„Marga“ in Rutesheim Flüchtlingsfrauen nähen für das „Olgäle“

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Flüchtlingsfrauen aus Afghanistan und dem Irak haben für die Frühgeborenenstation des „Olgäle“ Stillkissenbezüge genäht. Foto: privat

Rutesheim - „Marga“ ist zwar noch keine drei Jahre alt, aber schon sehr fleißig und äußerst geschickt im Umgang mit Stoffen, Nadel und Faden. „Marga“ ist natürlich kein kleines Mädchen. „Marga“ ist die Nähwerkstatt in der Rutesheimer Flüchtlingsunterkunft in der Margarete-Steiff-Straße.

Die liebevolle Namensgebung „Marga“ hat sich bei der Einrichtung der Nähwerkstatt praktisch von alleine ergeben. Auch bei Margarete Steiff hatte es einmal mit etwas Stoff und einer Nähmaschine angefangen, bald waren die von ihr einst entworfenen Teddys, Elefanten und anderes Getier nicht mehr aus unseren Kinderzimmern wegzudenken.

Die Geschichte von „Marga“ hat im Frühsommer 2016 begonnen. Unter Anleitung von Mitgliedern des örtlichen Freundeskreises für Flüchtlinge haben sich jeden Dienstag sechs bis zehn Frauen aus der Unterkunft zum gemeinsamen Nähen getroffen. Bürger unterstützen das Vorhaben mit gespendeten Stoffen und Materialien. Auch Nähmaschinen, Bügelbrett und Bügeleisen wurden gespendet.

Hilfe zur Selbsthilfe

Nach einem Aufruf der Stadt, bei der Integration der Neuankömmlinge ehrenamtlich zu helfen, hat sich Anfang 2015 der „Freundeskreis Flüchtlinge Rutesheim“ gebildet. Nach dem Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ haben sich die Ehrenamtlichen vorgenommen, den Flüchtlingen im Alltag zur Seite stehen: als Pate für Familien und Einzelpersonen, als Lernhelfer für Teilnehmer am Deutschkurs oder über die Mitarbeit im „Café International“.

Oft nur mit dem Nötigsten versorgt, wurde bei „Marga“ eifrig Bekleidung für den Eigenbedarf der großen und kleinen Bewohner der Unterkunft genäht. Der Kurs an der Nähmaschine und am Zuschneidetisch erfreute sich großen Zuspruchs. Inzwischen trafen sich vier besonders motivierte Näherinnen jeden Freitag. Die Teilnehmerinnen konnten unter fachlicher Anleitung ihre handwerklichen Fertigkeiten vervollkommnen und ganz nebenbei auch die deutschen Fachbegriffe erlernen. Außer Erfahrungen in Maschinennähen brachten die Frauen auch gute Fähigkeiten beim Nähen von Hand mit.

Die Frauen möchten etwas zurückgeben

„Um etwas zurückzugeben, entstand bald der Wunsch, auch etwas für andere zu nähen“, schildert Roland Krebs vom Freundeskreis. Das erste Projekt kam Kindern im Stuttgarter Olgahospital zugute. Für die Frühgeborenenstation des „Olgäle“ wurden 50 Bezüge für Stillkissen genäht. Und so haben vier Rutesheimer Nähpraktikantinnen aus Afghanistan und dem Irak ihre Kreationen zusammen mit dem Team der Nähwerkstatt im „Olgäle“ übergeben.

Die anschließende Führung durch die Station, auf der die Kissen seither im Einsatz sind, beeindruckte die Abordnung von Marga nachhaltig. So war auch das zweite Projekt von „Marga hilft“ rasch ausgemacht. Diesmal wurden Täschchen für Venenkatheter angefertigt, wie sie krebskranke Kleinkinder benötigen.

Der Freundeskreis trifft sich regelmäßig am ersten Dienstag im Monat zum Erfahrungsaustausch und zur Planung von Aktivitäten. „Mit zusätzlichen Veranstaltungen bieten wir Hilfen und Fortbildung für ehrenamtliche Helfer und Interessierte und freuen uns über jeden, der direkt mitmacht“, sagt Roland Krebs. Interessierte können sich jeden Freitag im Café International informieren, den Freundeskreis über das Kontaktdaten-Formular im Internet anschreiben oder direkt eine E-Mail an fk-rutesheim@web. de senden.

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