer vor ihr platziert war, um fast genau zehn Minuten hinter sich.

Zusammen mit der Dänin Michelle Vesterby kam dieses Quartett nach rund 53 Minuten und mit einem Vorsprung von fast sechs Minuten aus dem Wasser. Auf dem Rad ging die Ditzingerin dann sogar zunächst in Führung. Bei Kilometer 115 verabschiedete sich Ryf und fuhr noch fast acht Minuten auf Julia Gajer heraus, die als Zweite mit einer Zeit von 4:55, 22 Stunden vor Steffen wechselte. Den Marathon bewältigte sie schließlich in 3:09,04 Stunden, lag dabei zunächst rund sieben Minuten hinter der Führenden, musste sich auf den letzten Kilometern dann aber noch einmal drei Minuten abnehmen lassen.

WM-Startplatz über die Halbdistanz

Mit dem sechsten Platz auf Hawaii im vergangenen Jahr und dem jetzt absolvierten Wettkampf hat die Profisportlerin die erneute Qualifikation für den wohl prestigeträchtigsten Iron Man am 10. Oktober bereits in der Tasche. Als Nebenprodukt der bisherigen Saisonresultate sprang nun auch noch der Startplatz für die Weltmeisterschaft über die Halbdistanz heraus. Die wird am 29. August zum ersten Mal überhaupt in Europa im österreichischen Zell am See ausgetragen.

Auf diesen Wettkampf wie auch auf die Europameisterschaft über die halbe Distanz am 9. August in Wiesbaden wird sich Julia Gajer nicht speziell vorbereiten. Den Höhepunkt der ersten Saisonhälfte hat sie mit der EM in Frankfurt hinter sich. Von jetzt an gelten alle Bemühungen dem ältesten und bekanntesten Ausdauerspektakel auf der Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Ein Platz unter den ersten Fünf ist das Ziel. Das Frankfurter Ergebnis gibt zusätzliches Selbstvertrauen. Viel heißer kann es auf Big Island auch nicht mehr werden. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit in der Regel deutlich höher.

Nach der letzten heißen Phase im September, die Julia Gajer im September mit der Trainingsgruppe ihres Coaches Wolfram Bott verbringen will, muss dann am Tag X alles zusammen passen. Die Leistungsdichte bei den Frauen hat sich gerade in den vergangenen fünf Jahren enorm entwickelt. Kein Wunder, dass sich da ein zweiter Platz in Frankfurt (fast) wie ein Sieg anfühlt.

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