Sozialstation Weil der Stadt Elf Jahre lang im Dienste des Menschen

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Ursula Groß hat sich als Geschäftsführerin der Sozialstation Weil der Stadt verabschiedet, Martin Weweler ist der neue Geschäftsführer. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Mit wehendem Kittel knattert sie auf ihrem Moped übers Land und hilft ihren Patienten in allen Lebenslagen. Diese Zeiten, als sich die evangelischen Diakonissen aus Schwäbisch Hall um die Alten, Kranken und Behinderten in der Stadt kümmerten, sind endgültig vorbei. Dass die Weil der Städter Sozialstation mittlerweile als modernes Unternehmen rund um das Thema Pflege und Gesundheit firmiert, das ist vor allem Ursula Groß zu verdanken. „Ja, es ist sehr viel sehr gut gelungen“, sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln wenn sie an die vergangenen elf Jahre zurückdenkt.

Seit 2006 hat sie die Weiler Sozialstation geleitet, jetzt hat sich Ursula Groß in den Ruhestand verabschiedet. Und was sie in der Zwischenzeit alles an ihrer Sozialstation verändert hat, das lässt sich an den bloßen Parametern ablesen. Mit zwölf Pflegerinnen und etwa 100 Patienten ist sie gestartet. Heute arbeiten bei der Sozialstation 45 Mitarbeiter, die 220 Kunden betreuen. Aber vor allem an der Struktur musste Ursula Groß tüfteln, als sie nach Weil der Stadt gekommen ist.

Seit 1978 eine Einrichtung der Stadt

Denn nicht umsonst hat man damals eine erfahrene Betriebswirtin berufen. Seit 1978 war die Sozialstation eine Einrichtung der Stadtverwaltung, die Arbeit war aber – spätestens mit Einführung der Pflegeversicherung –immer komplexer geworden; das Geld, das die Stadt in ihre Sozialstation zuschießen musste, immer mehr geworden. Zwei Jahre nachdem Ursula Groß nach Weil der Stadt gekommen war, wandelte sich die Sozialstation daher in eine GmbH mit drei Gesellschaftern. Die Stadt, die Keppler-Stiftung und die beiden Kirchengemeinden sind seitdem zu je einem Drittel beteiligt.

„Als Geschäftsführerin einer Gesellschaft habe ich viel schnellere, kürzere und effizientere Entscheidungswege“, erklärt Ursula Groß. Zudem habe die Sozialstation nur examinierte Pflegefachkräfte beschäftigt. Daneben gab es den Verein „Nachbarschaftshilfe“, der haushaltsnahe Dienstleistungen anbot. Heute bietet die Sozialstation das alles aus einer Hand an, sie beschäftigt nicht nur Pflegefachkräfte, sondern auch Hauswirtschafterinnen, Betreuungsassistenten und angelernte Kräfte – und kann so unterm Strich wirtschaftlich arbeiten.

„Bis 2008 mussten sogar die Fördervereine noch Geld ins operative Geschäft zuschießen“, erinnert sich Ursula Groß. Seit 2010 nun steht die Sozialstation finanziell auf eigenen Füßen. Die Zahlen stimmen – und einen Zahlenmensch wie Ursula Groß freut das am allermeisten, wenn sie sich jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Gebürtig stammt sie aus Westfalen, seit 1972 ist sie aber im Schwabenland. Ursprünglich arbeitete die studierte Betriebswirtin im Baugewerbe, während der Elternpause hat sie dann aber ehrenamtlich in Backnang eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut.

Alles braucht Struktur

So schlitterte sie in den sozialen Bereich hinein. „Verwaltungstätigkeiten gehören in der Pflege genauso dazu“, sagt sie. Struktur brauche es, damit die Pfleger ungestört arbeiten können. Bei einer Sozialstation bekommen die Bürger alle Dienstleistungen, die sie brauchen, wenn sie pflegebedürftig sind, aber dennoch zu Hause wohnen bleiben möchten. Und dieser Bereich ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.

Und Ursula Groß hat das aktiv mitgestaltet. Dass sie ihren Mitarbeitern eine ständige Weiterqualifizierung ermöglichen konnte, darauf ist sie besonders stolz. „Wir haben mittlerweile eine Palliativ-Care-Fachkraft“, nennt sie ein Beispiel. „Sie hilft den Menschen, zu Hause sterben zu dürfen, wenn sie das möchten.“ Das unterstützt die Palliativ-Fachkraft, indem sie zusammen mit den Ärzten Schmerztherapien betreut. Auf dem Moped kommt diese Fachkraft nicht mehr unbedingt angefahren – aber immer noch mit der gleichen Sorgfalt und Hingabe, wie die damaligen Diakonissen. Darauf hat Ursula Groß immer geachtet.

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