Prozess in Leonberg Mann soll Auto seiner Ex gerammt haben

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Der 24-Jähriges soll auch Widerstand gegen die Polizei geleistet haben. Foto: dpa

Leonberg - Schon zu Beginn der Verhandlung am Leonberger Amtsgericht war klar, dass es an diesem Tag kein Urteil ­geben wird – die Hauptzeugin war nämlich nicht erschienen. Laut dem angeklagten Ex-Freund, der mit der Frau nach wie vor in Kontakt stehen wollte, hatte diese offenbar die Ladung nicht bekommen. Die Richterin Jasmin Steinhart hatte noch aus dem ­Sitzungssaal versucht, die Zeugin telefonisch zu erreichen, doch diese war nicht ran­gegangen. Deshalb musste die Ver­handlung vertagt werden.

Auch wenn der Anwalt des angeklagten Mannes auf die Uhr guckte und vorsorglich verlauten ließ, dass er noch einen Termin in Stuttgart hat, was insofern auf Verwunderung beim Staatsanwalt stieß, als er sich nicht erklären konnte, wie dieser trotz ­seines „schnellen Autos“ durch den Feierabendverkehr kommen sollte, um pünktlich am dortigen Gericht einzutreffen, ließ es sich die Amtsrichterin aber nicht nehmen, die anwesenden Zeugen zu vernehmen. Diese sollten zur Aufklärung beitragen, ob der Rutesheimer zu Recht auf der Anklagebank saß.

„Nur ein leichter Schubser“

Die Staatsanwaltschaft warf dem 24 Jahre alten Mann vor, nach einem Streit im vergangenen Juni das Auto seiner Ex-Freundin beim Einfahren in den Kreisverkehr gerammt zu haben. Später soll sich der Rutesheimer, der offenbar nicht mehr zu beruhigen war, auch noch seiner Festnahme durch die hinzugerufene Polizei widersetzt haben. Die Anklage lautete auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Der Rutesheimer gab zwar zu, dass er auf das Auto aufgefahren war. Doch er wollte dabei keinen Schaden verursacht haben. „Ich hatte mich ganz langsam vorangetastet und ihr nur einen leichten Schubser gegeben“, sagte der Mann und erklärte, dass die Stoßstange bereits beschädigt war. „Ich kenne das Auto in und auswendig, weil ich es für sie repariert hatte.“ Auch von dem angeklagten Widerstand gegen die Polizei wollte er nichts wissen. Viel mehr beschwerte er sich darüber, die Beamten hätten überreagiert und ihm die Handschellen so fest angelegt, dass seine Hände ganz taub gewesen seien.

Ein Radfahrer, der zufällig in der Nähe war, bekam den Rempler mit, und sagte aus, dass er keinen großen Schaden registriert habe. Ihm zufolge hatte der Mann danach auch noch das vordere Nummernschild abgerissen. Das Verhalten der Polizei hielt er nicht für überzogen, und auch er erfuhr den Zorn des Mannes am eigenen Leib. Der Rutesheimer wollte ihm das Paket, das der Ingenieur ­dabei hatte, „in den Arsch schieben“, sollte er sich nicht aus der Sache raushalten.

Situation eskaliert

Der geladene Polizist sprach von einer Situation, die „nicht mehr zu beherrschen war“, weshalb er damals noch eine zweite Streife angefordert hatte. „Der Mann war sehr aggressiv und versuchte, auf die Frau loszugehen“, berichtete er. Begrüßt wurden er und sein Kollege übrigens mit den Worten „Was wollt ihr hier, ihr Pisser?!“ Den Schaden am Kofferraumdeckel und an der Stoßstange des inzwischen verkauften Autos – letztere konnte laut Werkstatt nicht repariert, sondern musste ausgetauscht werden – gab er mit ungefähr 1400 Euro an.

Der Hintergrund war offenbar Eifersucht. Der Beamte erzählte, die Frau habe ihm gesagt, dass der Angeklagte ihr immer wieder nachstelle. An diesem Tag hatte er ihr nach Feierabend auf dem Parkplatz eines Discounters aufgelauert. Dann soll er sie mit einem Messer bedroht und gesagt haben: „Wenn du einen neuen Freund hast, kriegen du und er eine Kugel, und dann bringe ich mich um!“ Damals soll der Mann auch so heftig auf das Auto eingeschlagen haben, dass er an der Hand blutete. Laut dem Beamten hatte dies auch ein Arbeitskollege der Frau mit­bekommen, dieser wollte aber aus Angst nicht aussagen.

Messer und Mückenstiche

Der arbeitssuchende Rutesheimer, der früher einen Reifenverkauf betrieben hatte, erzählte eine ganze andere ­Geschichte. Demnach wollte er an dem Abend mit seiner Ex-Freundin über den Verkauf ihres Autos sprechen, mit dem sie ihn angeblich beauftragt hatte. Weil sie ihn aber abblitzen ließ, wurde er wütend. Das Messer auf dem Parkplatz? „Ja, ich hatte ein Messer dabei“, sagte der 24-Jährige, behauptete aber: „Mit dem hatte ich mich nur am Arm gekratzt, weil ich einen ­Mückenstich hatte!“

Dem Beamten zufolge zeigte der Mann auch einige Tage nach dem Vorfall keinerlei Einsicht. „Er meinte, es interessiere ihn nicht, was die Polizei sagt“, erzählte er. Dann habe er lauthals angekündigt, dass er zu seinem Anwalt gehen werde und seinen eingezogenen Führerschein innerhalb von zwei Tagen wieder bekomme. „Andernfalls wollte er sich einen neuen Führerschein im Ausland besorgen“, berichtete der Polizist.

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