Renningen Ordensfrau und Opernsänger

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Der Tenor Jay Alexander vor der „Pforte der Barmherzigkeit“ in Malmsheim. Foto: privat

Renningen - Die Martinuskirche ist lange vor Beginn des Abendlobs voll besetzt. Viele Besucher müssen stehen. Franz Pitzal hat zwei Gäste eingeladen, die auf ganz unterschiedliche Weise die Botschaft der Barmherzigkeit – das diesjährige Motto der Krippe – vermitteln: Schwester Margret von der Stuttgarter Franziskusstube und den Sänger Jay Alexander.

Schwester Margret spricht bedächtig und so leise, dass Franz Pitzal erst einmal die Lautsprecher höher drehen muss. Aber was sie sagt, beeindruckt die Kirchenbesucher. Die 69-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten für Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Franziskusstube an der Stuttgarter Paulinenbrücke ist seit Langem der Wirkungsort der Ordensfrau der Franziskanerinnen von Sießen.

Die Ordensfrau und die Ehrenamtlichen

Schwester Margret erzählt von den 40 bis 50 Menschen, die an sechs Tagen der Woche zum Frühstück in die Anlaufstelle in der Innenstadt kommen. Heimat- und Obdachlose, Drogenabhängige, Einsame – sie alle erhalten ein Frühstück und das Gefühl von Geborgenheit, wenn auch nur auf Zeit. 30 Ehrenamtliche unterstützen die Ordensfrau dabei.

Seit Kurzem wohnen im Haus nebenan zahlreiche Flüchtlinge, berichtet die Franziskanerin. Zuerst habe sie Angst gehabt, damit überfordert zu sein. Doch nun habe man einen guten Kontakt zu den Leuten und den vor Ort Verantwortlichen. „Je mehr Kontakt da ist, desto einfacher wird es“, so die Erfahrung der ausgebildeten Familienpflegerin.

Schwester Margret hat kürzlich für ihr Engagement den Julius-Itzel-Preis erhalten. Dieser ist mit 50 000 Euro dotiert. Wohin das Geld fließt, sagt sie nicht. Vielmehr spricht sie über ihr Engagement für eine Gruppe von Roma in der Süd-Slowakei und die Hilfstransporte für Menschen in Osteuropa.

Eine lange Bekanntschaft

Dann kommt er herein, ganz der Künstler, der große Auftritte gewöhnt ist: Jay Alexander. Der 44-Jährige und Franz Pitzal kennen sich zwar schon lange, an der Krippe habe er aber noch nicht gesungen. Neben seiner Solokarriere tritt der ausgebildete Opernsänger Jay Alexander, der bürgerlich Alexander Pfitzenmeier heißt, auch im Duo mit Marc Marshall auf. Dieser ist wiederum der Sohn von Tony Marshall, ein enger Freund des Renninger Pfarrers.

Jay Alexander erfreut die Menschen in der Kirche nicht nur mit seinem Gesang, von „Tochter Zion“ über „Ihr Kinderlein kommet“ bis „Stille Nacht“, sondern stellt auch seine Entertainer-Qualitäten unter Beweis. So erzählt er zur Freude des Publikums die Geschichte vom Weihnachtsbaum, der im nächsten Leben lieber ein Bonsai sein möchte. Der Höhepunkt seines Auftritts aber ist das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das auf einem Brief des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer beruht, der von den Nationalsozialisten im Jahr 1945 ermordet wurde.

Pfarrer Franz Pitzal dankt Jay Alexander für dieses Schlusslied. „Das war etwas Bewegendes“, sagt er. „Dietrich Bonhoeffer ist uns ein solches Hoffnungszeichen“, fügt er hinzu. Und stellt – ganz im Sinne der Ökumene – eine Krippenfigur, die Bonhoeffer darstellen soll, in das Haus Europa in der Krippe.

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