Leonberg: Neues Krisen-Café Menschen in Krisen früher erreichen

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Max Kibellus, Karen Lücking-Löw und Beate Huhn (von links) haben ein offenes Ohr für Menschen in Problemsituationen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Gute Taten leisten die Mitarbeiter des Arbeitskreises Leben (AKL) seit mehr als 20 Jahren. Vorwiegend besuchten die 15 Ehrenamtlichen im Krankenhaus Leonberg Menschen, die einen Selbstmordversuch unternommen hatten, um sie bei ihrer Rückkehr in ihr altes Leben zu begleiten und zu unterstützen. „An 365 Tagen im Jahr hat ein Mitarbeiter des AKL morgens im Krankenhaus angerufen und gefragt, ob es auf der Intensivstation einen Suizidenten gab“, sagt Karen Lücking-Löw, die Klinikseelsorgerin.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien geschult, den Menschen in ihrer schwierigen Situation mit Empathie zuzuhören und sie dazu zu bringen, darüber nachzudenken, was sie in ihrem Leben in so eine kritische Situation gebracht hat. „Im Schnitt haben wir pro Jahr etwa 50 Patienten betreut“, erzählt Lücking-Löw. Suizid komme in allen Alters-, Bildungs- und Gesellschaftsstufen vor, wobei die Zahl der Alterssuizide zunehme. Insbesondere Männer im Alter von 40 Jahren an aufwärts seien gefährdet. „In ganz Deutschland sterben pro Jahr etwa 60 000 Menschen wegen eines Selbstmordes, das ist mehr als die Zahl der jährlichen Verkehrstoten“, erläutert die Klinikseelsorgerin.

Menschen haben akuten Unterstützungsbedarf

Zuletzt seien Menschen nach einem Selbstmordversuch in Leonberg nach dem Krankenhausaufenthalt häufiger in andere Einrichtungen wie Psychiatrien verlegt worden, so dass es schwierig gewesen sei, den Kontakt zu ihnen zu halten. „Außerdem wenden sich immer mehr Menschen an den AKL, die akuten Unterstützungsbedarf haben und nicht warten können, bis sie einen Termin bei einer Beratungsstelle bekommen“, erklärt Lücking- Löw.

Aus diesen Überlegungen heraus wolle der AKL einen offenen Treffpunkt in Form des Cafés „Hier und Jetzt“ anbieten. Einmal pro Woche stünden in den Räumen des Treffpunkts gegenüber der Stadtkirche zwei Mitarbeiter zum Zuhören und für Gespräche zur Verfügung. „Bei Bedarf kann man auch ein Einzelgespräch führen oder einen Beratungstermin ausmachen“, erklärt Max Kibellus vom AKL, der zusammen mit Beate Huhn bei der Premiere am 18. September anwesend sein wird.

Die eigene Arbeit soll überflüssig werden

Ins Café „Hier und Jetzt“ können aber nicht nur Patienten nach einem Selbstmordversuch kommen, sondern auch Menschen, die sich allein zu Hause mit beruflichen oder privaten Problemen quälen. „Wenn wir zu Patienten ins Krankenhaus kommen, ist das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen. Mit unserem Café können wir Präventionsarbeit betreiben“, hofft Kibellus. „Und Ziel unserer Arbeit ist es, uns überflüssig zu machen“, ergänzt Karen Lücking-Löw.

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