Olympia 2018 in Pyeongchang Herr Kim backt die besten Brötchen

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Hyung-Jun Kim backt für die deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen. Die Silbermedaillen-Gewinnerin im Skispringen, Katharina Althaus, freut sich drüber. Foto: privat

Remseck - E in Dreifach-Sieg in der Nordischen Kombination, dazu eine Gold- und drei Silbermedaillen auf der Skisprungschanze: ob die Erfolge der deutschen Athleten in den nordischen Disziplinen der Olympischen Spiele etwas mit ihrer Ernährung zu tun haben, ist unklar. Klar ist aber, dass sie alle, ob Johannes Rydzek, Andreas Wellinger oder Katharina Althaus, in diesen Tagen nicht auf Brezeln, Brötchen und Kuchen verzichten müssen. Der Grund dafür heißt Hyung-Jun Kim, ist 37 Jahre alt – und als Bäcker für das leibliche Wohl der Sportler zuständig.

Gemeinsam mit zwei Köchen versorgt Kim das deutsche 55-köpfige Olympiateam im Außenquartier in Alpensia. Dort finden vor allem die Wettkämpfe im Biathlon, im Langlauf, im Eiskanal und von der Sprungschanze statt. Weil westliche Backwaren in Südkorea nicht zu kaufen sind, beschäftigt der Deutsche Skiverband (DSV) Hyung-Jun Kim. Für den Ernährungsplan der Sportler seien Brot und Brezeln, Kuchen und Brötchen unverzichtbar, erklärt Ralf Görtz, der seit einigen Jahren in Südkorea lebt, eigentlich für ein Maschinenbau-Unternehmen arbeitet und vom DSV für die Spiele als ortskundiger Koordinator angeheuert wurde. Er hat den Kontakt zu Hyung-Jun Kim hergestellt.

Nach den Spielen will Kim eine eigene Bäckerei eröffnen

Gelernt hat Kim sein Handwerk in Rems­eck, bei der Bäckerei Lutz. Hier begann er im Sommer 2013 seine Ausbildung zum Bäckergesellen, später besuchte er die Meisterschule in Stuttgart und hospitierte bei anderen Handwerksbetrieben in Ludwigsburg und der Region. Auch einen Abstecher nach Frauenstein im Erzgebirge wagte der Südkoreaner, um dort die Geheimnisse von Eierschecken, Mohnkuchen und Dresdner Christstollen zu ergründen.

Sein Ziel: eine eigene Bäckerei in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die will er nach den Olympischen Spiele eröffnen und darin deutsches Brot und schwäbische Brezeln anbieten. Er wolle seinen Landsleuten „original German Bread culture“, also die deutsche Brotkultur, näherbringen, erklärt Kim. Bisher seien Backwaren in Korea kaum verbreitet, in den vergangenen Jahren würden sie vor allem bei jungen Leuten aber immer beliebter.

Während der Spiele müssen Kim und seine beiden deutschen Kollegen von der Küchencrew mindestens drei Mahlzeiten pro Tag anbieten. Alle Backwaren bereitet Kim dabei frisch zu, einige Zutaten wie Dinkel- oder Roggenmehl müssen eigens aus Deutschland importiert werden. Sein Arbeitstag ende meist nach Mitternacht, erzählt Kim, und da viele Wettkämpfe erst spät am Abend enden, könne er die Entscheidungen oft nicht live im Stadion miterleben. Wenn doch, sei das aber ein sehr emotionales Erlebnis – vor allem, wenn Team Deutschland eine Medaille gewinne.

Erst ein Statistikstudium, dann die Ausbildung zum Bäcker

Der Weg in die Backstube war für Kim ein durchaus langer. Nach einem Statistikstudium in seiner Heimat arbeitete er drei Jahre als Eventmanager in Japan, bis er entschied, dass dieser Beruf nicht zu ihm passt. Er begann eine Lehre als Konditor, ein Freund aus Mannheim brachte ihn dann auf die Idee, das Handwerk in Deutschland zu lernen. Also schrieb er eine E-Mail an den Zentralverband des Bäckerhandwerks – und landete bei der Bäckerei Lutz in Remseck. Der Chef, Florian Lutz, wollte dem Bewerber aus der Fremde eine Chance geben. Ganz einfach war der Start in der Fremde gleichwohl nicht, der Ausbildungsbetrieb musste für den Lehrling ein höheres Gehalt überweisen, sonst hätte sich Kim den Aufenthalt in Europa nicht leisten können. Auch die fremde Sprache machte anfangs noch Schwierigkeiten. Trotzdem schaffte er die Gesellenprüfung, im vergangenen Oktober kehrte der Bäcker dann nach Südkorea zurück.

Was Hyung-Jun Kim von seinen Lehrjahren in Süddeutschland mitgebracht hat, ist auch die Kunst des Brezelschlingens. Einziger Wermutstropfen: schwäbisches Laugengebäck scheint bei den deutschen Olympioniken derzeit nicht sehr hoch im Kurs zu stehen. „Leider werden sie vom Team nicht wirklich nachgefragt“, sagt Hyung-Jun Kim.

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