Therapeutisches Reiten Bedürfnisse des Pferdes geben Richtung vor

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Trainerin Saskia Eubling (rechts): „Pferde sind so sensibel, dass sie Gedanken lesen können.“ Foto: Baumann

Leonberg - Physiohygiene eines Therapiepferdes in Bezug auf Ausbildung und Ausgleich: hinter dem sperrigen Titel verbarg sich beim Seminar für therapeutisches Reiten zum Auftakt des Pferdemarktes ein ebenso klares wie notwendiges Ausbildungskonzept für Pferde, die für therapeutische Einsätze ausgebildet oder umgeschult werden. Der Schwerpunkt der Trainerin ist eine solide Grundausbildung vom Fohlen bis zum Jungpferd, die, so die Referentin Saskia Eubling, „Zeit, viel Zeit braucht“.

Diese Basisausbildung gebe es nicht wie früher üblich in drei Monaten. Bis zu einem Dreivierteljahr, wenigstens aber fünf Monate benötigten Pferde nach Talent, Eigenheiten und Charakter des einzelnen Tieres für diese Ausbildung. „Eine solide Ausbildung sorgt für geistige und körperliche Gesundheit“, sagte Eubling. Ihr Handwerk hat die Pferdetrainerin beim Natural Horseman­ship gelernt und um einen Instruktor für Centered Riding, dem sogenannten Reiten aus der Körpermitte, ergänzt. Den betonten Druck in der Methode des Natural ­Horsemanship hat die Trainerin durch Zeit substituiert und die dort vermittelte klare Kommunikation durch Körpersprache zum Wohl des Pferdes entschärft. Statt auf Dominanz, setzt sie auf Vertrauen.

Die Pferde reagieren auf kleine Veränderungen

Das Equipment, Methoden und die ­klare Körperhaltung zum Pferd hat Eubling für ihre Arbeit übernommen. „In dem Moment, wo wir aufhören, etwas zu tun, lernt das Pferd, immer“, ist sie überzeugt und demonstriert das im praktischen Teil später überzeugend an dem aufgeweckten Schulpony Chico und dem introvertierten Voltigierpferd Gladstone vom Reit- und Fahrverein Leonberg. Die Pferde reagieren nach anfänglicher Unsicherheit sensibel auf kleine Veränderungen in der Körperhaltung, in der sie auch die positiven und negativen Energien im Menschen ablesen können.

„Pferde sind so sensibel, dass sie Gedanken lesen können. Wenn ich mir das Bild der Aufgabe vorstelle und dem Pferd ein bisschen Zeit gebe, dann reicht das häufig schon zur Umsetzung aus“, meint die Trainerin. Dabei spiegelten die Tiere mentale Stärke und damit Führungsstärke. Pferde nähmen auch unsere Fähigkeiten zu kreativem und strategischem Handeln wahr, so Eubling.

Mehr Mitspracherecht für Pferde

So wichtig wie die solide Ausbildung des Therapiepferdes sei die Erholung. An ein bis zwei freien Tagen in der Woche müsste ein Pferd die Möglichkeit haben, mit seiner Bezugsperson ein alternatives Programm zu machen, das seinem Talent und Inter­esse entspräche. Saskia Eubling plädiert überhaupt für mehr Mitspracherecht für Pferde und ihr Recht darauf, dass erwünschte wie unerwünschte Reaktionen ernstgenommen und respektiert würden. Sie rät außerdem zu Urlaub für das Therapiepferd, so lange wie es diesen zur Regeneration benötige. Sie rät, neben körperlicher Pflege und Rehabilitation außerdem ­Energiearbeit wie Reiki für die seelische Gesundheit des Pferdes anzubieten.

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