Ratspremiere für den Leonberger OB Der neue Chef mag es oben ohne und auch sonst leger

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OB Martin Kaufmann ernennt Johannes Frey (Mitte) zum Stadtrat. Baubürgermeister Klaus Brenner schaut etwas skeptisch zu. Foto: factum/Granville

Leonberg - Bisher war das Krawattenverhältnis im Stadtvorstand zwei zu eins. Das ist immer noch so, aber umgedreht. Jetzt gehen Klaus Brenner und sein neuer Chef Martin Kaufmann oben ohne, während nur noch Ulrich Vonderheid mit Schlips unterwegs ist. Bis vor einer Woche hatte er mit dem jetzigen Alt-Oberbürgermeister Bernhard Schuler noch einen zumindest modisch Gleichgesinnten.

Das legere Auftreten des neuen Leonberger Verwaltungschefs ist nicht das einzige, was anders ist bei Kaufmanns Ratspremiere. Die Stimmung im Saal ist leicht aufgekratzt. Nicht nur unter den Stadträten und den Verwaltungsmitarbeitern, sondern auch bei den zahlreich erschienenen Zuschauern. Eine Mischung aus Neugierde und Erwartung.

Ohne persönliche Anmerkungen eröffnet Kaufmann geschäftsmäßig die Sitzung. Der neue Ratsvorsitzende kündigt an, dass der spannende Tagesordnungspunkt zur Zukunft des Ökumenischen Zentrums abgesetzt wurde. Das sensible Thema ist offenbar noch nicht beschlussreif.

Angenehme Aufgabe

Dann gleich eine angenehme Aufgabe: Der Oberbürgermeister kann ein neues Ratsmitglied verpflichten. Johannes Frey nimmt in den Reihen der Freien Wähler Platz. Der 65-Jährige folgt dem kommunalpolitischen Urgestein Dieter Vestner. Der 76-jährige Straßenbaumeister hatte sich Anfang November nach 42 Jahren im Rat aus dem Gremium verabschiedet.

Fachlich bleibt in der Freien Wähler-Fraktion die Kontinuität gewahrt. Frey ist Architekt und kann bei den etlichen Bauthemen seine Expertise einbringen.

Man merkt, dass Martin Kaufmann Bürgermeister-Routine hat. Professionell liest er dem neuen Ratskollegen dessen Amtsformel vor, steckt ihm eine Nadel ans Revers, und schon ist der hauptberufliche Architekt ein ehrenamtlicher Stadtrat.

Jetzt geht es an die Sachthemen. Der alte Rathaus-Parkplatz soll aufgefrischt werden. Martin Stölker vom Tiefbauamt stellt den Stadträten die Pläne vor. Die haben einige Rückfragen. Während bei Bernhard Schuler der Wissensdurst Einzelner zumeist direkt beantwortet wurde, bündelt Martin Kaufmann die Fragen, um sie nachher en bloc beantworten zu lassen. So ähnlich wie es bei Podiumsdiskussionen mit Fragen aus dem Publikum üblich ist.

Nach jeder Runde erkundigt sich der Vorsitzende, ob denn der Fragende mit der Antwort zufrieden ist. „Nö“, sagt Frank Albrecht von der Wählergruppe SALZ. „Dann müssen wir es genauer beantworten“, weist Kaufmann seinen Mitarbeiter an. Auch solcherlei Praxis war bei Schuler eher unüblich. Der Diskussionskultur ist der neue Stil gewiss zuträglich.

Mit lockeren Randbemerkungen baut der neue OB die Spannung ab. Das bedeutet aber nicht, dass er weniger aufmerksam ist. „Bei vielen Themen muss ich noch lernen“, ruft Kaufmann zwei tuschelnden Stadträten zu. „Das kann ich nicht, wenn der Geräuschpegel so hoch ist.“ Die Erwischten werden rot und geloben Besserung.

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