Leonberg: Helfer für Sonntagstreff gesucht Eine große Portion Einfühlungsvermögen

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Wie geht es weiter? Von den insgesamt zehn ehrenamtlichen Helfern des Leonberger Treffs wollen demnächst fünf ihre Tätigkeit beenden Foto: dpa

Leonberg - Wir spielen zusammen, basteln, reden, es gibt Kaffee und Kuchen,“ erzählt Brigitte Walz. Seit 2001 organisiert sie in Leonberg den „Sonntagstreff“ für psychisch kranke Menschen zusammen mit neun weiteren ehrenamtlichen Helfern. Einmal im Monat, am jeweils letzten Sonntag, kommen zwischen 15 bis 20 Menschen mit psychischen Schwierigkeiten in die Tagesstätte des Gemeindepsychiatrischen Zentrums (GPZ) der Diakonie in der Agnes-Miegel-Straße 5, um Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und vor allem, um die Isolation zu überwinden, aus der psychisch Kranke alleine kaum herausfinden.

„Die Freude der Besucher ist immer sehr groß“, sagt Brigitte Walz vom Verein Offene Herberge, der den Sonntagstreff veranstaltet und in Leonberg auch ein ambulant betreutes Wohnangebot für psychisch Kranke unterhält. Beide Einrichtungen dienen letztlich demselben Ziel: das seelische Leid durch ein soziales Miteinander zu lindern.

Helfer hören aus Altersgründen auf

Doch der seit vielen Jahren gut besuchte Sonntagstreff ist jetzt in seiner Existenz gefährdet. Denn von den insgesamt zehn ehrenamtlichen Helfern des Leonberger Treffs wollen demnächst fünf ihre Tätigkeit beenden. „Wie ich, zumeist aus Altersgründen“, erklärt Brigitte Walz, die die Leitung und die Mitarbeit am Sonntagstreff immer gerne übernommen hat. „Irgendwann schwinden aber eben die Kräfte.“ Soll heißen: Der Verein Offene Herberge sucht nun dringend mindestens fünf neue Helfer, die jeweils in Zweierteams zweimal im Jahr einen Nachmittag von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr organisieren und betreuen. „Dazu gehört dann auch das Einkaufen und Kuchenbacken“, sagt die Ditzingerin, die selbst schon, wie sie es formuliert, „durch ein tiefes Tal gegangen ist“.

Für den Verein Offene Herberge, der rund 110 Mitglieder hat, ist das nicht untypisch: Denn der Selbsthilfeverein mit Sitz in Stuttgart-Bad Cannstatt ist vor 18 Jahren von Psychiatrie-Erfahrenen gegründet worden. „Als eine Möglichkeit, wieder Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, sagt die Vorsitzende Bärbel Nopper. Der Verein hat sich auf die Fahnen geschrieben, ein Umfeld zu schaffen, das viel Verständnis für psychische Krisen bietet, ohne dass dadurch professionelle Hilfe ersetzt werden soll. „Menschen, die selbst mal Betroffene waren, haben einen guten Zugang zu psychisch Kranken“, so Nopper.

Interesse und Einfühlungsvermögen als Voraussetzungen

Weder die ehrenamtlichen Helfer noch die Besucher des Sonntagstreffs in Leonberg müssten jedoch Mitglieder des Vereins sein, erklärt Brigitte Walz. „Wer helfen will, braucht nichts außer Interesse und viel Einfühlungsvermögen.“ Und sie betont: „Seit ich hier engagiert bin, habe ich noch nie eine schwierige oder gar gefährliche Situation erlebt.“ Sie deutet damit an, dass gerade Helfer, die keine Erfahrung mit psychischen Problemen mitbringen, beim Sonntagstreff auch Vorurteile abbauen können.

Der Treff finanziert sich vor allem durch Spenden der Besucher, sodass bislang die Helfer allenfalls eine kleine finanzielle Anerkennung erhielten. Möglicherwiese will der Verein nun aber die Leitung des Sonntagstreffs mit einer Übungsleiterpauschale von rund 40 Euro im Monat ausstatten.

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