Tiefgarage in Leonberg Schutz für 3200 Menschen

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Riesige Filterkartuschen sollten die Luft in dem Bunker reinhalten. Foto: factum/Bach

Leonberg - Schnell, schnell, 3198, 3199, 3200! Mehr geht nicht!“ Dann schließt sich die mächtige Tür aus Stahl und Beton. Tausende verzweifelte Menschen bleiben draußen und harren einem ungewissen Schicksal entgegen, den sicheren Tod vor Augen.

Mit diesem grausigen Szenario haben die Strategen des Kalten Krieges gerechnet, als 1986 die Tiefgarage unter der Leonberger Altstadt fertiggestellt wurde. In den Augen des „Feindes“ sollte sie lediglich eine Möglichkeit sein, um Autos im Untergrund abzustellen. Doch sie war viel mehr.

Eine Tiefgarage für 50 Millionen Mark

Rund 50 Millionen Mark hat sie seinerzeit auch deshalb gekostet, weil sie im Falle eines militärischen Konfliktes zwischen dem Warschauer Pakt und der Nato den besagten 3200 Menschen als Zivilschutzbauwerk Unterschlupf bieten sollte. Ein Hohlraum für insgesamt vier Etagen wurde deshalb in den Felsensporn gesprengt, auf dem die Grafen von Württemberg 1248/49 die Stadt „Levinberch“ gebaut hatten.

In der sogenannten Parkkaverne – an die erinnert auch die Edelstahl-Skulptur „Kavernikus“ vor der Post – entstanden 611 mögliche Parkplätze für Autos. Davon sind gegenwärtig 566 belegbar, acht sind behindertengerecht angelegt. 283 Parkplätze sind öffentlich. Weitere 328 hat die Stadt verkauft oder vermietet. Vor allem in den abgesperrten unteren Decks P3 und P4 sind viele Parkplätze, die Bauherren in der Altstadt für jeweils 68 000 Mark kaufen mussten, um die nötigen Stellplätze für ihre Bauvorhaben aufweisen zu können. 45 Parkplätze sind stillgelegt, weil hier eine Sprinkleranlage für den Brandfall fehlt.

Ein genauer Blick lohnt sich

Bei genauerem Hinsehen sind auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Elemente zu sehen, die auf die Tiefgarage als möglichen Bunker hindeuten. Wer vom Zwinger an der 1993 begonnenen und offenen Hanggarage weiter in die Tiefe fährt, kommt an einem mehr als 30 Zentimeter dicken Tor aus Stahl und Beton vorbei, das im Notfall den Bunker in der Tiefgarage auf dieser Seite abgeriegelt hätte.

Die Bunkertechnik ist im Wendel zwischen der Einfahrt an der Seedammstraße installiert. Imposant ist eine ebenfalls 30 Zentimeter dicke Stahltür, die den Raum mit dem riesigen Luftfilter des Bunkers abschließt. Zwei Stockwerke höher liegt der Raum des Bunkerwartes, der alles gesteuert hätte. Den Strom dafür liefern sollte ein Acht-Zylinder-Schiffsdiesel von Daimler, der unter dem heutigen Büro des Tiefgaragenwartes Gert Biefang eingebaut ist.

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