Stadtumbau Leonberg Händler wollen das Loch mit Qualität stopfen

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Wie eine Wunde klafft das einstige Bausparkassengelände im Herzen der Stadt. Doch nicht nur dort, sondern auch auf dem Postareal (rechts), soll bald gebaut werden. Foto: Holger Leicht

Leonberg - Ein Hotel mit Restaurant in der obersten Etage? Eine Markthalle mit internationalen Spezialitäten und ausgesuchten Weinen? Kreative ­Gastronomie, Biergärten und Cafés?

Groß ist das Ideenspektrum, über das Mitglieder des Gemeinderates und des Wirtschaftsrates jetzt intern gesprochen haben. Die Kommunalpolitiker und die Vertreter von Handel und Gewerbe waren zu diesem Meinungsaustausch zusammengekommen, um am Abend des 10. Mai verschiedenen renommierten Stadtplanern sagen zu können, in welche Richtung sich Leonberg weiterentwickeln soll.

Experten diskutieren im Rathaus

An jenem Mittwoch diskutieren um 19.30 Uhr der Planungsprofessor Franz Pesch von der Uni Stuttgart, Martin Haas, der Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“, der Gastronomieexperte Thomas Aurich, Joachim Heller von der Werbegemeinschaft „Faszination Altstadt“, Markus Lampe vom Stuttgarter Projektentwickler Drees & Sommer und Oberbürgermeister Bernhard Schuler, wie der Bereich zwischen Neuköllner Platz und Altstadt künftig genutzt werden soll.

Wie berichtet, baut die Post ein neues Fracht- und Briefzentrum im Gewerbegebiet Leo-West und behält in der Innenstadt lediglich eine Kundenfiliale. Das schafft Platz, um neben dem Rathaus-Neubau und dem Layher-Wohnquartier weiteren Handel und Wohnraum zu realisieren. Und so endlich den Brückenschlag zwischen Leo-Center und Marktplatz zu vollziehen.

Unterschiedliche Ansichten im Rat

Doch was auf dem Gelände konkret geschehen müsste, darüber gibt es im Gemeinderat ganz unterschiedliche Auffassungen. Die Bandbreite ist so groß, dass eine Grundsatzentscheidung am 2. Februar verschoben wurde. Erst sollen die Planungsexperten den Leonbergern Hinweise für das weitere Vorgehen geben.

Wobei zumindest der Wirtschaftsrat weiß, was er nicht will. „Das ist kein Gebiet für Spielcasinos, Fastfood-Ketten oder Dienstleistungsbüros“, sagt Joachim Heller. Dem Vorsitzenden der Altstadt-Händler schwebt ein qualitativ hochwertiges Viertel vor, aber kein Schickimicki.

So soll auch das dortige Immobilien­angebot unterschiedlich ausgeprägt sein: Neben gehobenem Wohnraum ist in Richtung Eltinger Straße an mindestens 25 Prozent bezahlbare Wohnungen gedacht.

Die jetzige Hauptverkehrsachse soll ihr Negativimage als Stadtautobahn verlieren. „Die Strecke vom Leo-Center bis zum Marktplatz muss grün durchsetzt sein“, gibt Heller die Wünsche der Händler und verschiedener Stadträte wieder.

Überhaupt: der Verkehr. Die Befürchtung, dass neue Geschäfte und Lokale mehr Autos in die Stadt bringen, will Heller nicht gelten lassen. Mit neuen Tiefgaragen könne der Verkehr in der Bahnhofstraße und am Neuköllner Platz abgefangen werden.

Händler: Konkurrenz belebt das Geschäft

Für den Chef des Fachgeschäftes für Wohnkultur Ziegler ist klar: Konkurrenz belebt das Geschäft. „Wenn das Angebot besser ist, kommen mehr Kunden. Davon profitieren am Ende alle.“

Deshalb hält Joachim Heller ein höherklassiges Hotel für sinnvoll: „Wir brauchen noch eins in der Stadt.“ Das könnte sich durchaus mit den bestehenden Häusern ergänzen. Letztlich sei es auch eine Frage, wie der Hotelstandort Leonberg vermarktet würde. „Durch die Nähe zum Flughafen und zur Messe haben wir klare Vorteile“, zeigt sich Heller optimistisch. Durch ein gutes Haus, das eventuell auch Appartements für Langzeit-Gäste anbietet, werde die Stadt positive Impulse bekommen.

Vieles hängt freilich vom Investor ab, der nun mit einer europaweiten Ausschreibung gesucht wird. Heller: „Die Stadt sollte ihm aber klar sagen, was sie erwartet.“

Expertengespräch Stadtumbau
Mittwoch, 10. Mai, 19.30 Uhr, Neues Rathaus, Sitzungssaal

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