Schulentwicklung in Ditzingen Krankmachender Container wird geräumt

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Der Unterricht im Ausweichquartier der Schule geht für manche Kinder und Lehrer mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher. Foto: factum/Bach

Ditzingen - Lehrer und Schüler der Theodor-Heuglin-Schule (THS) klagen seit Monaten vor allem über Kopfweh, tränende Augen und Halsschmerzen, wenn sie sich im Containerbau aufhalten. Verschiedene Messungen in Luft und Boden ergaben zwar erhöhte Werte, doch die Grenzwerte sind nicht überschritten. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag dennoch einmütig, den Unterricht in dem Interimsgebäude einzustellen. Es sei eine politische Entscheidung, zu der es keine Alternative gebe, machten sie in Anwesenheit von rund 40 Zuhörern deutlich.

In ihrer außerordentlichen Sitzung beschlossen die Stadträte damit auf Vorschlag der Verwaltung, einer Empfehlung des Gesundheitsamtes zu folgen. Dessen Dezernent Thomas Schönauer, sieht „akuten Handlungsbedarf“ und rät, den Unterricht nach den Osterferien nicht wieder im Container aufzunehmen.

Gesundheitsamt rät zu Unterrichtsstopp

Der Oberbürgermeister Michael Makurath ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, Schönauers Rat aus Vorsorge für den Gesundheitsschutz folgen zu wollen. „Bis wir wissen, was von was kommt, kann viel Zeit vergehen“ Er verwies damit auf eine noch laufende Untersuchung auf Schimmelpilz und Bakterien.

Die Theodor-Heuglin-Schule in Hirschlanden wird derzeit umgebaut. Unter anderem wurden die Pavillons, in denen die Grundschüler unterrichtet wurden, abgerissen. In den letzten Sommerferien zogen sie deshalb in den Container. Nun werden die Sechs- bis Zehnjährigen nach den Osterferien ihre Sachen packen und erneut umziehen. Während die rund 65 Erstklässler fortan in einem bestehenden Container im selben Stadtteil unterrichtet werden – dort befindet sich interimsweise bereits die Mensa und Ganztagsbetreuung – werden die gut 200 Zweit- bis Viertklässler einige Kilometer entfernt in der Ditzinger Kernstadt unterrichtet. Dort befindet sich die zur THS gehörende auslaufende Werkrealschule mit dem nötigen Freiraum.

„Die 200 Schüler bekommen ab 2. Mai, was sie auch vorher hatten“, sagte der Schul- und Kulturamtsleiter Thomas Wolf. Die Verwaltung muss Verpflegung und Betreuung sowie einen Buspendelverkehr vom einen in den anderen Stadtteil organisieren. Wie der Schulsport bewerkstelligt werden könne und die Schulsozialarbeit, sei noch offen, so Wolf. Der Oberbürgermeister Michael Makurath warb in der anschließenden Aussprache beim Rat dafür, sich nicht im Detail zu verlieren, die Organisation sei Aufgabe der Verwaltung. „Es ist uns recht, wenn sie uns viel Freiheit lassen.“ Fraktionsübergreifend begrüßten die Räte die geplante Vorgehensweise. Sie bekräftigten die Verwaltung darin, einen Anwalt einzuschalten: Die Containermiete beträgt rund 24 700 Euro monatlich.

Die Verwaltung machte auch klar, dass es mit dem Umzug nicht getan sei. „Wir sind nicht auf der Flucht. Es ist keine Chemiefabrik. Wir untersuchen weiter mit dem Ziel, die Räume wieder nutzbar zu machen wenn sie freigemessen sind von den Ursachen.“ Weil die Stadt nur Mieterin ist, sei der Eigentümer eingeschaltet. Dieser, die Firma Fagsi, habe sich kooperativ gezeigt und eigenständige Untersuchungen beauftragt. Die Räume könnten demnach „uneingeschränkt genutzt“ werden. Ein Gutachten der Stadt bestätigte die Messergebnisse, auch das Gesundheitsamt sah zunächst keinen weitergehenden Handlungsbedarf als zu lüften. Eine dritte Prüfung im März bestätigte das.

Beschwerden in neun von 14 Räumen

Dennoch empfahl das Gesundheitsamt vor wenigen Tagen den Unterrichtsstopp, zumal in seiner Befragung von Schülern und Lehrern in neun der 14 Containerräume Beschwerden geschildert worden waren und eine Integrationshelferin zwischenzeitlich ein betriebsärztliches Beschäftigungsverbot erhalten hatte. „Sie ist relativ schwer erkrankt“, sagt der Rektor Jörg Fröscher. Spätestens da sei für ihn klar gewesen, den Container nicht weiter nutzen zu können. Die Stimmung in seiner Schule sei „angespannt“, zumal Lehrer und Schüler binnen eines halben Jahres erneut umziehen müssten.

Jörg Fröscher wird nun auch jenen Eltern, deren Kinder nicht gesundheitlich betroffen sind, vermitteln, dass der Umzug aus Sicht des Gemeinderats notwendig ist.

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