Christoph Sonntag in Rutesheim Toleranz steht auf dem Stundenplan

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In Gruppen sprechen die Schüler darüber, was für sie Toleranz bedeutet. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Kann man Toleranz lernen? Christoph Sonntag sagt ganz klar Ja. Deshalb organisiert seine „Christoph Sonntag Stiphtung“ seit 2015 Workshops dazu. Jetzt machte die Aktion, die von der Porsche AG sowie der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank unterstützt wird, Halt in Rutesheim. Drei Klassen des Gymnasiums und zwei der Realschule beschäftigen sich seit Montag jeweils einen Tag lang mit dem Thema. Dabei ging es nicht nur darum, den anderen einfach zu dulden. Schnell wurde klar, dass Respekt und Wertschätzung eine große Rolle spielen.

Am Donnerstag versammelte sich die Klasse 9 b der Realschule in der Aula über der Mensa. Bevor es mit dem Workshop losging, begrüßten die 13- bis 17-Jährigen sowie der Schulleiter des Gymnasiums, Jürgen Schwarz, und die Rektorin der Realschule, Tamara Rumpelt, den Initiator dieses besonderen Projekts: Christoph Sonntag, der mit seiner Stiftung vielfach sozial engagiert ist, war auf Stippvisite nach Rutesheim gekommen.

Zwischen Theorie und Praxis

Der Bürgermeister Dieter Hofmann dankte dem Kabarettisten dafür, dass die Stadt in diesem Jahr einer von sechs Veranstaltungsorten der Toleranzwoche ist. Er selbst habe in seinem Berufsalltag häufig mit Fragen der Toleranz zu tun, etwa wenn es um den Standort einer neuen Flüchtlingsunterkunft geht oder um die Ausweisung von Baugebieten, sagte Dieter Hofmann. „Ich hoffe“, so der Bürgermeister an die Adresse der Jugendlichen, „ihr nehmt etwas mit aus diesem Tag, damit wir alle zusammen auf engem Raum gut leben können.“ Das gelte im Übrigen auch für Erwachsene.

Die Pädagoginnen Rita Rose und Andrea Förster erklärten den Schülern den Ablauf des Workshops. Vormittags sei er eher „kopflastig“, nachmittags gebe es mehr Bewegung. So hieß es denn für die Neuntklässler zunächst über Bildmotive mit Alltagssituationen zu hirnen: ein Fahrrad neben einem Rollstuhl, kleine und große Autos auf der Straße, eine Prügelszene, Geflüchtete aus Afrika beim Kochen. Schnell wurde klar, dass die Jugendlichen in der Theorie wissen, was Toleranz bedeutet. „Ich finde es gut, dass man als Verkehrsteilnehmer auf andere achtet und sich gegenseitig respektiert“, sagte einer. Beim Thema Mobbing gingen die Meinungen schon auseinander. Während manche dafür plädierten, dem Mobbingopfer zu helfen oder solidarisch mit ihm zu sein, sagte ein anderer, dass er sich eher nicht einmischen würde, weil er dann vielleicht selbst gemobbt werden könnte.

Wer darf in die WG einziehen?

So hatten die Realschüler in den Gruppenarbeiten viele Gesprächsthemen, wie etwa den eigenen Sprachgebrauch zu hinterfragen. Da war die Liste der beleidigenden Ausdrücke rasch voll, während es bei den wertschätzenden schon etwas länger dauerte. Auch die hypothetische Frage „Ein WG-Platz ist frei – wen würde ich auswählen?“ war für die Schüler eine Herausforderung, mussten sie doch verschiedenen Menschen Plus- und Minus-Punkte geben, um entscheiden zu können. Bei der „Dilemma-Geschichte“ stand ein Flüchtlingsheim im Blickpunkt. Wie damit umgehen, war die Frage. Von „sich informieren“ bis „sich komplett raushalten“ reichten die Meinungen. Und schließlich ging es noch um „Zivilcourage – Was tun?“ Ein Foto zeigte einen Menschen, der angegriffen wird und einen anderen, der ihm hilft. „Das ist Zivilcourage, weil er hilft ihm“, sagte ein Schüler ohne zu zögern und andere nickten.

Dass Toleranz auch bewegt, konnten die Jugendlichen auch durch Körperübungen erfahren. Denn die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die Körpersprache spielen im Alltag oft eine große Rolle, sagte Rita Rose, gerade auch bei Jugendlichen. Hier sei es ebenfalls wichtig, Toleranz gegenüber anderen Verhaltensweisen zu lernen und diese zu hinterfragen.

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