Schädlinge im Wald Immer mehr Borkenkäfer im Wald

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Der Borkenkäfer frisst sich durch den Stamm einer Fichte und schadet dieser. Foto: dpa

Region - Wenn Spaziergänger im Wald derzeit vermehrt auf Sperrungen einzelner Waldwege treffen, dann hängt dies mit einem kleinen, braunen Käfer zusammen. „Der Befall durch Borkenkäfer an Nadelbäumen aller Altersstufen ist sehr stark erhöht“, heißt es zum Beispiel aus dem Renninger Rathaus.

Auch das Kreisforstamt in Böblingen bestätigt, dass Förster derzeit mit dem kleinen Tier zu kämpfen haben. „Gründe dafür sind das Zusammenspiel von anhaltend hohen Temperaturen, fehlendem Niederschlag sowie der intensiven Blüte der Waldbäume“, erklärt Rebecca Kottmann, die Pressesprecherin des Kreisforstamts. All das habe die Widerstandskraft der Fichten, Tannen und Kiefern geschwächt.

Borkenkäfer befallen vor allem Fichten und legen in der Rinde ihre Brut an. Normalerweise kann der Baum durch die Absonderung von Harz die Insekten abwehren. Ist er aber – wie in diesem Sommer – durch Trockenheit geschwächt, können ihm auch relativ wenige Käfer gefährlich werden. Brutherde dienen bei entsprechender Witterung (trocken, heiß und windstill) als Ausgangspunkt für eine Massenvermehrung.

Befallene Bäume müssen weg

Um eine großflächige Ausbreitung zu verhindern, muss der Borkenkäferbefall deshalb frühzeitig erkannt werden. „Befallene Bäume müssen dann rasch aus dem Wald entfernt werden“, sagt auch Andreas Roth, der stellvertretende Leiter des Forstamts im Enzkreis. Dadurch komme es zu den erwähnten Wegsperrungen im Wald. Das rechtzeitige Fällen allein sei jedoch nicht ausreichend: „Auch gefällte Stämme werden von den Käfern zur Eiablage und Brut genutzt. Deshalb darf das Holz auf keinen Fall so lange im Wald bleiben, bis sich die Borkenkäfer fertig entwickelt haben und ausschlüpfen.“

Man müsse schnellstmöglich die Stämme aus dem Wald abtransportieren, die Rinde entfernen oder die Stämme spritzen. Das Forstamt im Enzkreis fordert auch alle privaten Waldbesitzer auf, gegen den Schädling zu kämpfen. „Alle Waldbesitzer sind nach dem Landeswaldgesetz dazu verpflichtet, die Ausbreitung des Schädlings einzudämmen“, betont Roth und kündigt an, dass das Forstamt Schutzmaßnahmen ergreifen könne, die dem betroffenen Waldbesitzer dann in Rechnung gestellt würden.

Ansonsten ist noch nicht klar, welche Schäden durch die große Hitze und Trockenheit im Wald entstanden ist. Jeder kann aber schon jetzt beobachten, dass sich der Wald sehr früh herbstlich-bunt verfärbt. „Auch bei Laubbäumen wie Rotbuchen, Kastanien, Hainbuchen und Spitzahornen können zunehmend Trockenschäden beobachtet werden“, bestätigt Rebecca Kottmann in Böblingen. „Die Laubbäume werfen bereits frühzeitig ihr Laub ab, um sich zu schützen.“

Die Folgen sind noch nicht absehbar

Noch sei aber nicht absehbar, wie groß die Schadenssituation im Landkreis Böblingen ist. Kottmann verweist auf den Trockensommer 2003. Damals sind ebenfalls Borkenkäferschäden erst von August an vermehrt aufgetreten. „Die gesamten Folgen waren dann erst im Jahr darauf wirklich spürbar“, sagt die Sprecherin des Böblinger Forstamts.

Zu einem ungewöhnlichen Aufruf sieht sich daher die Stadt Böblingen veranlasst. Vor allem junge Bäume hätten Hitzestress, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher sollten doch die Anwohner beim Gießen mithelfen und den städtischen Bäumen vor der Haustüre ein wenig Wasser spenden. „Die Stadtverwaltung bedankt sich bei allen Helfern besonders für ihren Einsatz“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Pfeiffer.

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