Pferdehandel „Rossnarrisch“ muss man schon sein

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Hand drauf – und das Geschäft ist nach alter Sitte besiegelt Foto: factum/Granville

Pferdehandel - Nein! Nein! Um Gotteswillen!“ Die ARD-Reporterin lehnt ganz entschieden ab. Der Pforzheimer Pferdehändler Berthold Nonnenmann und der Renninger Preisrichter Frieder Breining bieten ihr nämlich an, auf einem Pferderücken eine Runde vor den Augen der Juroren und der erwartungsvollen Zuschauer in der Schlossstraße zu traben.

„Na ja, ein bisschen rossnarrisch muss man schon sein, sonst funktioniert das nicht“, befindet der Renninger Pferdekenner. Dann erklärt er den Leuten vom Fernsehen, die einen Beitrag für die Sendung „natürlich“ drehen, worauf die Richter in der Schloss- und in der Klosterstraße bei den 86 vorgeführten Pferden achten.

Der Gesamteindruck zählt bei der Bewertung

„Erst geht es um den Gesamteindruck, dann um den Hals, den Kopf“, zählt Richter Wilhelm Gieck auf. „Ganz wichtig ist das Auge, es zeigt, ob das Pferd Vertrauen hat“, erläutert Breining. Sei viel vom weißen Augapfel zu sehen, ist es aufgeregt. „Auch ein Kaltblüter kann heißblütig sein“, wissen die Richter. Viel über die augenblickliche Verfassung sage auch das Ohrenspiel aus, weil es deutlich macht, wie aufmerksam das Pferd auf seine Umgebung reagiert. Im Schritt und dann im Trab zeigen die Tiere, ob sie einen „fleißigen Schritt“ haben, also gut vorankommen, und Reiter gut getragen werden. „Schwingt der Rücken, sitzt der Reiter gut“, weiß Breining. Das Publikum genießt die mit viel Humor gespickten Erklärungen. Als gut erwiesen hat sich auch die Idee, die Prämierung der Händlerpferde um 10 statt um 9 Uhr zu beginnen. Der Publikumsandrang war um vieles größer als im Vorjahr.

Doch dann wird alles von einem unvorhergesehenen Ereignis unterbrochen. Vom Schloss nähert sich eine Kutsche. Es sind die Pferdefreunde aus Belfort, die auf dem Weg zum Festumzug sind. Die gepflegten und schön herausgeputzten Comtois-Pferde anzusehen ist eine Freude. Sie bekommen nicht nur Lob und Anerkennung von den Richtern, sondern auch viel Beifall von den Zuschauern. Als dann einer der Belforter in bestem Schwäbisch erklärt, dass die Pferde zum „Schaffe“ eingesetzt werden, also um gefällte Bäume in den Wäldern zu rücken, haben sie die Herzen aller im Sturm erobert – und bekommen einen symbolischen ersten Preis zugesprochen.

Der Vorführende ist ebenfalls wichtig

„Lassen Sie dem Pferd mehr Freiheit am Kopf, manchmal kommt es auch auf den Vorführenden an, wie gut sich das Tier präsentiert“, sagt Richter Helmut Kayser in der Klosterstraße. „Dann muss es wohl eine Stute gewesen sein“, schlussfolgert er, als eine Vorführerin eine Kreuzung aus Araber-Hengst und „keine Ahnung“ am Halfter präsentiert. „Die ist gut im Futter“, urteilt Richterkollege Hans-Peter Philippin angesichts einer riesigen, wohlgenährten Rheinländer-Stute. Der Tierarzt zeigt sich mit dem Pflegezustand der präsentierten Pferde zufrieden. „Wir haben schon viel Schlechteres zu Gesicht bekommen.“

Als Kayser von einem „leichtfuttrigen“ Tier spricht, wollen die Zuschauer eine Erklärung. „Gute Futterverwerter und genügsame Tiere waren früher des Schwaben Lieblingspferde. Denn es machte schon viel aus, ob man ein oder drei Pfund Hafer benötigte, um ein Pferd satt zu bekommen.“ Das Publikum hört interessiert zu.

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