Siemensstraße in Ditzingen Knappe Mehrheit stimmt für kurze Spur

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Mehr Platz für Rechtsabbieger in der Siemensstraße: Die Spur wird verlängert. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Nahezu zwei Jahre hat sich der Gemeinderat mit der Siemensstraße und deren Abbiegespur ins Gewerbegebiet beschäftigt. Er hat Diskussionen für beendet erklärt und wieder aufgenommen. Eine überzeugende Lösung hat sich dennoch nie abgezeichnet, um den Stau zur Hauptverkehrszeit am Westrand der Stadt wenn schon nicht zu beseitigen, doch wenigstens zu minimieren. Nun aber sollte es eine Entscheidung geben. „Wir stehen alle dahinter, dass wir eine Lösung brauchen“, fasste der Freie Wähler-Fraktionschef Manfred Grossmann am Dienstag die Debatte vor der Abstimmung zusammen, die auch noch mit einer Überraschung endete: Der Gemeinderat kippte die Entscheidung seines Fachaussschusses bei einer Enthaltung von Michael Schmid mit 13 zu 12 Stimmen. Gebaut wird nun die kostengünstigere Variante für insgesamt rund 763 000 Euro.

Wahl zwischen zwei Varianten

Der Gemeinderat musste zwischen zwei Varianten wählen, einer kürzeren, weniger effektiven Abbiegespur und einer längeren, wirkungsvolleren, dafür aber auch um 150 000 Euro teureren. Dafür wäre zudem ein größerer Eingriff in die Natur nötig gewesen.

Der Ausschuss für Technik und Umwelt hatte vergangene Woche mit neun zu vier Stimmen für die teurere Variante gestimmt. Nicht alle hatten aus Überzeugung dafür votiert – was später der Unabhängige Bürger Dieter Schnabel kritisierte. Wie etwa der Freie Wähler Michael Schmid hatte sich mancher jener Meinung angeschlossen, für die sich eine Mehrheit abzeichnete. Er hätte es nach eigenem Bekunden für unerträglich gehalten, nichts zu machen, so Schmid. Dies sei schließlich die „schlechteste Lösung für Ditzingen“. Doch ein Patt dräute auch am Dienstag wieder. Die SPD und die Grünen präferierten die kürzere, die Christdemokraten und Teile der Freien Wähler warben für die längere, teurere Aufstellspur.

Komplexe Situation

Das lange Ringen um die überzeugende Lösung zeigte aber auch deutlich, dass sich der Verkehrsfluss in der Stadt nicht alleine mittels verlängerter Abbiegespur optimieren lässt. Tatsächlich ist die Siemensstraße täglich in der Rushhour eine Staustrecke, vor allem bei Stau auf der A 8. Darauf verwies auch der CDU-Fraktionschef Rolf Feil: „Der ganze Verkehr aus dem Hinterland will nach Ditzingen und durch Ditzingen nach Gerlingen.“ Sein Argument: Eine umso längere, separate Abbiegespur ins Gewerbegebiet und in den Nachbarort blockiere umso weniger den Verkehr geradeaus Richtung Autobahn und Stuttgart. Feil hielt diese Straßenbaumaßnahme für die letzte Möglichkeit, um den Verkehrsfluss in der Stadt aus eigener Kraft zu verbessern. Die Ampelschaltung hätte man schließlich mehrfach verändert – ohne durchschlagenden Erfolg. Die Meinung, dass die Ampelschaltung optimiert werden müsse, teilte die SPD. Deren Sprecherin Sabine Roth widersprach allerdings dem CDU-Mann, der die grün-rote Landesregierung mitverantwortlich für die Misere gemacht hatte. „Dass sich ein Verkehrsminister nicht um die Ampelschaltung kümmern kann, ist augenfällig, egal welcher Couleur.“

Dass der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Ditzingern seine Unterstützung zugesagt hat, wie Feil überdies anmerkte, stellte freilich keiner im Rat in Abrede. Tatsächlich hatte Winfried Hermann seine Hilfe bei der Lösung des Verkehrsproblems zugesichert, als sich abzeichnete, dass der Wunsch nach einem zweiten Autobahnanschluss wenigstens derzeit nicht zu realisieren ist.

Trotz der Probleme sahen weder der Freidemokrat Horst Ludewig noch die Sprecher von SPD, Freie Wähler und Grünen die Mehrausgaben gerechtfertigt. Ulrich Steller (Grüne) indes sah sowohl die günstigere wie auch die teurere Variante kritisch. Er argumentierte, es handle sich um eine punktuelle Verbesserung, die immer eine solche bleiben werde.

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