Telefonmasche im Strohgäu Betrüger scheitern an cleveren Opfern

Von
Per Telefon versuchen Betrüger, gutgläubige Opfer zu finden. Foto: dpa

Strohgäu - Es ist eine üble Masche, mit der Anrufer zu Beginn der Woche mehrere ältere Leute aus Hemmingen, Korntal-Münchingen, Ludwigsburg und Kornwestheim um Geld und Wertsachen erleichtern wollten. Die Betrüger riefen an und behaupteten, Polizeibeamte zu sein. Dann warnten sie: Eine rumänische Einbrecherbande sei in der Nachbarschaft unterwegs, deshalb sei ihr Bargeld oder auch ihr Schmuck in Gefahr.

Nach Angaben des Ludwigsburger Polizeipräsidiums kontaktierten die Ganoven gezielt reifere Leute. Ihr jüngstes bekanntes Opfer ist 59, das älteste 90 Jahre alt. Erfolgreich waren die Betrüger aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht. „Alle Personen haben vernünftigerweise das Gespräch beendet“, sagt die Polizeisprecherin Tatjana Wimmer. „Sie gaben keine Details zu ihren Vermögensverhältnissen preis und haben dann die Polizei informiert.“ Offenkundig hatten die Anrufer die Ängste ihrer Gesprächspartner vor Dieben ausnutzen und sie dazu bewegen wollen, vermeintlichen Polizisten, die vorbeigeschickt werden sollten, „zur Sicherheit“ ihre Wertsachen auszuhändigen. Hätten sich die Angerufenen darauf eingelassen, so die Polizei, wären die falschen Beamten mit dem Diebesgut verschwunden.

Besonders perfide: Es sind zurzeit in der Tat viele Einbrecher in der Region aktiv. „Die Betrüger konnten so eine Lügengeschichte erzählen, die von Fakten untermauert war“, sagt Tatjana Wimmer.

Anrufserie begann am Abend

Die ersten Anrufe gab es am Montag gegen 18.30 Uhr bei vier Senioren zwischen 81 und 90 Jahren aus Hemmingen. Anschließend wurden drei Personen zwischen 78 und 85 Jahren aus Korntal-Münchingen kontaktiert. Dann waren Kornwestheimer – zwischen 75 und 88 Jahre alt – an der Reihe. Und schließlich sollten am späten Abend noch fünf Personen in Ludwigsburg auf die Masche hereinfallen, die zwischen 59 und 76 Jahre alt sind. „Wir gehen davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt“, sagt Wimmer. „Also Menschen, die angerufen wurden, und die sich nicht bei der Polizei gemeldet haben.“ Fest stehe, dass die Polizei die Bürger niemals um Geld bitte, warnt die Sprecherin. Die Anrufer seien der organisierten Kriminalität zuzurechnen. „Wir haben das immer wieder. Das sind Banden mit rhetorisch geschulten Anrufern, die genau wissen, wie sie die Menschen einlullen“, sagt Wimmer.

Die Verbrecher suchten sich ältere Opfer, indem sie Nummern von Menschen anwählten, deren Vornamen in früheren Jahrgängen häufig seien. „Die sind skrupellos“, sagt Wimmer. Und wenn nur ein oder zwei Menschen bei einer solchen Anrufwelle auf die Lügengeschichte hereinfallen, dann habe sich die Sache für die Betrüger gelohnt. Häufig würden auch mehrere Täter agieren, die sich absprechen. Die Polizei bittet jedenfalls Menschen, die solche Anrufe erhalten haben, dies auch noch im Nachhinein zu melden.

„Gebühren“ für einen Gewinn

Reingefallen war zuletzt auf einen ähnlichen Trick ein 74 Jahre alter Mann aus Großbottwar. Er bekam im Herbst einen Anruf von einem angeblichen BKA-Beamten. Der Mann habe, so der Betrüger am Telefon, bei einem Gewinnspiel Geld gewonnen – zuerst müsse er aber eine fünfstellige Summe für Gebühren bezahlen. Der Mann willigte ein und überwies. Erst später schaltete er die Polizei ein. Der von der Türkei aus agierende Betrüger war für die Beamten nicht zu fassen – immerhin rettete die Bank einen Teil des Geldes.

Erst vor wenigen Tagen wurde ebenfalls eine Seniorin in Bietigheim Opfer von Trickdieben: Unter dem Vorwand, eine angeblich ähnliche Wohnung mieten zu wollen, kamen drei Personen in die Wohnung ihres Opfers. Sie lenkten die 80-Jährige ab und stahlen ihr Schmuck, der eine vierstellige Summe wert war.

Deutschlandweit häufen sich die Fälle von Betrügern, die als Polizisten getarnt versuchen, Beute zu machen. Die Polizei reagiert – mit Prävention, verstärkt aber auch die Zusammenarbeit mit den Banken. Dass die Masche dennoch Schule macht, zeigt der Fall eines 33-Jährigen, der vergangene Woche versucht hatte, einen 22-Jährigen am Kornwestheimer Bahnhof zu bestehlen. Er gab sich als Polizist aus und versuchte dann, dem jüngeren Mann das Handy mit Gewalt aus der Hosentasche zu ziehen. Das Opfer wehrte sich – und die echte Polizei war schnell zur Stelle.

Ratschläge des Polizeipräsidium

Tipps
Die Polizei rät: Wenn potenzielle Betrüger anrufen, sollte man im Zweifelsfall einfach auflegen. Keinesfalls sollten die Anrufer Details zu finanziellen Verhältnissen, Besitztümern oder persönlichen Daten erfahren. Außerdem sollten grundsätzlich keine Unbekannten in die Wohnung gelassen werden.

Identität
Angebliche Amtspersonen, die wie Polizisten aussehen, sollten aufgefordert werden, ihren Dienstausweis zu zeigen. Beim geringsten Zweifel gelte: Am besten immer die Dienststelle anrufen, von der die angebliche Amtsperson kommt, und nachfragen.

Artikel bewerten
10
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln
  1. null