Seilbahn in Leonberg Neue Perspektiven für die Seilbahn-Debatte

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Erst vor wenigen Tagen wurde in Moskau eine neue Seilbahn in Betrieb genommen. Foto: TASS/dpa

Leonberg - Neue Aspekte in der Leonberger Seilbahndebatte: Bosch arbeitet an einer Studie für ein hochmodernies oberirdisches Verkehrsnetz mit autonom fahrenden Gondeln. Demnach könnten die Kabinen wie schwebende Kleinbusse viel mehr Ziele ansteuern als bislang angenommen.

„Wir haben die Initiativen des Leonberger Oberbürgermeisters für ein Seilbahnnetz mit Interesse verfolgt“, erklärt Felix Jägle, der im Renninger Forschungszentrum die Entwicklung autonom fahrender Seilbahnen verantwortet, auf Anfrage unserer Zeitung. „Im Moment haben wir eine Innovationsstudie entwickelt, das bedeutet, dass wir uns in einem sehr frühem Stadium befinden." 

Ein flexibles System mit vielen kleinen Haltestellen

Die Studie, von der der Bosch-Forscher spricht, hat es in sich. Dabei handelt es sich nicht um eine Seilbahn im klassischen Sinne, sondern um ein flexibles System, das sehr viele kleine Haltestellen hat. Die einzelnen Kabinen sind nicht viel größer als ein Auto und steuern die von den Fahrgästen gewünschten Stationen individuell an.

Die Gondeln, so sieht es die Studie vor, werden nicht wie bei der Eisenbahn von einem zentralen Stellwerk gesteuert, sondern suchen sich ihre Linie selbst. Der Bosch-Forscher vergleicht das System mit einem Navi, das mit dem Umfeld kommuniziert. Bei Staugefahr sucht sich die Gondel einen anderen Weg, um den Stau zu umfahren.

Möglich machen das filigrane Hängeschienen, von denen aus die Kabinen mit Strom versorgt werden. Kurvenfahrten und Verzweigungen sollen damit problemlos möglich sein.

Martin Kaufmann ist zuversichtlich, dass die Aussicht, die Stadt könnte zum Technologiepionier werden, bei den Kommunalpolitikern nicht ohne Wirkung bleibt.

„Ein gemeinsames Projekt mit Bosch für eine noch nie dagewesene Seilbahntechnologie wäre eine riesige Chance“, frohlockt der OB. Zumal die Bosch-Innovationen die befürchteten Eingriffe in das Stadtbild deutlich minimieren würden.

Ein positives Votum ist wichtig

Zur ersten Nagelprobe kommt es bereits an diesem Donnerstag, wenn der städtische Planungsausschuss über den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn befindet. Mit der Expertise will die Stadt renommierte Projektentwickler und Seilbahnexperten beauftragen. Sie sollen Vor- und Nachteile in allen Bereichen detailliert aufzeigen. Die Kosten für die Studie sind auf knapp 100 000 Euro veranschlagt. Das Land hat signalisiert, die Hälfte davon zu übernehmen.

Gondeln gibt es auch in Ankara oder in London

Der Oberbürgermeister hatte kurz vor den Sommerferien seine Seilbahn-Pläne im Gespräch mit unserer Zeitung erstmals öffentlich geäußert. Zuvor hatte sich Martin Kaufmann mit seiner Mobilitätsbeauftragten Bärbel Sauer bei einem Spezialhersteller in Österreich über die Möglichkeiten urbaner Seilbahnen informiert.

Neu sind Gondeln im Nahverkehr nicht. In Ankara, London und in einigen südamerikanischen Metropolen sind sie erfolgreich im Einsatz, in Moskau wurde eine Linie vor anderthalb Wochen eröffnet. Auch in Stuttgart gibt es konkrete Überlegungen.

Die Leonberger Kommunalpolitiker haben bisher zurückhaltend reagiert. 

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