Nach Brand in Markgröningen „100 Prozent Absicherung gibt es nicht“

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Insgesamt 150 Einsatzkräfte kämpften in der Nacht auf Montag gegen die Flammen, die in einer Obdachlosenunterkunft in Markgröningen wüteten. Foto: 7aktuell.de/Franziska Hessenauer

Markgröningen - Thomas Korz ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Vaihingen/Enz und einer von drei stellvertretenden Kreisbrandmeistern im Landkreis. Der 45-Jährige war dabei, als der Brand in Markgröningen gelöscht wurde. Am Montag Vormittag gingen Feuerwehr und Polizei noch von einem Unfall aus – mittlerweile ist klar: ein Bewohner der Unterkunft hat wohl das Feuer gelegt. Er hat ein Geständnis abgelegt und sitzt in Untersuchungshaft.

Das betroffene Gebäude war eine Obdachlosenunterkunft. Brennen diese häufiger als gewöhnliche Wohnhäuser?
Ja, das muss man leider so sagen. Wir müssen häufig Obdachlosen- oder Asylunterkünfte anfahren.
Woran liegt das?
Das hat verschiedene Ursachen. In Asylunterkünften sind häufig der andere Kulturkreis und ein weniger ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein die Gründe. Da wird dann Fleisch auf der blanken Herdplatte gebraten oder man grillt im Gang. In Obdachlosenunterkünften spielen auch die Lebensumstände der Bewohner eine Rolle: Man hat nachts Lust, etwas zu kochen, schläft dann aber vor dem Fernseher ein, während der Herd läuft. Und zuletzt sind auch technische Defekte eine häufige Brandursache in den Unterkünften. An den Elektrogeräten wird viel herumgebastelt. Das erhöht das Risiko. Das klingt hart, ist aber unsere Erfahrung.
Gibt es dann spezielle Vorkehrungen zu Asyl- und Obdachlosenunterkünften?
Die Obdachlosenunterkunft in Markgröningen ist laut Landesbauordnung ein Wohnhaus wie jedes andere auch. Dort sind also Rauchmelder in allen Aufenthaltsräumen Pflicht, die auch zum Schlafen dienen, sowie in allen Fluren, die als Fluchtweg dienen. Erst ab einer bestimmten Anzahl an Betten im Gebäude, in der Regel ab zwölf, greift eine Vorschrift für Beherbergungsstätten. Hier müssen dann Brandmeldeanlagen installiert werden.
Thomas Korz Foto: privat
Wo liegt der Unterschied zum Rauchmelder?
Die Brandmeldeanlagen sind über eine Funk- und eine Telefonleitung direkt mit der Feuerwehr verbunden, sie werden regelmäßig durch eine Fachfirma gewartet und es gibt einen Störungsalarm, wenn der Melder abgenommen wird. Aber so etwas kostet eben auch sehr viel mehr als ein paar Rauchmelder – die manchmal auch gar nicht anschlagen können.
Warum nicht?
Tatsächlich ist es immer wieder ein Problem, dass die Bewohner die Rauchmelder einfach abstellen, entweder, weil man die Batterien für andere Geräte braucht, oder weil man in der Wohnung rauchen will. Es gibt regelmäßige Kontrollen der Rauchmelder durch den Hausmeister, aber eine 100-prozentige Absicherung gibt es natürlich nicht.
Ist es zu verantworten, eine solche Unterkunft mitten in der Altstadt zu unterhalten, wo lauter leicht brennbare Fachwerkhäuser eng aufeinander stehen?
Dieses Problem gibt es in jedem Altstadtkern. Einige Städte haben deswegen beispielsweise das private Abschießen von Feuerwerk an Silvester verboten. Wo eine Kommune Obdachlose unterbringt, liegt im Ermessen der Verwaltung.

 

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