Rettungsfahrten in Hemmingen Kreis rückt Hilfsfristen heraus

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Die Hilfsfristen der Rettungsdienste werden laut einem Erfassungsbericht für Hemmingen eingehalten. Aber die Räte fordern den Vergleich zu den Vorjahren. Foto: dpa

Hemmingen - Als „zehnjährigen Kampf“ bezeichnete es Wolfgang Stehmer von der Hemminger SPD-Fraktion. Erst jetzt zeitigt sich ein erster Erfolg: Dem Hemminger Gemeinderat ist es nach zähem Hin und Her endlich gelungen, an die Hilfsfristen der Rettungsdienste zu kommen. Laut den Zahlen der Integrierten Leitstelle des Kreises brauchten im vergangenen Jahr die Notärzte im Schnitt 9,3 Minuten zum Einsatzort, andere Rettungswagen wie die DRK durchschnittlich 10,7 Minuten. Die Vorgabe: maximal 15 Minuten – dann müssen die Rettungskräfte laut der Hilfsfrist am Zielort sein, denn es geht um Leben und Tod. Also alles im grünen Bereich in Hemmingen?

„Bis auf ein paar Ausreißer sieht es gut aus“, sagte Bürgermeister Schäfer bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Die meisten Fahrzeuge rückten von der Ditzinger Rettungswache aus, gefolgt von den Wachen in Leonberg und Ludwigsburg. Etwas mehr als 500 Einsätze gab es im vergangenen Jahr, hinzu kommen elf Hubschraubereinsätze.

Stehmer fordert den Vergleich zu den Vorjahren

Den Antrag, um an die Hilfsfristen zu kommen, hatte der Hemminger Gemeinderat im Oktober 2016 beim Bereichsausschuss für den Rettungsdienst gestellt. Dieser hatte aber nur „ausweichend“ geantwortet, sagte Schäfer. Genaue Zahlen gab es damals offenbar nicht. Auch wenn es in den vergangenen Jahren um die Offenlegung der Hilfsfristen in den anderen Kommunen des Kreises ging, zeigte sich der Ausschuss stets sehr zurückhaltend.

Erst nachdem Schäfer sich an das Innenministerium gewandt hatte, kam Bewegung in die Sache. Das Ministerium antwortete ihm, dass es keine Bedenken habe, wenn der Bereichsausschuss die Zahlen herausgebe. Später traf sich der Bürgermeister zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes und einem Vertreter der AOK Ludwigsburg, die beide im Bereichsausschuss sitzen. Das Ergebnis: ein sechsseitiger Erfassungsbericht für Hemmingen. Die Hemminger hoffen nun, dass diese Praxis auch auf die anderen Kommunen im Kreis übergreift.

Die Sache hat nur einen Haken. Wolfgang Stehmer, der sich seit Jahren für die Herausgabe der Hilfsfristen engagiert, bestätigte zwar, dass sich inzwischen „vieles bewegt“ habe. Und: „Die Zahlen sehen tatsächlich gut aus.“ Aber mit den Daten sei kein Vergleich zu den Vorjahren möglich.

Schäfer will weiter nachhaken

Dem SPD-Mann liegen nämlich ältere Dokumente aus dem Sozialministerium vor, in denen die Hilfsfristen aus dem Jahr 2012 angegeben sind. Sie sind aber nicht – wie im aktuell vorliegenden Bericht – in Durchschnittswerten angegeben, sondern in Prozent. Es wird nur deutlich wie viele der Rettungswagen-Fahrten die Hilfsfristen eingehalten haben. Laut Stehmer seien das 2012 rund 83 Prozent gewesen. „Das war zu wenig.“ Besonders in Hemmingen, Eberdingen, Vaihingen und Teilen des Bottwartals konnten die Fristen nicht immer erfüllt werden. Stehmer forderte, weiter nachzuhaken. „Wir brauchen die Durchschnittswerte aus den vorigen Jahren, damit die Anfahrtszeiten verglichen werden können.“

Stehmer will auch wissen, wie viele es von den von Bürgermeister Schäfer angesprochenen Ausreißern gibt. Er berichtete von einem Fall in Hemmingen, bei dem ein Bürger 41 Minuten auf den Krankenwagen gewartet habe. „Es geht um lebensbedrohliche Lagen. Es kann nicht sein, dass es so lange dauert“, sagte Stehmer, „Es sind nicht nur ein paar Ausreißer, es sind mehr.“

Der SPD’ler, der im Namen des gesamten Gemeinderats sprach, zeigte sich im Großen und Ganzen aber zufrieden mit dem Ergebnis: „Darauf lässt sich aufbauen.“ Bürgermeister Schäfer will sich im nächsten Schritt um Vergleichszahlen bemühen: „Ich werde weiter nachhaken.“

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