Seniorenwerkstatt in der Felsensägmühle Wo rüstige Rentner zum Spottpreis arbeiten

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Walter Lais und Kurt Hermann leimen und verstärken mit Dübeln einen Liegestuhl, bei dem das Holzbein einen Riss bekommen hat. Foto: factum/Granville

Leonberg - In der Fantasie vieler Autoren steigen Senioren aus dem Fenster von Altersheimen und verschwinden, oder sie überfallen gleich eine Bank, um ihre karge Rente aufzubessern. Von solchen Ideen sind die sechs Mitglieder der Seniorenwerkstatt Leonberg weit entfernt: Die sechs rüstigen Rentner im Alter zwischen 76 und 85 Jahren haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kleinmöbel bis zur Größe von Truhen zum Selbstkostenpreis zu reparieren. „Wir leimen beispielsweise Stühle, Schubladen und Kindermöbel, polstern Stühle und Sessel und nähen auch“, erklärt Marianne Vogel, eine von zwei Frauen und mit 76 Jahren die Juniorin im Team.

Früher nur Arbeiten im Auftrag des Bauernhausmuseums

Jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr treffen sich die sechs handwerklich begabten Senioren in einer gut ausgestatteten Werkstatt in der Felsensägmühle im Höfinger Täle. An der einen Wandseite hängen zahlreiche Werkzeuge, die man für Schreinerarbeiten braucht: Meißel, Feilen, Zangen, Zwingen und Hobel sind dort ebenso zu finden wie Schleifpapier, Eisenwolle und diverse Flüssigkeiten zum Polieren und Beizen. Auch maschinell ist die Werkstatt gut ausgerüstet: Neben einer großen Werkbank gibt es eine Band-, Stich- und Kreissäge sowie verschiedene Bohrmaschinen. „Zum Teil ist uns das Werkzeug zum Beispiel bei Haushaltsauflösungen gespendet worden, zum Teil haben wir es selbst gekauft, wenn wir etwas Bestimmtes gebraucht haben“, erklärt der 82-jährige Horst Rebmann.

Die Werkstatt sei früher in Gebersheim gewesen, erzählt der 79-jährige Walter Lais. Als man das Bauernhausmuseum konzipiert und dafür mehr Platz benötigt habe, sei die Werkstatt in den 1990er-Jahren ins Höfinger Täle verlegt worden. „Anfangs haben wir auch nur im Auftrag des Museums gearbeitet“, berichtet Walter Lais. Per Anzeige seien damals rüstige Senioren für handwerkliche Arbeiten gesucht worden. „Als meine Frau und ich in Rente gegangen sind, haben wir uns einfach dafür beworben“, erinnert er sich.

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