Leonberg Eine Mensa mit vielen Hindernissen

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Erst Möhren, dann Tomaten: Die Kinder der Mörikeschüler singen ein eigenes Lied für die neue Mensa. Foto: #/Bach

Leonberg - „Und, g’fallt’s eich? Schmeckt’s au?“, fragt Erna Häberle die Kinder der Mörikeschule, die der älteren Dame mit einem lauten „Jaaaa!“ antworten. „Mir g’fallt’s au“, sagt sie, nachdem sie mitten in die Eröffnung der neuen Mensa der Grundschule geplatzt ist und einfach drauf los plappert. Dass die Frauen heute schaffen gehen und die Kinder deshalb länger in der Schule bleiben müssen. Dankte den Lehrern, dass sie sie länger da behalten. Und merkt an, dass die Lehrer nicht auch noch kochen könnten. Deshalb sei die neue Mensa genau richtig, sagt sie auf ihre unverblümte Eltinger Art und bringt die Gäste reichlich zum Lachen. Etwa mit: „Gedauert hat’s. Aber dann hab’ ich mir gedacht: zwei Stock, zwei Jahr’.“

Natürlich ist der Auftritt nicht spontan. „Die Rektorin Brigitte Koch-Savel und ich haben uns das gemeinsam ausgedacht“, sagt Lehrerin Annegret Wehlan, die aber auch privat schon in die Rolle der Ur-Eltingerin Erna Häberle geschlüpft ist.

Auch Räume für die Ganztagsbetreuung

Die Mensa haben die Schüler längst in Beschlag genommen. „Erst Karotten, dann Tomaten, da muss keiner zu lang warten“, singt der Chor bei der offiziellen Eröffnung im Speiseraum, in dem die Kinder aber längst zu Mittag essen oder danach Hausaufgaben machen. Bis zu 300 Essen könnten am Tag ausgegeben werden. Im halben Stockwerk obendrüber gibt es zwei Räume für die Ganztagsbetreuung (derzeit 100 Kinder) und für die verlässliche Grundschule (derzeit 25 Kinder, bis 13.30 Uhr).

Zwei Millionen Euro hat der Betonbau gekostet, 300 000 Euro Zuschüsse gab es vom Land. Für Farbe sorgen grasgrüne Elemente. „Grün ist die Farbe der Hoffnung und der Eltinger Wiesen“, sagt der Oberbürgermeister Bernhard Schuler dazu. Die netten Worte und das von den Kinder gestaltete Programm können trotzdem nicht darüber hinweg täuschen, dass der neue Mensabau mit einigen Fehlern behaftet ist.

Verzögerungen bei Planung und Bau

Das fing schon bei der Planung an. Die Stadt hielt den Mindestabstand zu einem benachbarten Gebäude in der Karlstraße nicht ein. Der Nachbar, der Stadtrat Jörg Langer (Freie Wähler), legte Widerspruch ein. Die Stadt musste sich daraufhin vom Regierungspräsidium eine Befreiung erteilen lassen. Doch ausgerechnet jene Lücke zum Nachbargrundstück ist jetzt zu schmal, als dass der Caterer, der das Essen anliefert, da hineinfahren könnte. Also wurde eine Rampe gesetzt und geteert. „Aber die ist so steil, das ist echte Knochenarbeit, das Essen da auf Wagen hochzuschieben“, findet Stadtrat Wolfgang Röckle (CDU). Zumal zwischen Rampe und Mensabau eine Lücke klafft. Im Januar 2015 fand der Spatenstich zum Projekt statt. Bis Ende Oktober sollte sie fertig sein – wohl gemerkt Oktober 2015. „Es gab ein Problem bei den Handwerksfirmen, die zu erheblichen Zeitproblemen geführt haben“, formuliert es der Architekt Guido Dongus. Wie beim Domino verschoben sich die Folgetermine.

Beim Bau gab es aber weitere Probleme. Stadtrat Röckle führt um das Gebäude herum zu einem Technikschacht. „Den können sie gar nicht benutzen“, sagt er. Der Grund ist offensichtlich. Direkt darüber ist die erste Stufe der Fluchttreppe, der Deckel lässt sich gar nicht öffnen.

Stadträte zeigen Mängel auf

Gemeinsam mit Stadtratskollege Langer hat er weitere Dinge ausgemacht, die nicht passen. „Da hat einer nicht richtig nachgedacht“, sagt Röckle und zeigt im Foyer nach oben. „Wie soll man da die Fenster sauber machen?“ Eine Leiter aufstellen funktioniert schon mal nicht, da steht die Treppe ins erste Stockwerk im Weg. Auch eine Kante zwischen den Fenstern beider Stockwerke lässt sich nicht reinigen – dort liege noch Müll von den Handwerkern. Für die begrünte Dachterrasse gibt es keinen Zugang aus dem ersten Stockwerk.

Die Oberlichter in der Mensa, die ohnehin an zwei Seiten vollverglast ist, liefern dank einer Deckengestaltung mit Längsstreben kaum Licht. Und ausgerechnet am überdachten Eingang, unter dem die Kinder auch bei Regen spielen könnten, fehlt dem Oberlicht eine schützende Kuppel. „Da regnet es einfach durch“, kritisiert Wolfgang Röckle.

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