Schäferlauf in Markgröningen Preisvergleich: Das Fest ist viel günstiger als der Wasen

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Prachtvoll: Der Umzug am Sonntag lockt Besucher bei bestem Schäferlauf-Wetter an, wie hier am Marktplatz. Foto: factum/Granville

Markgröningen - Drei Jahre lang hat zum Markgröninger Schäferlauf sengende Hitze geherrscht. Diesmal wechseln sich Sonne und Regen ab. Doch das ist für die Besucher nicht entscheidend: Vier Tage lang ist die kleine Stadt im Ausnahmezustand, es sind quasi vier Feiertage am Stück für die Bürger. Viele Geschäfte wie ein Friseurladen machen am Samstag zu und hängen ein Schild ins Schaufenster: „Wir sind beim Schäferlauf.“

Wie viel kostet der Schäferlauf?

Die Kosten bleiben im Rahmen, wie ein Selbstversuch zeigt. Der Eintritt von 4 Euro ist moderat, ebenso sind es auch die Preise für Gastronomie. 3 Euro für eine Latte Macchiato, 5,50 Euro für eine Pizza Salami, ein halber Liter Bier 3,50 Euro. Nur der Küferburger am Marktplatz sticht mit 7 Euro teuer heraus. Im Weindorf kostet ein Glas zwischen 3 und 5 Euro. Fazit: Ähnlich wie beim Bietigheimer Pferdemarkt, aber günstiger als der Cannstatter Wasen.

Wie sicher ist der Schäferlauf?

Im Vorfeld wurde wieder viel über die Sicherheit diskutiert. Sogar der Umzug wurde umgeleitet, damit die Pferdegespanne nicht zu nah an den Marktständen vorbei laufen. Auch Polizei und Rettungsdienste sind gewappnet. Doch bis zum Sonntagabend hat die Polizei keine Zwischenfälle gemeldet – bisher bleibt alles friedlich.

Welche Angebote gibt es beim Schäferlauf?

Der Krämermarkt wartet mit dem unvermeidlichen Dreiklang aus Handyhüllen, Gürteln und Autopolitur auf. Wobei das Marktschreier-Geschäft mit Alleinunterhaltern zurückgeht. Dafür gibt es Exotisches wie einen Piercing-Stand, an dem man sich in einer klimatisierten Kabine einen Bauchstecker für 35 Euro verpassen lassen kann. Erstaunlich viele wollen das, der Standbetreiber ist im Dauereinsatz.

In der Weinlaube gibt es Weinbergschnecken neben Flammkuchen und Schorle. Liebenswert ist der Kunsthandwerkermarkt. Hier bietet etwa Kurt Weigl Holzkunst-Unikate an – wie Holzkreisel, die beim Rotieren herrliche Muster erzeugen. Es sind kleine Details wie dieses, die den Schäferlauf besonders machen.

Wer geht zum Schäferlauf?

Es ist ein Volksfest für alle Generationen. Das zeigt das Beispiel der Familie Hernet aus Markgröningen: Der Großvater Friedrich (76), die Eltern Anette und Max sowie die Kinder Jonas (6) und Anna (7) sind am Wochenende dabei. „Und morgen dürfen wir noch aufs Feuerwerk“, freut sich Anna auf den Montag. Sie sind Wiederholungstäter und kommen jedes Jahr. Der Senior Friedrich Wernet war früher beim Umzug mit dabei. „Hoffentlich wollen die Enkel das auch mal“, sagt er. Bis spät in die Nacht wird zwischen Altstadtgemäuern gefeiert, gesellig und friedlich.

Schauen Sie hier die Bilder vom Schäferlauf-Samstag an.

Wie politisch ist der Schäferlauf?

Ziemlich. Der Legende nach wurde schon in den 1980er-Jahren ein Landrat mit dem Hubschrauber eingeflogen, damit er rechtzeitig beim Schäferlauf ist. Denn der Programmpunkt „Abholung des Landrats“ ist Pflicht beim Schäferlauf. Als Nachfolger der einst wenig geliebten Vögte von Markgröningen hat er die Obrigkeit zu repräsentieren. Der Kreischef Rainer Haas nutzt die Gelegenheit zu politischen Reimen – und teilt dieses Jahr kräftig gegen den Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec aus. Mit ihm liefert er sich seit Längerem einen Kleinkrieg in Sachen Stadtbahn. So reimt er über Spec’ Lieblingsprojekte: „Der Bus allein wird es nicht richten, zu viel ist auf den Straßen Zoff! Und ich mag es auch nicht erdichten: eine Lok mit Wasserstoff.“ Das zielt auf die Ideen von Spec ab, Ludwigsburg mit Schnellbussen an Umlandkommunen wie Remseck anzubinden, oder nach Markgröningen die Bahnstrecke mit einem Brennstoffzellen-Zug zu reaktivieren. Haas würde lieber die Stuttgarter SSB nach Markgröningen fahren lassen. Zur Entspannung im schwierigen Verhältnis zu dem Ludwigsburger Rathauschef dürfte sein Auftritt nicht beitragen.

Wer sind die Schäferlaufkönige?

Es gibt neue Sieger. Drei Jahre lang durfte Daniel Erhardt aus Birkenzell (Ostalbkreis) die Krone tragen. Nun hat sie Dominik Fröschle aus Bad Wildbad übernommen. Bei den Frauen hat die Vorjahressiegerin Lisa Link-Wohlfahrt diesmal nur Platz drei geschafft. Dafür gewann, ebenfalls aus Bad Wildbad, Sophia Hagenlocher. Bei den weiteren Disziplinen sind ausnahmslos Markgröniger erfolgreich, etwa beim Sackhüpfen (Fabian Faisst) oder beim Wassertragen Clara Höhn, Margarete Kramer und Paula Köhler.

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