Leonberg Mit „Werner“ geht’s nach Amerika

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Eine Besonderheit des Roboters sind seine Räder, die es ihm ermöglichen, ohne zu drehen in alle Richtungen zu fahren. Foto: privat

Leonberg - Im vergangenen Jahr hat er noch Trümmer weggeräumt und sich selbst aufgehängt, nun kann er Bälle verschiedener Größen in Körbe legen und werfen: Die Rede ist von Roboter Werner. Auf die neue Aufgabe des Roboterwettbewerbs „First Tech Challenge“ (FTC) hin, haben ihm sieben Schüler des Königin-Katharina-Stift-Gymnasiums in Stuttgart, darunter der 16-jährige Höfinger Fabian Jochum, einen Neuanstrich verpasst. Mit Erfolg: Noch im April steht das Finale in St.Louis an. Bereits im Vorjahr belegte das Team dort Platz 32 von 64 internationalen Teams, allerdings noch mit weniger Mitgliedern und unter dem Namen „KKST-Girls“.

Die Qualifikation führte „What the Frog“, wie das Team jetzt heißt, über Aviano in Italien. Dorthin begleitete die Schülergruppe wie bei allen Turnieren der Physiklehrer Werner Fick, der mit seiner Lego- und Technik-AG erst das Interesse der Schüler am Tüfteln weckte.

Ziel ist das Mittelfeld – mindestens

Unter 128 Teilnehmern konnte sich „What the Frog“ in der Gesamtkategorie durchsetzen. Anders als in der Roboter-Kategorie, wird neben dem Roboter auch alles Drumherum wie die Vermarktung in die Bewertung mit einbezogen. Das Erreichen des Finales war auch der Anspruch des Teams, wie Fabian Jochum erklärt. „Wir waren letztes Jahr in St.Louis mit etwas Glück dabei und haben einen Mittelfeldplatz erreicht. Dieses Mal war alles viel organisierter, wir wollen mindestens wieder im Mittelfeld landen“, gibt der 16-jährige die Richtung vor.

Die Jugendlichen sind hoch motiviert, finden in den Amerikanern allerdings häufig ihren Meister. „Fast alle teilnehmenden Teams sind aus Amerika, dort ist der Wettkampf viel verbreiteter als in Deutschland und Europa“, erklärt er. Gerade deshalb hätten sich die Schüler zum Ziel gesetzt, den Wettbewerb und das Interesse auch in Deutschland zu verbreiten.

Die Bälle müssen nach oben

Den Reiz machen für die vier Mädchen und drei Jungen die vielen Freiheiten aus, berichtet das Team einstimmig. Es gibt keinen festen Bauplan oder vorgeschriebene Bauteile, die Teilnehmer der „First Tech Challenge“ dürfen sich alles selbst überlegen. Das Team „What the Frog“ baut Teile aus Aluminium selber und nutzt für manches auch den 3D-Drucker im Keller der Schule.Um ihren Roboter zu bauen, mussten die Jungs und Mädels äußerst kreativ werden: Mit Wuscheln, wie die Schüler die dehnbaren Strapse aus Kabelbindern nennen, sammelt Werner die kleinen Bälle auf. Ein aus Gymnastikband bestehender Lift befördert die Bälle dann nach oben. „Gymnastikband hat besonders viel Reibung“, erklärt Teammitglied Robert Graf.

Im oberen Teil des Roboters wird dann Federstahl gespannt, sodass Werner die Bälle nacheinander in die Körbe schießen kann. Vorne hat Werner noch eine ausfahrbare Gabel, mit der er die Königsdisziplin des diesjährigen Wettbewerbs bewältigen kann: Einen Gymnastikball mit etwa 50 Zentimeter innerhalb von 30 Sekunden in den Korb legen.

Räder sind die Besonderheit

Eine Besonderheit des Roboters sind auch seine Räder, die es ihm ermöglichen, ohne zu drehen in alle Richtungen zu fahren. Sensoren ermöglichen dem Roboter in der autonomen Wettbewerbsphase, die 30 Sekunden von insgesamt drei Minuten einnimmt, Linien zu erkennen. Die restliche Zeit steuern die Jugendlichen ihren Roboter über einen Controller fern.

Mit dem Bauen ist es allerdings noch nicht getan: Eine App auf dem Handy müssen die Schüler so umprogrammieren, dass Werner die Befehle, die sie ihm über einen Controller senden, befolgt. Außerdem beschäftigt sie noch ihr Internetauftritt sowie die Sponsorensuche, die derzeit läuft. Von ihrem Hauptsponsor bekommt die Gruppe jetzt T-Shirts gesponsert, die Reisekosten nach St. Louis sind aber noch nicht vollends gedeckt. Viel Arbeit also. Kein Wunder, dass die Jugendlichen nach dem üblichen Schulunterricht gerade in Wettkampfphasen bis 20 Uhr im Werkraum der Schule verweilen.

„Wir bauen täglich fast so lange am Roboter, wie wir im Unterricht sitzen“, berichtet Teamkollegin Patricia Böhmerle. „Obwohl das Bauen sehr viel Spaß macht, arbeiten wir schon auf den Wettkampf hin und freuen uns, wenn die Reise ansteht“, sagt sie.

Auch die dreitägige Schulfahrt in die Jugendherberge haben die Jugendlichen von „What the Frog“ längst zum Trainingslager umfunktioniert. Natürlich mit freundlicher Unterstützung des Gymnasiums, das die Schüler – wo es nur geht – bei ihrem technischen Projekt unterstützt.

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