Leonberger Disco-Szene Die Königin vom Lovers Lane

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Das Personal kassierte im Cactus sofort. Foto:  

Leonberg - Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, in den achtziger Jahren. Im beschaulichen württembergischen Städtchen Leonberg gab es an den Wochenenden des Nächtens wundersame Geräusche zu vernehmen: tanzbare Klänge, Musik!

Man mag es heute kaum glauben, diese Musik strömte aus vier Diskotheken und Clubs, die in der Innenstadt verteilt waren. Gleich am Bahnhof, mit weißen Ledersesseln und feiner Holzauslage, einem DJ-Pult, welches in einen Konzertflügel eingebaut war, befand sich die Diskothek Lovers Lane.

Diese war Königin Mariannes Reich. Mit schwarzen langen Haaren, Schneewittchen gleich, residierte sie hier mit Prinzgemahl Micha, auch Ele genannt. Das war das Wohnzimmer der Leonberger Partypeople in den siebziger und achtziger Jahren.

Mannshohe Boxentürme

Nur wenige hundert Meter davon entfernt, das Galaxis, ein Discokonzept von einem anderen Stern. Mannshohe Boxentürme, Licht und Lasersound. Sogar ein Steakhouse gehörte damals dazu. Hier war man seiner Zeit damals weit voraus! Leonbergs erste Großraum-Disco befand sich gleich gegenüber der Kultkneipe „Bräu“.

Im Untergeschoss des sogenannten Leo 2000, befand sich eine weitere Pilgerstätte für feierwütige Discofans aus dem ganzen süddeutschen Raum: der Discoclub Cactus. Mit bewachtem Parkplatz und der aktuellsten Dancemusic der damaligen Zeit, aufgelegt von DJ-Persönlichkeiten mit heute noch so klingenden Namen wie Uwe Hacker oder DJ Bär alias Andreas Läsker, seines Zeichens berühmter veganer „Foodist“, Fotograf und Manager der Fantastischen Vier.

Selbst Trio war da

Im Cactus gab sich am Wochenende die Prominenz aus Stuttgart ein Stelldichein. Selbst Trio, allen bekannt mit ihrem legendären Hit „Da Da Da“, hatte hier einen sagenumwobenen Auftritt. Damaliger Betreiber des Cactus, ebenfalls ein Urgestein der Discoszene, war „Sloggy“, der 2017 mit seinem Stuttgarter Kult-Club Boa das 40-jährige Jubiläum feierte.

Doch nicht nur im Leo 2000 drehten sich die Plattenspieler und die Spiegelkugeln. Auch an anderer Stelle wurde nächtelang durchgetanzt. In nächster Nähe zum Leo 2000, beim großen Bruder, in einem seitlichen Eingang des Leo-Centers im Untergeschoss, befand sich der Tanztempel „Der Club“. Hier wummerten R’n’B, Soul, Hip-Hop und Funk aus den Boxen.

Es war der Club der amerikanischen Soldaten, die rund um Stuttgart stationiert waren. Sensationell !

Jetzt kommt die Nightlife Party

Diese kleine Reminiszenz an goldene Disco-Zeiten fanden wir so schön, dass wir sie unserer Leserschaft nicht vorenthalten möchten. Verfasst hat sie einer, der mittendrin war: Armin Utz, langjähriger DJ in den vier Kultdiscos und vorher Koch bei Heiner Eiss im Hotel Hirsch.

Die bei den Krachern der Commodores oder Mothers Finest durchgetanzten Nächte sind längst vorbei. Auch Armin Utz lässt es ruhiger angehen. Der heute 51-Jährige arbeitet für den Hotel- und Gaststättenverband. Umso mehr ist es ihm ein Herzensanliegen, das coole Disco-Feeling für eine Nacht noch einmal aufleben zu lassen. Am Samstag, 16. September, 21 Uhr, veranstaltet der DJ-Veteran im Allegre in der Römergalerie die „Leos Nightlife Party“ .

Ehrensache, dass sich Utz an diesem Abend selbst an den Plattenteller stellt und eine seiner tausend Maxi-Singles auflegt, die er noch von früher hat. Dass Strobolights flackern, die Glitzerkugel sich dreht und der (heute etwas atemfreundlichere) Nebel wabert, versteht sich von selbst.

Doch es geht am Samstag nicht nur um die Musik. „Da werden sich Leute treffen, die sich vielleicht 20 Jahre nicht mehr gesehen haben. Das wird eine riesige Wiedersehens- und Nostalgieparty.“ Wer weiß, vielleicht schauen ja auch Schneewittchen und Sloggy vorbei.

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