Tischtennis Kurswechsel nach fast 70 Jahren

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Alexander Bauer (links) und Friedemann Wagner: Für den TSV Korntal in der ersten Mannschaft am Ball. Foto: Andreas Gorr

Korntal-Münchingen - Alle Freunde des Tischtennisspiels treffen sich am kommenden Freitag, den 13. Juni 1947, abends 20 Uhr im Nebenzimmer des kleinen Gemeindegasthauses. Nach einer kurzen Besprechung wollen wir sofort anschließend mit dem Spielen beginnen.“ Der Anfang der Tischtennisabteilung beim TSV Korntal war mit diesem Schreiben vom 8. Juni 1947 gemacht. Das Unternehmen gestaltete sich zwar zunächst noch etwas holprig, schließlich suchten die Macher für die ersten Übungsabende noch nach einer Tischtennisplatte oder einem geeigneten großen Tisch. Abhalten ließ sich von diesen Widrigkeiten niemand.

Inzwischen feiert die Abteilung in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Passend dazu findet am kommenden Wochenende in Korntal die württembergische Einzelmeisterschaft der Senioren statt. Gemeldet haben rund 240 Teilnehmer. Dabei gibt es auch ein Wiedersehen mit Rolf Gross. Im Jahr 1949 zählte er zu dem Sextett, das für den TSV Korntal die Bezirksmeisterschaft holte. Der 86-Jährige steht immer noch an der Platte. In Helsingborg wurde er im vergangenen Jahr Europameister mit seinem tschechischen Doppelpartner Lumir Ruzha. Im Einzel belegte Rolf Gross Rang drei. In Korntal ist er nun im Trikot der SpVgg Neuwirtshaus einer von 13 gemeldeten Teilnehmern in der Altersklasse 80.

Fest etabliert in der Verbandsklasse

Für den TSV war nach vierjährigem Gastspiel in der Landesliga gleich in den Anfangsjahren in erster Linie die Bezirksklasse die sportliche Heimat. Dann machte sich die erste Mannschaft auf zu neuen Ufern. Von der Bezirksklasse wurde bis in die Verbandsklasse durchmarschiert. Friedemann Wagner, ausgestattet mit Zweitliga- und Oberligaerfahrung in Frickenhausen und erster Korntaler Jugendspieler, der bei der deutschen Jugendmeisterschaft am Start war, und Magnus Langenstein hatten großen Anteil daran. Beide waren von der SpVgg 07 Ludwigsburg nach Korntal zurückgekehrt. Der Verein etablierte sich in der zweithöchsten Spielklasse des Tischtennisverbandes Württemberg-Hohenzollern und spielte dort von 1995 bis 2013 mit einem zweijährigem Intermezzo in der Landesliga.

Ein Großteil des Gesamtabteilungs-Etats von knapp über 10 000 Euro floss in den Herrenbereich. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft stieg stetig, aus der Jugend kam fast nichts nach. Da entschieden sich Günther Schmid und Friedemann Wagner an der Abteilungsspitze zu einem Kurswechsel. Am Ende der Saison 2012/2013, die auf Platz fünf abgeschlossen wurde, zog der TSV sein Team aus der Verbandsklasse zurück. „Ob wir jetzt noch ein Jahr mehr oder weniger in der Verbandsklasse spielen, interessiert sowieso keinen“, sagt Günther Schmid.

Fördertraining mit ehemaliger Weltklassespielerin

Das Hauptaugenmerk galt von nun an der Jugend. Zusätzlich zum normalen Trainingsbetrieb wurde mit der ehemaligen ungarischen Weltklassespielerin Szilvia Kahn eine Übungsleiterin gewonnen, die seit 2014 zweimal wöchentlich für einen ausgewählten Kreis von Jugendspielern ein Fördertraining anbietet. Bei den vergangenen Jugendtitelkämpfen im Bezirk Ludwigsburg habe man, so Schmid, hinter der SG BBM Bietigheim als Nummer zwei abgeschnitten. Als vielversprechendes Talent spielt Peter Waddicor (Jahrgang 2007) inzwischen beim Sportbund Stuttgart in der U 18-Verbandsliga. In der kommenden Saison wird der Youngster mit dem Herrenspielrecht ausgestattet und soll bei den Aktiven für den TSV Korntal an den Start gehen.

Den rund 40 aktiven Spielern stehen beim TSV mittlerweile zwischen 60 und 80 Kinder und Jugendliche – Schmid: „Die Fluktuation ist relativ groß bei der Jugend“ – gegenüber. Das sah vor 70 Jahren noch ganz anders aus. Im Antrag zur Aufnahme der Abteilung in die Sparte Tischtennis des Landessportverbandes Württemberg ist 1947 von zehn männlichen, zwei weiblichen Mitgliedern und acht Jugendlichen die Rede – zur Verfügung standen zwei Tische, zwei Netze und zwei Schläger.

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