Reitsport Dressur hilft auch zwischen den Hindernissen

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Falk Westerich ist mit Rat und Tat zur Stelle: Sein geschulter Blick gilt auch den vermeintlichen Kleinigkeiten. Foto: Ulrike Amler

Leonberg - In wenigen Wochen beginnt die lange Turniersaison für Springreiter. Bis dahin müssen die Pferde fit und gut trainiert sein. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Lehrgang, bevor das Turnierreiten wieder losgeht“, erklärt der Gastgeber und Springreiter Jörg Widmaier vom Leonberger Reitstall Benzenbühl. Für seine Einsteller und die rund 110 Mitglieder des gleichnamigen Reitvereins hat der Leonberger deshalb seinen guten Freund und Ratgeber in Dressurfragen, Falk Westerich, eingeladen. Der 32-jährige Berufsreiter aus Ruppertshofen bei Schwäbisch Gmünd ist seit 2016 Mitglied im Bundeskader der Vielseitigkeitsreiter und kennt die Ansprüche eines Springpferdes an die gymnastizierende Ausbildung für den Parcours nur zu gut.

„Springen ist nicht mein Hauptbrot“, sagt der Pferdesportler, „aber ich springe selbst auch bis zur schweren Klasse und lasse mich da gerne von Jörg coachen.“ Der Unterschied zwischen dem Spring- und dem Vielseitigkeitspferd läge am Ende in der benötigten Kraft und Kondition, die die Allrounder bräuchten. „Das Vielseitigkeitspferd muss außerdem noch im Dressurviereck bestehen“, ergänzt Westerich.

Weshalb dann Dressurreiten mit Springpferden? Der Springreiter Jörg Widmaier, bekannt für schnelle Ritte auf engen Linien zwischen den Hindernissen, hat eine klare Antwort darauf: „Was wir jetzt an Wendigkeit und Rittigkeit in Ruhe erarbeiten können, macht später im Parcours vielleicht die entscheidende halbe Sekunde aus.“ Ein Ruderer trainiere auch nicht ausschließlich auf dem Boot.

Nicht nur die 23 Teilnehmer des zweitägigen Dressurtrainings im Reitstall Benzenbühl profitieren von den Ratschlägen des Kaderreiters. Auch Jörg Widmaier holt sich immer wieder Rat bei seinem Freund Falk Westerich. „Reiten ist ein Erfahrungssport, und man darf sich nicht zu schade sein, auch von anderen etwas abzuschauen und sich etwas sagen zu lassen“, ist der Vielseitigkeitsspezialist Westerich überzeugt. Sein eigenes Motto ist auch: „Überall lernen und sich etwas abgucken.“

In der Halle drehen derweil die 15-jährige Madelaine Diether auf dem Schimmel Cannavaro und die gleichaltrige Nina Duzend auf der Schimmelstute Annemone auf dem Zirkel ihre Runden. „Ich weiß selbst, dass ich mit der Hand ein bisschen komisch bin“, merkt die Schülerin der neunten Klasse im Albert-Schweitzer-Gymnasium selbstkritisch an. Nach dem abgelegten Reitabzeichen im Herbst will Nina Duzend nun zum ersten Mal in die Turniersaison einsteigen. „Es ist schon faszinierend, von jemandem Unterricht zu bekommen, der internationale Turniere reitet“, sagt die Schülerin ein bisschen ehrfurchtsvoll. Schließlich habe sie erst seit einem Jahr ein eigenes Pferd.

Der Nationencup-Mannschaftssieger und Bronzemedaillengewinner von 2017 im polnischen Strzegom holt jeden Teilnehmer auf seinem Leistungsniveau ab. Da spielt es keine Rolle, ob sich Widmaiers achtjährige Tochter Emily oder Springreiter mit Erfahrung in der schweren Klasse Tipps vom Vielseitigkeitsprofi holen. „Unser Ziel ist die Förderung der Losgelassenheit des Pferdes, und bei Falk Westerich holen wir uns neue Ideen“, kommentiert Jörg Widmaier am Rande. Für Springpferde brauche man Übungen zur Steigerung der Balance oder wie man den Galopp größer und kleiner reiten könne. Das seien Dinge, die dem Pferd im Parcours etwas bringen. Der Pferdesportler aus Ruppertshofen ist mit seinen Ratschlägen zur gymnastizierenden Dressurarbeit ein gefragter Mann. Kein Wunder, dass sich auch das Team des Pferdesportkreises Böblingen zum Dressurlehrgang eingefunden hat.

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