Leonberg Umzug des Wertstoffhofs wird zur Chefsache

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Blick von oben vom Obi-Baumarkt auf die jetzige Abgabestelle für Abfall. Dahinter ist, grün zugewuchert, das Gelände, das die Stadt vorschlägt. Foto: factum/Granville

Leonberg - Das Gestrüpp ist so dicht, dass ein normaler Mensch sich kaum durchschlagen könnte. Das Gelände zwischen dem Bahnhof und der Glems, direkt hinter dem Aldi-Discounter, ist Brachland. Geht es nach der Stadt, könnte hier eine Anlage entstehen, die momentan noch in unmittelbarer Nachbarschaft auf engstem Raum regelmäßig Ärger verursacht: der Wertstoffhof.

Die Abgabestelle für Sperrmüll, Pappe, Metall und andere Abfälle, die nicht in die Haustonne gehören, liegt westlich des Bahnhofs, eingequetscht zwischen der Römerstraße und den Gleisen. Hier ist es so eng, dass gerade an Samstagen turbulente Zustände herrschen, Staus bis auf die Straße inbegriffen. Das kostet Nerven.

Unerfreuliche Debatten zwischen den Mitarbeitern des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) und den Kunden sind an der Tagesordnung. Daher wird schon seit Jahren über einen neuen Platz für den innerstädtischen Wertstoffhof diskutiert. In regelmäßigen Abständen versprach der für die Entsorgung zuständige frühere Umweltdezernent Wolf Eisenmann eine Lösung. Geschehen ist jedoch nie etwas. Das könnte sich nun ändern.

Es herrscht Chaos

„Die Zustände im Leonberger Wertstoffhof sind chaotisch. Deshalb habe ich das Thema zur Chefsache gemacht“, erklärt der Landrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Und verrät auch, wo ein Wertstoffhof hinkommen könnte. Nämlich an den Bereich Schweizermühle, zwischen dem sogenannten Aldi-Kreisel und der Baustoffhandlung Greß. Alternativ kann sich Roland Bernhard eine Müllabgabe-Anlage in der Mollenbachstraße im Gewerbegebiet Hertich vorstellen. So oder so: „Uns ist es wichtig, dass sobald wie möglich etwas passiert.“

Dafür aber sei nun die Stadt am Zug. „Wir brauchen ein Grundstück. Und wir brauchen eine Baugenehmigung“, verlangt Bernhard. Und die könne nun einmal nur das Leonberger Rathaus erteilen. Dem Landrat geht es freilich nicht ausschließlich um den verwaltungstechnischen Segen. Das Thema Fläche für einen neuen Wertstoffhof sei insgesamt Thema der Stadt. Sprich: Leonberg zahlt das Grundstück, der Kreis den eigentlichen Bau. Geld für Letzteres ist vorhanden, versichert der Landrat und verweist auf eine neue Anlage in Holzgerlingen, die „ruck-zuck“ realisiert worden sei. „Ich hoffe, dass das Schwarzer-Peter-Spiel nun beendet wird“, meint der Landrat mit Blick auf den Leonberger Oberbürgermeister. „Wir sind jedenfalls nicht die Bösen.“

Schwarzer Peter?

Der Böse will aber auch Bernhard Schuler nicht sein. „Man muss die Dinge genau durchdenken, bevor man an die Öffentlichkeit geht“, rügt er indirekt die Auskunftsfreude seines Kollegen aus Böblingen. „Es hat schon Gründe, warum in vielen Jahren keine Lösung gefunden wurde.“ Bei einem Wertstoffhof im Gewerbegebiet sieht er rechtliche Probleme. Der Bebauungsplan müsste geändert werden. Fördermittel des Landes, die für den Hertich-Ausbau geflossen sind, könnten dann vom Ministerium zurückverlangt werden. Und schließlich sei es ganz grundsätzlich schwierig, wenn die Stadt eine ihrer wenigen Gewerbeflächen aufgeben würde. Denn: „Von allen Großen Kreisstädten in der Region Stuttgart haben wir die geringsten Gewerbeflächen.“

Auch den Bereich an der Schweizer Mühle hält Oberbürgermeister Schuler für problematisch. Dort, zwischen Straße und Baustoffhandlung, sei es sehr eng. Außerdem wird auf der anderen Straßenseite eine Containersiedlung für Obdachlose gebaut.

Neuer Vorschlag von Schuler

Der OB hat einen anderen Vorschlag: Das zugewucherte Gebiet hinter dem Discounter in Richtung Bahnhof liegt brach und ist im Flächennutzungsplan für eine Bebauung vorgesehen. „Wir haben dem Landkreis unsere Vorstellungen mitgeteilt. Diese wurden aber dort nicht vertieft“, erklärt der Rathaus-Chef. Die Varianten Schweizer Mühle und Mollenbachstraße hingegen seien mit der Stadt nicht abgestimmt. „All diese Punkte müssen wir erst sorgfältig abklopfen, bevor wir dann öffentlich eine belastbare Lösung präsentieren können“, verlangt der Oberbürgermeister. Und zwar in vertraulichen Runden: „Friedensgespräche führt man hinter verschlossenen Türen.“

Ob überhaupt ein neuer Wertstoffhof nötig ist, das zieht Schuler zumindest in Zweifel: „Das hiesige Abfallbringsystem erinnert an die Zeiten der Jäger und Sammler.“ In den anderen Kreisen gebe es „ganz andere“ Konzepte. Ohne der Notwendigkeit, Milchpackungen und Konservendosen auf einem Wertstoffhof abzugeben.

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