Leonberg Der Stoff, aus dem Träume sind

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Heinz Lochmann will in Leonberg ein Kino bauen. Foto: factum/Granville

Leonberg - „Ich verspreche nicht, dass man Sie auf Händen tragen wird. Aber wenn es klappt, sind Sie der Größte.“ Heinz Lochmann liest diese Zeilen einer E-Mail vor und lacht. Geschrieben hat die Nachricht der CDU-Gemeinderat Wolfgang Röckle im Oktober. Nach einigen Wochen Bedenkzeit gab sie den Ausschlag dafür, dass der Rudersberger Kino-Betreiber nun auch in Leonberg ein Filmtheater bauen will.

Im Gewerbegebiet in den Riedwiesen, ganz nah am Autobahndreieck. Eine Investition, die gerade viele jüngere Einwohner herbeigesehnt haben, nachdem das letzte Kino in Leonberg 2006 dicht gemacht hat (siehe Text unten). „Ich bin ein Bauchmensch, ich höre auf mein Bauchgefühl“, sagt der 54-jährige Lochmann. Dass Leonberg einen Kinobetreiber sucht, war ihm seit vielen Jahren bekannt. Nach der E-Mail sagte ihm sein Bauch: „Warum eigentlich nicht?“

Neun Lichtspielhäuser führt Heinz Lochmann schon, hat sein Unternehmen über Jahrzehnte hinweg langsam aufgebaut. Dabei fing alles mit einem unglücklichen Zufall an. Seine Großeltern hatten eine Bäckerei, die sein Vater später übernahm. Auch Heinz Lochmann geht in die Lehre, wird am Ende sogar Bäckermeister. Um der Schwester des Vaters aber auch eine Zukunft zu ermöglichen, finanzieren die Eltern ihr 1956 ein Kino. Damals wurden, besonders auf dem Lande, die Kinoleinwände noch oft in Tanzsälen aufgebaut. Zusätzlich arbeitet sie in einer Gastwirtschaft. Doch Mitte der 70er Jahre stürzt sie und muss operiert werden. Während der OP stirbt sie.

Heinz Lochmann springt ein und übernimmt das Kino seiner Tante. Er baut um, er baut aus, „ich musste immer gegen die Kinos der Umgebung kämpfen, um die Filme schnell zu bekommen“. Denn von den Spielfilmen existierten damals immer nur wenige Kopien auf Zelluloid. Doch das Geschäft läuft. Ein anderer Kinobesitzer bietet ihm sein Haus in Backnang zur Pacht an. Heinz Lochmann überlegt und kauft es am Ende. Es folgt das Filmtheater in Schorndorf, dann eines in Waiblingen, dann zwei in Esslingen. Mal kauft er, mal betreibt er nur. Am Ende sind es sieben Standorte in Schwaben, einer in Hamburg, einer in Berlin.

Der Rudersberger hat seine ganz eigene Vision eines Kinos. „Es gab mal eine Zeit, in der die Kinowände immer schwarz gestrichen waren. Diese Farbe stört beim Film abspielen eben nicht“, sagt der 54-Jährige. Doch die Besucher säßen oft schon 20 bis 25 Minuten vor Beginn im Saal. „Sie brauchen Zeit, um sich aus der realen Welt zu lösen für den Film“, meint Lochmann. In seinen „Traumpalast“-Kinos hat er deshalb sein ganz eigenes Konzept umgesetzt. Die Säle haben Namen, die Programm sind. Bei „1001 Nacht“ in Schorndorf etwa sind orientalische Bauwerke an die Wand gemalt. Der „Theatro“-Saal in Waiblingen greift römische und griechische Elemente auf.

Der Name „Traumpalast“ ist für den 54-Jährigen Programm. „Ich verbinde damit immer die ‚Unendliche Geschichte’ von Michael Ende“, erzählt er. Die Geschichte des kleinen und dicklichen Bastian Balthasar Bux, der in einem Buchladen eben jenen großen Band mitgehen lässt. Der sich in eine traumhafte Welt hinfort liest, sich mit dem Drachen Fuchur einen großen starken Freund erträumt. „Vorher ist sein Leben relativ trist gewesen. Doch durch dieses Buch hat er etwas, woran er sich festhalten kann.“ So etwas wolle er mit seinen Kinos auch schaffen.

  1995 ließ Heinz Lochmann in Schorndorf das erste Filmhaus zum „Traumpalast“ umbauen. Fünf weitere stehen in Waiblingen, Backnang, Esslingen, Nürtingen und Biberach. Leonberg soll der siebte „Traumpalast“ werden und ebenfalls eine einzigartige Gestaltung bekommen.

In dieser Woche wollen der Investor und sein Architekt die „Feinabstimmung“ für das Projekt vornehmen. Zwischen sieben und zehn Kinosäle verschiedener Größe sollen entstehen, die Hälfte 3D-fähig. Etwa 1000 bis 1200 Sitzplätze könnte es dann geben. Dazu kommen wohl zwei Gastronomien. Das gehört auch zu Heinz Lochmanns Konzept: keine Spielhöllen oder Automaten, dafür familienfreundliche Restaurants, die den Geschmack der breiten Masse treffen sollen.

Die günstige Lage an der Autobahn, das Einzugsgebiet, das der Leonberger OB Bernhard Schuler auf etwa 170 000 Menschen schätzt – Leonberg sei „ein kleines Juwel“, findet der Kino-Unternehmer. Ob das Projekt angesichts der Konkurrenz in Stuttgart, Ludwigsburg, Sindelfingen oder Weil der Stadt nicht zu groß geplant ist? „Ich denke gar nicht so sehr an die Konkurrenz. Falls es nicht gut laufen sollte, müssen wir etwas tun, um die Leute zu animieren, ins Kino zu gehen.“

Kinos in der Nähe von Leonberg

Kreis Böblingen und Ludwigsburg:
Weil der Stadt Kinocenter (4 Säle, 349 Plätze) und Kulisse. Ludwigsburg Central (3 Säle, 738 Plätze), Union (2 Säle, 404 Plätze), drei weitere Kinos mit je einem Saal. Sindelfingen Cinemaxx (9 Säle, 1700 Plätze). Böblingen Filmzentrum Bären (7 Säle, 1376 Plätze). Kornwestheim Autokino (2 Leinwände, 550 Autos) und Capitol (3 Säle, 330 Plätze).

Größere Kinos in Stuttgart: Cinemaxx an der Liederhalle (6 Säle mit 1488 Plätzen), Cinemaxx im SI-Zentrum Möhringen (6 Säle mit 1617 Plätzen), Metropol (3 Säle mit 700 Plätzen), Ufa Palast (13 Säle mit 4200 Plätzen), Gloria (2 Säle mit 966 Sitzen), EM Kinos (4 Säle mit 543 Plätzen).

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