Sichelhengetse in Rutesheim Fahrzeuge aus längst vergangenen Zeiten

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Besucher können sich zeigen lassen, wie in früheren Zeiten gepflügt und gedroschen worden ist. Foto: Bulldog- und Schlepperfreunde

Rutesheim - Freunde von historischen Landmaschinen kommen von Freitag, 31. August, bis Sonntag, 2. September, in Rutesheim auf ihre Kosten. Auf dem Aussiedlerhof Grözinger (Pfuhlweg 4) findet die so genannte Sichelhengetse statt. Anlässlich dieser Brauchtumsveranstaltung ist auch die 21. Auflage des Bulldog- und Schleppertreffens, zu dem rund 400 Fahrzeuge und historische Landmaschinen erwartet werden. Veranstalter ist der Verein der Bulldog- und Schlepperfreunde Baden-Württemberg, der 1990 von 60 Spontanmitgliedern in Eberdingen-Hochdorf gegründet wurde und heute rund 2000 Mitglieder hat.

Erstmals geht die Sichelhengetse über drei Tage und beginnt bereits am Freitagabend. Um 20 Uhr zeigt das schwäbische Kabarett-Duo „Hillu’s Herzdropfa“ sein neues Programm „Huat ab“. „Der Comedy-Abend ist komplett ausverkauft“, freut sich Joachim Rumberger von den Bulldog- und Schlepperfreunden.

Das Programm hat sich bewährt

Am Samstag und Sonntag gibt es dann das seit Jahren bewährte und beliebte Programm bei der Sichelhengetse. Am Samstag von 14.30 Uhr an gibt es mehrere Schlepper-Vorführungen und einen großen Bauernmarkt. „Wir zeigen auch alte und oft vergessene Arbeiten in der Landwirtschaft wie Dreschen und Pflügen“, erzählt Joachim Rumberger. Gegen 16 Uhr wird das erste Bierfass angezapft, anschließend sorgen die „Kraichgau Buffalos“ aus dem badischen Bretten bei Karlsruhe für gute Unterhaltung und einen geselligen Abend.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit dem traditionellen Erntedankgottesdienst. Anschließend gibt es weitere Vorführungen rund um Traktoren und Bulldogs. Einer der Höhepunkte dürfte das so genannte Wettheizen der Lanz-Bulldogs werden. Diese historischen Traktoren haben an der Frontseite einen Glühkopf in Form eines Bulldoggenkopfes, die mit einem Gasbrenner vorgeglüht werden müssen. „Gleichzeitig muss man auch noch das Schwungrad drehen, das sieht ziemlich spektakulär aus“, erläutert Hubert Flaig von den Bulldog- und Schlepperfreunden. Sieger sei, wer seinen Lanz-Bulldog am schnellsten zum Fahren bringe. „Der Lanz Bulldog ist ein bekannter Name in der Trecker-Szene, die Firma wurde aber 1956 vom Weltmarktführer John Deere aufgekauft“, führt Hubert Flaig weiter aus.

Als das Getreide noch mit Sichel und Sense gemäht wurde

Die Sichelhengetse hat ihren Namen aus früheren Zeiten, als das Getreide noch mit Sichel und Sense gemäht wurde. Wenn die Ernte eingefahren war, konnte das Handwerkszeug wieder verstaut werden. Bevor die Arbeitsgeräte aufgeräumt wurden, hat man sie mit Ähren geschmückt und nach einem Dankgottesdienst bei einem Hoffest – der Sichelhengetse – die Sichel an den Nagel gehängt.

Der Verein der Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg gehört zu den größten Oldtimervereinen, die sich für die Erhaltung historischer Landtechnik und bäuerlichen Brauchtums einsetzen. Die Mitglieder kommen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. „Einige Mitglieder sind sogar in Kanada zu Hause. In Nordamerika steht die Wiege der Traktortechnik“, erklärt Hubert Flaig.

Alle zwei Jahre gibt es eine Hengetse

Die Sichelhengetse Rutesheim richtet der Verein alle zwei Jahre aus. Zudem gibt es Ausfahrten und Ausflüge. „In diesem Jahr waren wir in Schönaich im Feilenmuseum, in Balingen und am Ende in Rottweil, wo wir auf dem Aufzugstestturm von Thyssen-Krupp waren“, erzählt Hubert Flaig.

Technisch versierte Vereinsmitglieder würden an verschiedenen Orten „Schrauberkurse“ geben und beim Restaurieren der historischen Fahrzeuge helfen. Seit zehn Jahren seien die Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg regelmäßig auf der Ausstellung Retro Classics zu Gast. Mit Ausflügen und Erlebniswochenenden halte man den Nachwuchs bei der Stange.

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