Leonberg: Erfolgsmodell Seehaus Imaginäre Linien anstelle von Gefängnistüren

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Eine Ausbildung für die Jugendlichen ist Teil des Seehaus-Konzeptes. Foto: factum/Bach

Leonberg - Gefängnistüren zum Öffnen sucht man im Seehaus vergeblich. Doch Grenzen gibt es in der Modelleinrichtung, in der seit dem Jahr 2003 junge Männer zwischen 18 und 21 Jahren ihre Haftstrafe in einer freien Form verbringen können, selbstverständlich auch. „Es existieren imaginäre Linien, die nicht überschritten werden dürfen“, erklärt Axel Jeroma, der Öffentlichkeitsreferent des Seehauses. Wer diese Grenzen verletzt, verstößt gegen die Regeln und muss mit Sanktionen rechnen. „Wir hatten einen Jugendlichen, der wieder ins Gefängnis zurückverlegt werden wollte, weil die Versuchung hier zu groß war“, erzählt Jeroma.

Jugendliche müssen sich aktiv bewerben

Regelmäßig besuchen Mitarbeiter des Seehauses Gefängnisse in Baden-Württemberg, um ihr Konzept zu präsentieren. Gefangene, die ihre Haftzeit im Seehaus verbringen wollen, müssen sich aktiv bewerben. „Wir verlangen ein Schreiben, in dem die Motivation und die Ziele, die erreicht werden sollen, geschildert werden“, sagt Jeroma. Wer die Chance dazu bekommt, entscheidet letztendlich die Anstaltsleitung.

Derzeit leben 15 Jugendliche in drei Wohngemeinschaften im Seehaus. Der Anschluss an eine Familie ist eines der Kernkonzepte der Einrichtung. „Die meisten jungen Männer kommen aus zerrütteten Verhältnissen und erleben hier zum ersten Mal ein Familienleben, wie es sein soll“, berichtet Axel Jeroma. Probleme mit den Kindern der Hauseltern habe es noch nie gegeben. „Die meisten Kleinkinder nehmen die Jugendlichen eher wie große Brüder wahr. Da entsteht tatsächlich oft so etwas wie Herzenswärme“, erzählt Jeroma weiter. Natürlich gebe es gute und weniger gute Tage, räumt er unumwunden ein. Sowohl der Familie als auch den Jugendlichen stünden daher ein paar Quadratmeter Privatsphäre zur Verfügung.

Fünf Hierarchiestufen

Die jungen Männer können während ihrer Zeit im Seehaus fünf verschiedene Hierarchiestufen erreichen, mit denen unterschiedliche Rechte und Pflichten verbunden sind: Neuling, Leo-Anwärter, Leo, Löwe-Anwärter und Löwe. Ob jemand in eine höhere Stufe aufsteigt, entscheidet der Seehaus-Rat. „Ein Löwe kann bei einem Ausraster auch wieder auf den Rang eines Leo-Anwärters zurückfallen“, stellt Jeroma klar. Dies passiere jedoch sehr selten, in der Regel seien Löwen sehr solide Persönlichkeiten.

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