Leonberg: Erfolgsmodell Seehaus Berufliche Ausbildung und straffer Tagesablauf

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So ist es auch nur Löwen und Löwen-Anwärtern gestattet, das Seehaus bei offiziellen Terminen zu repräsentieren. Zudem fungieren Jugendliche der obersten drei Stufen als sogenannte Buddys für die Neulinge. „Buddys erklären ihnen die Regeln und begleiten sie in ihrer Anfangszeit. Da in den ersten Tagen im Seehaus die Fluchtgefahr groß ist, müssen Buddys die Neulinge sogar nachts auf die Toilette begleiten“, erklärt Jeroma eine wichtige Regel. Zusätzlich gibt es auch noch einen Nachtdienst zur Kontrolle. Außerdem sind die Jugendlichen in sogenannten Lob- und Tadel-Runden angehalten, andere auf Fehlverhalten wie rauchen oder fluchen aufmerksam zu machen. „Damit wollen wir die jungen Männer auf das Berufsleben vorbereiten, wo Selbstkritik und Selbstorganisation an der Tagesordnung sind“, erklärt Jeroma.

Schuldenberatung und Bewerbungstraining als Fächer

Zur Vorbereitung auf das Berufsleben gehört auch, dass die Jugendlichen während ihrer Zeit im Seehaus – in der Regel zwischen eineinhalb und drei Jahren – den fachtheoretischen und praktischen Inhalt des ersten Jahres einer Ausbildung absolvieren. Angeboten wird dies in den Bereichen Bau/Zimmerei, Metallbearbeitung, Schreinerei/Holzbau sowie Garten- und Landschaftsbau. „Den theoretischen Teil übernehmen engagierte Berufsschullehrer, die die Jugendlichen auch in Bereichen wie Gemeinschaftskunde, Schuldenberatung oder Bewerbungstraining unterrichten“, erzählt Jeroma.

Überhaupt müssen die Jugendlichen einen anspruchsvollen und straff organisierten Tagesablauf einhalten: Bereits um 5.45 Uhr steht Frühsport auf dem Programm, nach einer Zeit der Stille und dem Frühstück beginnt nach einem Impuls für den Tag um 8.15 Uhr die Ausbildung. Bettruhe ist um 22.15 Uhr.

Möglichkeiten zur Wiedergutmachung

Zudem versuchen die jungen Männer ein Stück weit, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen, zum Beispiel durch die Graffiti-Feuerwehr. Teil des Seehaus-Lebens ist auch der Komplex „Täter und Opfer im Gespräch“: Die Jugendlichen werden mit Opfern von Straftaten und deren Emotionen konfrontiert, um über ihre Taten nachzudenken und Mitgefühl zu entwickeln.

Das Konzept für das Seehaus hat Tobias Merckle entwickelt, der während eines sozialen Jahres in den USA von der negativen Subkultur in den dortigen Gefängnissen erschüttert war und nach Alternativen für den Jugendstrafvollzug gesucht hat. Die Zahlen stützen seine Idee: Seit der Gründung im Jahr 2003 haben rund 120 Jugendliche ihre Zeit im Seehaus verbracht. „75 Prozent von ihnen sind nicht in einer Form rückfällig geworden, dass sie wieder ins Gefängnis mussten“, erklärt Axel Jeroma.

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