Leonberger Blickwinkel Start für den Einzelkämpfer

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Vonderheid braucht politische Rückendeckung. meint der LKZ-Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski in seinem Kommentar zur OB-Wahl. Foto: factum

Leonberg - Nein, wirklich überraschend ist es nicht, dass Ulrich Vonderheid den Hut in den Ring wirft. Zu lange schon hat er selbst die Spekulationen um seine Person am Köcheln gehalten, sei es durch beharrliches Schweigen oder viel sagende Andeutungen in kleineren Runden.

Selbst als im Herbst des vergangenen Jahres noch sehr vieles darauf hindeutete, dass Bernhard Schuler eine weitere Amtszeit anstrebt, hat dessen Stellvertreter geschickt seinen eigenen Namen lanciert, ohne aber eine konkrete Aussage zu machen.

Dass er es wirklich ernst meint, war im Februar erkennbar. Am Fasnet-Wochenende war Vonderheid Angeklagter des Narrengerichts im Leo-Center. Im Vorfeld wurde er in der Kundenzeitung des Centers als OB-Kandidat angekündigt. Der Text war mit ihm abgestimmt.

Das Streben nach dem höchsten Amt passt zum Karrierebewusstsein des 52-Jährigen. Im südhessischen Lampertheim war er bereits sechs Jahre zweiter Mann der dortigen Stadtverwaltung. In Leimen gelang es ihm nicht, OB zu werden. In Nürnberg, da war er schon zwei Jahre in Leonberg, bewarb sich Vonderheid als Wirtschaftsreferent.

Nun will er hier aufs Ganze gehen. Wie seine Chancen stehen, ist im Moment schwer zu beurteilen. Ulrich Vonderheid ist sehr rührig, versucht nicht nur beim bürgerlichen Klientel zu punkten, sondern geriert sich zum Beispiel als Fahrradfreund oder als Verfechter des Fair Trade-Gedankens. Er ist bei sozialen Initiativen dabei, profiliert sich als Verbündeter der Senioren und geht spätestens jetzt auf Distanz zu seiner Partei und betont die Unabhängigkeit, mit der er handeln möchte.

Bruch mit der CDU-Spitze

Dennoch könnte der offenkundige Bruch mit der Leonberger CDU-Spitze zum Problem für Vonderheid werden. Die klaren Aussagen der Stadtverbandsvorsitzenden Sabine Kurtz lassen keinen Zweifel daran, dass die Partei einen überzeugenden eigenen Kandidaten ins Rennen schicken will. Die Freien Wähler wollen sich ebenfalls positionieren. Ob dies gemeinsam mit der CDU geschieht, bleibt abzuwarten.

Schließlich hat auch die SPD mit dem erfahrenen und offenbar durchsetzungsfähigen Martin Kaufmann einen interessanten Kandidaten präsentiert. Die Grünen werden wohl ebenfalls eine personelle Alternative anbieten.

Sollte Ulrich Vonderheid also keine nennenswerte politische Rückendeckung bekommen, dürfte es für ihn nicht einfach werden. Andererseits hat der 52-Jährige mehrfach gezeigt, dass ihn Gegenwind zumindest äußerlich nicht beeindruckt. Manchmal lächelt er ihn einfach weg.

Positiv ist auf jeden Fall, dass die Wählerschaft eine Auswahl ernsthafter und erfahrener Kandidaten für das höchste Amt der Stadt erwarten kann. Möchtegernmessiasse und Spaß-Bewerber dürften im Kreis von professionellen Kandidaten keine Rolle spielen. Und das ist gut so.

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