Protest in Weil der Stadt Weiler singen für Toleranz und gegen Rechts

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Vor dem Eingang zum Klösterle hat sich eine große Menschenmenge zusammengefunden, um zu demonstrieren. Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Es ist ein eigentümliches Bild, das sich in der Altstadt in Weil der Stadt am Samstagabend bietet. Überall in den Straßen sind Polizisten unterwegs, zu Fuß und in Streifenwagen, vor dem Marktplatz ertönt Musik, immer mehr Menschen versammeln sich vor dem Klösterle. Nachdem die AfD dort eine Versammlung angemeldet hat, hat sich kurzfristig eine Gegendemonstration formiert, die vor den Toren des Klösterles zu einem Adventssingen zusammengekommen ist.

Initiiert und angemeldet hat die Demo Silvia Tanczos-Lückge, SPD-Mitglied im Weiler Gemeinderat. Wie die meisten hatte sie erst kurz vor dem Termin von der Veranstaltung erfahren und die Kundgebung auf die Beine gestellt. Sie schrieb Bekannte und Gemeinderäte an und rief zur Teilnahme auf. „Ich bin total begeistert, dass daraufhin so viele gekommen sind, vor allem über die Parteigrenzen hinweg“, sagt Silvia Tanczos-Lückge. Um kurz nach 19 Uhr – Veranstaltungsbeginn bei der AfD – haben sich nach Angaben der Polizei um die 120 Menschen vor dem Klösterle zusammengefunden, halten Banner hoch, singen Lieder, manche haben Tröten und Trommeln mitgebracht.

„Viele Ewiggestrige“

„Es gibt leider viele Ewiggestrige, die versuchen, mit Nazi-Parolen Anklang zu finden“, bedauert Tanczos-Lückge. „Dagegen, dass sie das Klösterle bekommen, können wir nichts tun. Aber wir wollen zeigen, dass wir sie hier nicht haben möchten.“ Carola Manzke, stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende der CDU, sieht das Problem nicht nur in dem völkischen Jargon: „Es geht auch um die vielen Unwahrheiten, die die AfD verbreitet und die die Menschen nicht nachprüfen.“

Doch nicht nur Politiker sind dem Aufruf von Silvia Tanczos-Lückge gefolgt. Auch Vertreter des Jugendhauses und vom Arbeitskreis Asyl sind gekommen, ebenso andere Bürger aus Weil der Stadt. Die Mitglieder des Jugendhauses haben ihr Banner von der Landtagswahl mit der Aufschrift „Weil der Stadt – liebenswert, lebendig, bunt“ dabei. „Herr Frohnmaier stellt Weil der Stadt oft als seine Basis dar, weil er von hier kommt, wir wollen aber zeigen, dass er hier keinen so großen Unterstützerkreis hat, wie er es gerne hätte“, sagt Anna Gepperth. Für die Vorsitzende des AK Asyl, Marianne Maier, ist es „wichtig, dass ich in meiner Funktion hier Stellung beziehe“. Zugleich freut es sie, dass sie in Weil der Stadt bislang noch nie mit Anfeindungen zu tun hatte „und wir immer in Ruhe unsere Arbeit machen konnten, das ist auch nicht überall selbstverständlich“.

150 Besucher kommen zur AfD-Veranstaltung

Im Inneren des Klösterles ist der Saal mit rund 150 Besuchern voll gefüllt. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier hat unter anderem die Abgeordneten Gottfried Curio und Volker Münz eingeladen. Etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Veranstaltung steht Gottfried Curio am Rednerpult und erzählt von der Entmündigung des deutschen Volkes und seiner Meinung über den Migrationspakt, von Islamisierung und von der Unverträglichkeit kultureller Werte. Wer „vom deutschen Identitätsgefühl nichts übrig lassen will“, als sich nur an das Grundgesetz zu halten, der ist ein „Deutschlandhasser“. Die anderen Parteien „wollen uns bekämpfen“ und „Deutschland als Kulturnation vernichten“, so Curio. Nach jedem mit Nachdruck beendeten Satz gibt es Applaus aus dem Publikum.

Die Demonstration draußen ist nur bis 20 Uhr angemeldet, danach löst sich die Gruppe langsam auf. Einige aber bleiben mit ihren Bannern noch länger stehen. Weder vor noch nach der Veranstaltung kommt es zu Ausschreitungen oder anderen Vorfällen. Der Abend verläuft „friedlich und störungsfrei“, so die Polizei.

Der Erste Beigeordnete von Weil der Stadt und zugleich Leiter des Ordnungsamts, Jürgen Katz, ist während der Demonstration trotzdem mit vor Ort. „Ich will nach dem Rechten sehen und der Polizei das Gefühl geben, dass wir sie als Stadtverwaltung nicht alleine lassen“, sagt Katz. Dass zu der Kundgebung so viele Bürger gekommen sind, freut ihn. „Mit den Menschen vor dem Klösterle sympathisiere ich natürlich mehr als mit den Menschen im Klösterle.“

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