Rolrodruck aus Flacht Vier Männer machen aus der Not eine Tugend

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Eine Gruppe Besucher der evangelischen Erwachsenenbildung aus Leonberg schaut bei Rolrodruck vorbei. Foto: factum/Bach

Rutesheim/Weissach - Die Lager stehen voller Papierrollen, die fertigen Aufträge stapeln sich auf Euro-Paletten. Bei Rolrodruck im Gewerbegebiet „Im Bühl“ in Flacht herrscht rege Betriebsamkeit. Rolf Schradi, Roger Kugel, Valentin Seso und Jörg Ottinger haben alle Hände voll zu tun. Über zu wenig Arbeit kann sich der Vier-Mann-Betrieb nicht beklagen, auch in einer Zeit, in der hierzulande das Druckgewerbe nicht auf Rosen gebettet ist.

Noch vor sechs Jahren sah es im Sommer düster aus. Es wurde gemunkelt, dass das Rutesheimer Traditionsunternehmen Drescher auch die letzten rund 300 Arbeitsplätze im Ort abbauen werde. Am 30. September wurde das Gerücht Gewissheit und bei Drescher gingen endgültig die Lichter aus. Fast 300 Mitarbeiter standen auf der Straße. Unter ihnen auch die vier Männer, die heute dafür sorgen, dass die 21 Meter lange Endlos-Druckmaschine in der Halle im Flachter Gewerbegebiet über zwei Schichten ausgelastet ist. Der wird nur mal kurz aus Sicherheitsgründen Stillstand verordnet, als Besucher von der evangelischen Erwachsenenbildung aus Leonberg vorbeischauen.

Der Anfang war schwer

„Ich war damals mit 50 der älteste unter uns vier. Und für alle tat sich die Frage auf, wie es weitergehen soll“, blickt Rolf Schradi, der Geschäftsführer von Rolrodruck zurück. Als Produktionsleiter bei Drescher, kannte Schradi die Stärken der Firma. Da bot sich ihm eine Chance und in ihm reifte der Entschluss, gemeinsam mit dem Schichtleiter Roger Kugel eine eigene Firma zu gründen, in der auch die beiden anderen Kollegen mit ihrer langjährigen Erfahrung als Drucker eingebunden werden.

Alle ihre Hoffnungen verband das Quartett mit der Endlos-Druckmaschine für das gängige Format DIN A4 aus der Konkursmasse von Drescher. Sie wurde der Grundstock der neuen Firma, die Rolf Schradi und Roger Kugel als Teilhaber aus der Taufe gehoben haben – daher Rolrodruck, die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.

Doch aller Anfang ist schwer. Geplant war der Neustart in Renningen, doch die anvisierte Halle bot nicht die dafür nötige Stromstärke. „Wir hatten für die Maschine unterschrieben und standen ohne Halle da“, erinnert sich der Perouser Rolf Schradi. Da erfuhr er „per Mundfunk“ von der neuen Halle in Flacht. „Es waren spannende Zeiten voller Ungewissheiten“, so Schradi, aber mit einem bisschen Mut und viel Glück habe es funktioniert, „und alle vier sind noch an Bord und bringen mehr als 100 Jahre Erfahrung im Druck zusammen“.

Doch wie funktioniert die Firma in diesem äußerst schwierigen Umfeld? „Wir haben ein schönes Polster an eigenen Kunden und arbeiten zusammen und nicht gegeneinander mit anderen kleinen Druckereien“, bringt es Schradi auf den Punkt. „Zudem fahren wir eine schlanke Produktion – die weiße Rolle kommt in die Maschine und das Produkt ist am Ende fertig, eingepackt und steht bereit für den Lastwagen.“ Doch auch für Rolrodruck gilt: Qualität und Preis müssen stimmen. „Wurde bei Drescher eine Maschine ab einer Auflage von 50 000 Stück angefahren, so sind bei uns auch 5000 Stück machbar, aber auch drei Millionen sind für uns kein Problem.“

Die Drucke sind fälschungssicher

Drei Standbeine hat Rolrodruck entwickelt. Da ist zum einen der Briefpapier-Standarddruck. Zu jeder Geschäftsausstattung gehört ein gedrucktes Briefpapier. Ob als Rechnung, den Brief an Geschäftspartner oder als Lieferschein. Dabei ist es aus der Druckerei deutlich günstiger als mit jedem Büro-Drucker.

„Besonders stolz sind wir auf unseren Druck von Sicherheitspapier, denn es gibt nicht viele, die das können“, sagt der Geschäftsführer. Da geht die Druckerei auch über ihr Standardformat DIN A4 hinaus. „Jedes Blatt ist einmalig und unter anderem mit unterschiedlichen Elementen bedruckt, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, was es fälschungssicher macht“, erläutert Rolf Schradi. Dazu gehören feine Texturen, spezielle Ultraviolett-Druckfarben oder Farben, die sich beim Radieren ablösen oder auf chemische Beeinflussung reagieren. Verwendung findet dieser Druck unter anderem für Zertifikate, Zeugnisse, Diplome, Formulare, Garantieurkunden, Aktienurkunden, Eintrittskarten oder auch Gutscheine.

Und noch ganz neu dazugekommen: Die Firma kann Wasserzeichen als individuelles Logo drucken. Das Wasserzeichen ist auf viele gängige Papiere druckbar, und somit neben der Individualität eines Papieres eine kostengünstigere Alternative zum echten Wasserzeichen.

War der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige? „Auf jeden Fall, wir sind froh und dankbar, dass es funktioniert und vier Familien versorgt werden können“, sagt Schradi. Voller Überzeugung fügt er hinzu: „Es war eine gute Entscheidung!“

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