Leonberg Schneller ankommen durch Sport

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Sie haben Spaß beim Sport – selbst die Sit-ups mit Katrin Kessoudis (vorne) werden mit einem Lächeln absolviert. Foto: Bartek Langer

Leonberg - Dass Sport nicht nur eine gemeinschaftsbildende Funktion hat, sondern auch über jegliche Barrieren wie Sprache, Kultur oder Religion hinweg verbindet, hat der SV Leonberg/Eltingen längst erkannt und das Integrationsprojekt „Sport für geflüchtete Frauen und ihre Kinder“ ins Leben gerufen. Immer montags kommen die Geflüchteten aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Rutesheimer Straße auf dem Fußballplatz beim Berufsschulzentrum zusammen, um gemeinsam Sport zu treiben.

Diesmal war auch das Sportmobil des württembergischen Landessportbundes (WLSB) dabei, das im Rahmen des Projekts „Orientierung durch Sport” der Sportjugend des Deutschen Olympischen Sportbundes unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Als sich die Türen des Sportmobils öffneten, war die Freude vor allem bei den Kindern groß. Quasi im gleichen Atemzug schnappten sich die Mädchen und Jungen die Pedalos und rollten um die Wette, andere flitzten beim Rasenski durch einen Parcours, und für die Mamas gab es ein Workout auf der Fitnessmatte. Am Ende ging es bei einsetzendem Regen für eine Runde Fußball in die Sporthalle nach nebenan. Rund 20 Frauen und Kinder machten mit.

Starterpaket für das Integrationsprojekt

Der WLSB stellte aber nicht nur die Sportgeräte und eine kleine Stärkung in Form von Bananen und Sprudel. Obendrein spendete er ein „Starterpaket” im Wert von 400 Euro für das Integrationsprojekt des Vereins. „Wir hatten uns Leibchen gewünscht für unsere Mannschaftsspiele und Yogamatten für die schwangeren Frauen, damit sie Gymnastikübungen machen können”, erklärt Katrin Kessoudis. Sie ist Vorstandsassistentin beim SV Leonberg/Eltingen und hat als Verantwortliche für das Sportprojekt auch den Kontakt zum WLSB hergestellt.

Das Integrationsprojekt entstand 2015 bei der TSG Leonberg, die inzwischen mit dem TSV Eltingen zum SV Leonberg/Eltingen fusionierte. „Als Flüchtlinge in der Sporthalle des Berufsschulzentrums untergebracht wurden, wollten wir uns für sie engagieren”, berichtet Kessoudis, die ohnehin in der Flüchtlingsarbeit aktiv war und Integrationskurse beim Verein für Deutsche Sprachvermittlung (VDV) gab. Dann kam ihr und der stellvertretenden Vorsitzenden Michaela Feller die Idee, dass Realschüler im Rahmen eines Sozialpraktikums die Flüchtlingskinder aus der Unterkunft abholen und zum Vereinsgelände bringen könnten, um sie dort bei Sport- und Spielaktionen mitzubetreuen.

Neben Sport kamen später auch andere gemeinsame Aktivitäten wie Kinobesuche hinzu. „Wir waren mit den Frauen auch auf dem Wasen”, erzählt die Leonbergerin und schiebt lachend hinterher: „Das Bierzelt haben wir uns nicht nur angeschaut!”

Die Fluktuation sei aber hoch, da die Geflüchteten nach ihrem Aufenthalt in der Sammelunterkunft in die Anschlussunterbringung kämen. Das Interesse der Frauen am Sport ist ihr zufolge groß. „Die Frauen kommen gerne, egal welches Alter, und egal, wie mobil sie sind”, sagt sie. Diese kämen aber auch, um sich auszutauschen. „Manchmal wird genauso viel geschwätzt wie Sport gemacht”, sagt die Leonbergerin.

Mehr als nur Sport

Das Angebot gehe weit über den Sport hinaus. „Wir sind auch Ansprechpartner für allerlei Probleme”, so Kessoudis, die regelmäßig von Sandra Albrecht, Trainerin der Fußball-Juniorinnen, unterstützt wird. Diesmal war auch die Turn-Trainerin Dagmar Hackert dabei. Die Frauen blühten richtig auf, wenn sie in die Sportschuhe schlüpften. „Da wird das Kopftuch abgelegt, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, und auch die Anwesenheit von Männern macht ihnen nichts mehr aus”, berichtet sie von ihren Erfahrungen mit den Frauen, die mehrheitlich aus muslimischen Ländern stammen.

Als sogenannte Sportmittlerin des WLSB hat Kessoudis auch die Aufgabe, die Geflüchteten in die Sportvereine zu vermitteln. Anders als bei Männern und Kindern sei dies bei Frauen recht problematisch. „Man muss sich vor Augen halten, dass die meisten in ihrer Heimat mit Sport nichts zu tun hatten”, so die Leonbergerin. Ihrer Erfahrung nach sei der Großteil der Geflüchteten ohnehin noch nicht bereit, Geld für Sport zu bezahlen. Daher wird der Verein sein kostenloses Sportangebot für Flüchtlinge ausbauen. „Wir werden bald einer von elf Integrationsstützpunkten des WLSB in Baden-Württemberg sein. Das bedeutet, dass wir Geldmittel für Übungsleiter und Sportangebote bekommen”, erklärt sie. Zugleich soll dies den Vereinsbeitritt noch etwas schmackhafter machen.

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