Neubaugebiet Lailberg in Heimsheim Die Stadt fördert Fledermäuse

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Kästen für Fledermäuse müssen in Heimsheim auch an die Häuser angebracht werden. Foto: Pixabay

Heimsheim - Mit einem kleinen Schritt könne man etwas Großes erreichen. Das findet jedenfalls der Heimsheimer Gemeinderat Martin Häcker (Bürger für Heimsheim). „Das wäre ein Zeichen für den Artenschutz“, sagt er in der Sitzung am Montagabend. Im Gemeinderat stellt er den Antrag, den künftigen Bauherren im Neubaugebiet Lailberg II vorzuschreiben, dass sie an ihr neues Haus ein Fledermausquartier anbringen müssen. Denn in den vergangenen Jahren seien die Fledermaus-Bestände zurückgegangen. Vor allem bei seinen CDU-Ratskollegen sorgt er damit für Stirnrunzeln. Dennoch gibt es am Ende eine knappe Mehrheit von sieben Räten aus SPD, einem Freien Wähler und dem Bürgermeister. Nur fünf Stadträte stimmen dagegen.

Freilich betrifft das nicht alle künftigen Bauherren im Lailberg. Denn im Bebauungsplan darf die Stadt so etwas nicht vorschreiben. 107 der insgesamt 200 Grundstücke sind aber im Besitz der Stadt, die sie weiterverkauft. Hier wird die Stadt nun beim Verkauf die Quartierskästen im notariellen Kaufvertrag verankern.

Vorreiter in Baden-Württemberg

„Und ist damit Vorreiter“, bemerkt Martin Häcker, der auch der Heimsheimer Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist. Nur in Frankreich sei man bei solchen Vorschriften schon weiter, berichtet er. „In Baden-Württemberg wüsste ich von keiner Gemeinde.“ Auch beim Gemeindetag in Stuttgart weiß man von keiner solchen Kommune, bestätigt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Wir haben unsere Probleme damit, wenn man den Bürgern immer alles vorschreibt“, sagt dagegen Ralf Rüth (CDU) in der Gemeinderatsdebatte am Montagabend. Er verweist darauf, dass die Käufer der Grundstücke schon an einem Natur-ausgleich mitbezahlt hätten. Seine Fraktion unterbreitet daher einen Gegenvorschlag: Die Fledermaus-Kästen sollen freiwillig sein, dafür bezuschusst die Stadt die Anschaffung mit Geld. Etwa 60 bis 200 Euro kosten die Fledermauskästen. „Und es gibt auch Leute, die sich vor einer Fledermaus vor ihrem Wohnzimmer ekeln“, erklärt Ralf Rüth.

Die „Bürger für Heimsheim“ halten dagegen. Gaby Wulff hält die Überlegung durchaus für zumutbar. „Schließlich haben in dem Neubaugebiet vorher viele Lebewesen gewohnt“, sagt die Stadträtin. Und Sabine Kiedaisch weist darauf hin, dass es schon heute viele, viele Vorschriften für die Bauherren gibt. „Die Fledermaus ist nur ein weiterer Schritt“, sagt sie. Man habe hier die Chance, Vorreiter für die Natur zu werden. „Und wer sich vor der Fledermaus ekelt, der darf einfach nicht zu uns nach Heimsheim ziehen.“

Der Bürgermeister ist auch dafür

Als Befürworter der Fledermausschutzpflicht gibt sich auch Heimsheims Bürgermeister Jürgen Troll zu erkennen. „Wir vergeben die Grundstücke zu einem Preis unter dem Marktwert“, sagt er. „Damit sind dann eben auch gewisse Verpflichtungen verbunden.“

Da kann die CDU mit ihrem Vorschlag am Ende nicht mehr durchdringen, auch wenn Dennis Waldherr noch einmal auf Freiwilligkeit plädiert. „Der Erfolg und die Akzeptanz sind so höher“, sagt er. Der Fledermaus-schutz beginne schon viel früher. Denn Insekten sind die Nahrungsgrundlage, auch hier könne man mit vielen Maßnahmen viel bewirken.

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