Mönsheimer Ritterspiele Eine Zeitreise in die Welt des Mittelalters

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Salatköpfe abzuschlagen gehört zu den Geschicklichkeitsaufgaben der Kontrahenten bei den Ritterspielen. Foto: Andreas Gorr

Mönsheim - Es ist eine Zeitreise in eine andere Welt. Auf dem Hügel über Mönsheim kommt erst viel Grün in Sicht, Felder, Wiesen und Wald. Dann sind schließlich in der Ferne die ersten hellen Zeltdächer zu erkennen, der Rauch der Lagerfeuer steigt empor. Für ein langes Wochenende ist hier auf dem Reiterhof ein mittelalterliches Dorf entstanden.

Es gibt ein buntes Markttreiben, historisches Lagerleben, ein Rittermahl, Ritterkämpfe, Reiterspiele, allerlei Gaukelei und eine abendliche Feuershow. Alles was dazugehört. Was vor 14 Jahren als internes Fest der Reitschule Popp begann, hat sich über die Jahre hinweg zu einem regionalen Event entwickelt. Die Besucher sind zahlreich, viele Familien mit Kindern sind bei sommerlichen Temperaturen unterwegs.

Das Ritterturnier steht im Mittelpunkt

Organisiert wird das Fest von der Stallgemeinschaft der Reitschule. Das sind alle, die hier ein Pferd eingestellt haben, oder die bei Monika und Reinhold Popp Reitunterricht nehmen. Rund 25 Pferde stehen auf dem Reiterhof, Warmblüter, Vollblüter und Ponys. Seit Ostern wurde jeden Sonntag trainiert. „Unsere Stallgemeinschaft hat sich auch dieses Jahr wieder viel Mühe gegeben und hat mit viel Herz die Ritterspiele vorbereitet. Sie haben das Theaterstück einstudiert, Kulissen aufgebaut, Kostüme genäht, Quadrillen einstudiert und die Pferde auf dieses Event vorbereitet“, lobt Monika Popp die vielen Helfer. Für Kinder gibt es außerdem Ponyreiten, ein Puppentheater und Marionettenbasteln.

Im Mittelpunkt steht das Ritterturnier, das am Samstag und Sonntag je zweimal stattfindet. Verpackt sind die Schaukämpfe in ein Theaterstück, das in jedem Jahr fortgeschrieben wird. Die Rahmenhandlung ist einfach und kindgerecht: Tief im Zauberwald im Land der Zwerge und Gnome hat der böse Zwergenkönig Alberich die Macht an sich gerissen und tyrannisiert das ganze Reich. Wird König Martinus den Aufstand niederschlagen? Kann Alberich das Land erobern? Ein großes Turnier bringt die Entscheidung.

Eine Zauberin verwandelt die Zwerge kurzerhand in große schwarze Ritter, allen voran Reinhold Popp, der immer den Bösewicht spielen darf. Der gute König Martinus tritt mit seinen eigenen Heerscharen an. Die Gegner messen sich in allerlei Künsten zu Pferde: dem Ringstechen, ein altes Spiel des Hochadels, bei dem geübt wird, dem Feind mit dem Speer ins Herz zu stechen, oder Salatköpfe abzuschlagen. Dann kommt die hohe Kunst, der Wurf mit dem Todesstern. Hier treten der Schwarze Ritter und König Martinus im Zweikampf an, Mann gegen Mann. Es kommt wie es kommen muss, nach vielen Kämpfen siegt am Ende das Gute.

In den Pausen zwischen den Vorführungen zeigen Handwerker und Kaufleute ihre Kunst und bieten Waren an. Es gibt viel Wissenswertes über Korbflechterei, Töpferei, Stickerei, das Jagen und die alte Schmiedekunst zu erfahren. Geschichtenerzähler und Musikanten ziehen über den Markt und unterhalten das Volk. Der mittelalterliche Markt gibt einen Einblick in die Lebensweise der damaligen Zeit.

Gefärbt wird mit Pflanzenfarbe

Auch das Herstellen von Kleidung war sehr aufwendig. Kein Wunder, dass alles geschont wurde. Als Unterkleider trug man weißes Leinen, das konnte gut gewaschen und in der Sonne gebleicht werden. Darüber kamen warme Wollsachen. Alles selbst hergestellt. An ihrem Lagerplatz ist Corinna Frank gerade dabei, Schafwolle zu färben. Über dem offenen Feuer hängt ein eiserner Topf. Immer wieder prüft sie, ob die Wolle schon genug Farbe angenommen hat.

Gefärbt wird so wie früher mit Pflanzenfarben. Grüne Walnüsse geben einen schönen Braunton, Brennnessel färbt leicht Grün. Rot entwickelt sich aus der Krapp-Wurzel, die auch in der Malerei verwendet wird. Die Wolle verarbeitet ihre Mutter Ulrike dann zu Gürteln oder warmen Stulpen. Stricken mit zwei Nadeln kannte man im Mittelalter allerdings noch nicht. Damals gab es die Technik des „Nadelbindens“. Hier werden einzelne Fäden mit einer großen Nadel aus Horn kunstvoll ineinander verwoben.

Für beide ist es ein Hobby, sie kommen aus Friolzheim. Einen großen Verdienst erwarten sie mit dem Verkauf ihrer Waren bei den Ritterspielen nicht. Sie wollen einfach gerne zeigen, wie es früher war. „Außerdem genießen wir es hier total“, sagt Ulrike Frank, „es ist ein entspannter Markt, es ist für uns hier wie im Urlaub.“

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