Reparieren in Leonberg Viele Fälle für geduldige und routinierte Tüftler

Von
Im Repair-Café sind Präzision und Geduld gefragt, um so manches altes Gerät wieder zum Laufen zu bringen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Es ist ein echtes Erfolgserlebnis für Heidrun Keller: „Ich bin total happy“, sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht. Ihre 50 Jahre alte Pfaff-Nähmaschine läuft wieder. Die Fußschaltung war defekt. „Ich habe die Maschine von meiner Mutter bekommen und nähe gerne damit“, sagt sie.

Der Maschinenbauer Robert Krumm hat heute Dienst im Repair-Café im Bürgerzentrum in der Neuköllner Straße. Am zweiten Samstag im Monat sind hier von 10.30 Uhr bis 14 Uhr echte Profis am Werk. „Vielleicht ist etwas durchgebrannt“, rätselt der Fachmann angesichts der alten Maschine. Aber nein, hier liegt der Fehler nicht. Als nächstes reinigt er die Kontakte. Immerhin geht das Pedal jetzt wieder, aber es läuft nur sehr langsam. Das ist nur ein halber Erfolg. Also wird weiter getüftelt.

Schließlich wird gemeinsam alles frisch geölt, und das bringt endlich den Durchbruch: Das alte Öl war verharzt. Jetzt schnurrt die Maschine wieder wie neu.

30 ehrenamtliche Helfer

Vor anderthalb Jahren ist das Repair-Café gestartet, damals mit rund 30 ehrenamtlichen Fachleuten, die den Menschen gegen eine kleine Spende beim Reparieren helfen. Und so viele sind es auch heute noch. Nur wenige sind seither abgesprungen, dafür sind andere freiwillige Helfer neu hinzugekommen.

Die meisten der Experten sind im Ruhestand, aber auch einige junge Leute sind darunter, die hier samstags anderen helfen. So wie Robin Baur. Der erst dreiundzwanzigjährige Computerspezialist hat einen älteren Tintenstrahldrucker vor sich.

„Der frisst die Blätter“, sagt die Kundin, sprich es gibt Papierstau. Eine leichte Übung für Baur. Schließlich ist er Fachinformatiker für Systemintegration.

Obwohl voll im Beruf stehend, engagiert er sich sowohl in Leonberg als auch in Böblingen in den örtlichen Repair-Cafés.

Im Handel gibt es für vieles kaum noch Reparaturen

Der Drucker ist schnell repariert. Da war nur eine Feder kaputt. Im Handel gibt es für Drucker allerdings kaum noch Reparaturmöglichkeiten. „Da werden lieber gleich neue Geräte verkauft“, sagt Baur, der für die kleine Feder das Gerät mit der Kundin komplett auseinanderbauen musste.

Sogar Anwendertipps rund um Handy und Computer kann man sich hier holen. „Wer eine Beratung zu seinem Smartphone oder Notebook braucht, kann auch gerne bei uns vorbeischauen.“

Der Organisator des Repair-Cafés ist Eckart Matthias. „Wir sind froh über solche Spezialisten, der Robin, der hat einfach zwei rechte Hände“, freut sich Matthias. Vom Spendenerlös werden Materialien und Geräte gekauft. „Aktuell fehlt ein Isolationsprüfer“.

Die größte Nachfrage besteht nach der Reparatur von Haushaltsgeräten und Fahrrädern. 30 bis 50 Kunden kommen an so einem Tag vorbei. Doch eine klassische Werkstatt im herkömmlichen Sinne ist das Angebot im Leonberger Bürgerzentrum nicht.

Die Kunden müssen mithelfen

„Wichtig ist uns, dass hier nichts einfach nur zur Reparatur abgegeben wird“, erklärt Renate Strauss vom Veranstalter, der Lokalen Agenda 21. „Jeder soll nach Möglichkeit mithelfen bei der Reparatur oder zumindest dabeistehen.“

Das Repair-Café will keine Konkurrenz zu professionellen Werkstätten sein. Vieles, was hierher gebracht wird, würde sonst auf dem Müll landen, weil sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Dabei geht es um Nachhaltigkeit. Und manchmal ist auch nur ein kleines Teil kaputt.

Manchmal aber müssen auch die Repair-Fachleute aufgeben. Heute geht es Giesbert Dupont mit einer Kaffee-Pad-Maschine so. Er hat Elektrotechnik studiert, kennt sich also aus. „Der Kondensator könnte defekt sein, das ist ein bekannter Serienfehler bei diesem Modell“, erklärt er Günter Kuhn, der seine Kaffeemaschine aus Perouse vorbeigebracht hat.

Nicht alles kann gerettet werden

Mit einem Euro würde der neue Kondensator zu Buche schlagen. Die Arbeitszeit zählt im Ehrenamt nicht. Und so baut Dupont die Maschine geduldig auseinander, setzt einen neuen Kondensator ein und schraubt alles wieder zusammen. Es bleibt spannend: Die Maschine läuft zwar wieder, aber letztendlich bleibt der Kaffee kalt.

„Vermutlich ist die Heizung kaputt, dafür haben wir hier keine Ersatzteile und das wäre zu teuer für so eine alte Maschine. Hier bleibt doch nur die Verschrottung“.

Repair-Café: Am
zweiten Samstag im Monat, 10.30 Uhr bis 14 Uhr, Bürgerzentrum, Leonberg, Neuköllner Straße 5, am Leo-Center.

Artikel bewerten
3
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln
  1. null