Tour durch alte Weissacher Keller Gemütliches Gruseln im Untergrund

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In der Keller-Atmosphäre wirken manche Geschichten noch schauerlicher. Foto: factum/Bach

Weissach - In den Hosentaschen von Gerhard Mann klirrt es verheißungsvoll: „In den Keller geht man nicht mit einem BKS-Schlüssel“, sagt der Vorsitzende des Förderkreises Kultur und schmunzelt. Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Und am Freitagabend sind es auf dem Parkplatz hinter der Zehntscheuer besonders viele. Dort nämlich ist der geheime Treffpunkt gewesen, von wo aus die zehnte Keller-Geschichten-Tour gestartet ist: mit 36 Teilnehmenden bisher ein absoluter Besucherrekord. „Sonst waren es immer etwa halb so viele“, weiß Mann.

Brombeerlikör als Stärkung

Aber er ist gut gerüstet. Aus seinem Rucksack zaubert er ausreichend kleine Gläschen, die er auf dem alten Mäuerchen aufreiht und zur Stärkung für seine Gäste mit hausgemachten Brombeerlikör füllt. Dazu schlägt die alte Kirchturmuhr achtmal. Noch aber macht sich die gut gelaunte Schar nicht auf den Weg. Gerhard Mann gibt ihr zuvor noch seine kleine Kellerkunde mit auf den Weg – so sind die spannungsgeladenen Nachtschwärmer gut gerüstet für alles, was sie im Weissacher Untergrund noch erwarten mag.

Die erste Station ist der fast ebenerdige Gewölbekeller der Bücherei in der Zehntscheune, der deswegen nicht so tief gegraben werde konnte, weil er in der Talsenke liegt und deswegen sonst ständig mit Wasser vollgelaufen wäre. Ein bisschen gruselig ist die Atmosphäre so fast ohne Licht aber trotzdem. Das ist der ideale Zeitpunkt für den Einsatz von Bibliotheksleiterin Susanne Flierl, die hier ihre erste Kellergeschichte zum Besten gibt.

Hochwissenschaftlich geht es los mit Auszügen aus einer Dissertation von Marlies Möller, die dem „Stiefkind des Hauses“ bescheinigt, dass man dort Dinge lagere, „die man nicht sehen will oder soll“. Das dem wohl wirklich so ist, diesen Beweis tritt sie dann im Verlaufe des Abends in mehreren Schritten an. Die erste Kostprobe folgt sogleich: Die Geschichte vom „Meisenberg“ aus Franz Georg Brustgis „Sagen und Schwänken vom Neckar- und Unter-land“, auf das die Bibliothekarin bei der Durchsicht des Büchereibestands gestoßen ist. In der kleinen Erzählung geht es um einen bislang noch ungehobenen Schatz in einem Schlosskeller zwischen Eltingen und Renningen.

Die nächste Etappe führt über steile Stufen – Schülern auch als „Hühnerweg“ bekannt – zum einstigen Eiskeller Weissachs, der sich unter einem unscheinbaren Privathaus verbirgt. Das allgemeine Erstaunen ist groß und verwandelt sich in launiges Vergnügen, als im geräumigen Vorkeller Kellerbier in Plastikbechern gereicht wird – zusammen mit Informationen über die in der Vergangenheit vielfältige Nutzung des Gewölbes als Gemeinschafts- und Luftschutzkeller

Darüber hinaus gibt es einen Einblick in den über zehn Meter nach oben emporsteigenden Lüftungsschacht. An die 250 Jahre hat das Mauerwerk bereits auf dem Buckel. Ein guter Ort für die Geschichte von der „Schlange mit der goldenen Krone“, die in einem ehemaligen Schlosskeller in Wurmlingen spielt.

Gänsehaut beim Schlussakkord

Im Folgenden gewinnen die Kellerforscher Einblicke in unterschiedliche Gewölbe rund um den Kirchturm und erfahren, warum sich im ehemaligen Schulgebäude ein zweites Tor hinter dem ersten befindet, welches das Datum 1610 und das Weissacher Wappen trägt. Die Besucher dürfen die zum Teil in Sütterlin geschriebenen Kommentare in der ehemaligen Weisscher Arrestzelle lesen und sich in den Kellern unterhalb der Gaden die Spinnweben aus den Haaren wischen.

Elektrisches Licht gibt es hier nicht. Da wirken die im Schein einer Taschenlampe vorgelesenen Erzählungen von Pfarrerstöchtern, die ihre unehelichen Kinder erschlagen und hernach als Gespenst umgehen, noch ein gutes Stück schauerlicher.

Ungeschlagen in Sachen Gänsehaut ist freilich der gut gewählte Schlusspunkt mit Edgar Alan Poes „Das Gebinde Amontillado“, bei dem ein junger Edelmann bei lebendigem Leibe in einer Krypta eingemauert wird. Wie gut, dass es im Anschluss im Herrenhaus noch Getränke und einen Imbiss mit Spezialitäten aus der Küche von Gerhard Manns Frau Renate gegeben hat. Das weckte die Lebensgeister und verscheuchte ungebetene Gespenster.

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