Neubaugebiet in Rutesheim Einheimische haben die besseren Karten

Von
Vor allem junge Familien zieht es in den Speckgürtel rings um Stuttgart. Doch Hausbauplätze sind überall rar gesät. Foto: Avanti

Rutesheim - Die Familien Müller, Maier und Schulze wollen gern ein Eigenheim bauen. Am liebsten im neuen Wohngebiet „Nördlich Schelmenäcker/Pfuhlweg“ in Rutesheim, das im nächsten Jahr erschlossen und bebaut werden soll. Für die bis zu 19 Bauplätze gibt es bereits 683 Interessenten, die Ausschreibung ist erst nach Ostern geplant. Die Vergabe erfolgt nach Kriterien, die der Gemeinderat am Dienstagabend verändert hat. Bewerber erhalten für verschiedene Voraussetzungen, die sie erfüllen, eine bestimmte Punktzahl. Den Zuschlag für einen Eigenheim-Bauplatz erhält dann der Interessent mit der höchsten Summe.

Nehmen wir Familie Müller. Beide Eheleute wohnen seit ihrer Geburt in Rutesheim. Für das Paar Anfang 30 ergibt das maximal mögliche 25 Punkte je Person, insgesamt also 50. Keiner von beiden arbeitet in Rutesheim: 0 Punkte. Die Müllers haben zwei Kinder. Für das erste gibt es 10, für das zweite 15 Punkte. Macht 75 Punkte.

Kinder und Gewerbe geben Punkte

Familie Maier hat ebenfalls zwei Kinder unter 18, doch weder Mama noch Papa Maier wohnen oder arbeiten in Rutesheim. Sie erfüllen auch kein weiteres Kriterium. Sie erhalten nur 25 Punkte für den Nachwuchs. Da sich die Familie aber bereits einmal vergeblich um einen Bauplatz im Stadtteil Perouse bemüht hat, werden 10 Punkte draufgeschlagen. Endergebnis: 35.

Bleibt noch Familie Schulze. Die Kinder sind erwachsen und bereits aus der Mietwohnung der Familie ausgezogen. Die gebürtigen Rutesheimer arbeiten auch in der Stadt, Papa Schulze führt sogar ein kleines Gewerbe. Das gibt 50 Punkte für den Wohnort und jeweils 20 Punkte für den Arbeitsort Rutesheim, also zusammen 90.

Mama Schulze ist seit vielen Jahren im Vorstand eines Vereins. Dafür könnte sie 10 Extra-Zähler erhalten. Und wenn die pflegebedürftige Oma Schulze mit ins neue Eigenheim zieht, gibt es etwa für Pflegegrad 1 noch mal 10 Pünktchen. Dann käme Familie Schulze auf 110 Zähler. Bewerben sich alle drei Familien auf ein und denselben Bauplatz, dann bekämen die Schulzes nach den Kriterien der Stadt den Zuschlag. Familie Müller hat zwar auch recht gute Karten, aber für Familie Maier von außerhalb sieht es dagegen schlecht aus.

Das ist von Stadtverwaltung und Gemeinderat durchaus so gewollt. „Wir fördern damit aktiv Menschen, die zur Miete oder zu beengt wohnen“, sagt der Erste Beigeordnete Martin Killinger. Die Kriterien seien objektiv und transparent.

Kriterien sind „objektiv und transparent“

Ein Antrag von Ulrich Schenk, den Wohnort-Bonus von maximal 25 auf 10 Punkte zu senken, fand keine Unterstützung. Die Mehrheit im Rat sprach sich für die Einheimischen-Regeln aus. „Wichtig ist, dass Bewerber von hier zum Zuge kommen“, meint etwa Fritz Schlicher (Gabl). „Wir haben lange abgewogen. Absolute Gerechtigkeit wird man nie hinbekommen, aber diese Kriterien finden wir am gerechtesten“, sagt Wolfgang Diehm (Bürgerliche Wählervereinigung). „Es ist gut gelungen“, befand auch Reinhart Böhm (CDU) und lobte die neuen zusätzlichen Kriterien, etwa für langjähriges Ehrenamt, Pflege oder auch für einen Arzt. Denn sollte ein Mediziner vorhaben, sich in Rutesheim mit Praxis niederzulassen, kann ihm der Gemeinderat bis zu 100 Pünktchen extra gewähren. Die Stadt wirbt schon seit einigen Jahren aktiv um weitere Haus- und Fachärzte, hatte damit aber zuletzt wenig Erfolg.

Andere Kriterien wurden dagegen abgeschafft, etwa der Bonus für Bewerber unter 35 Jahren oder für Eltern und andere Angehörige in der Stadt.

Artikel bewerten
10
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden