Leonberg/Böblingen Ein Nord-Süd-Konflikt prägt die Klinik-Debatte

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Die künftige Ausstattung des Leonberger Krankenhauses sorgt für Diskussionen. Foto: privat

Leonberg - Für die einen grenzt es an Geheimnisverrat, für die anderen ist es ein legitimes, wenn nicht gar notwendiges Mittel, um Transparenz herzustellen. In der Debatte um die Zukunft der Kliniken geht es nicht mehr nur um medizinische Leistungen und deren Finanzierbarkeit.

Dass Teile der internen Überlegungen im Aufsichtsrat, wie das 19 Millionen Euro große Loch im Etat des Klinikverbundes gestopft werden kann, durch unsere Zeitung veröffentlicht wurden, ruft im Kreistag konträre Reaktionen hervor. Hüben die Vertreter aus der Region Leonberg, die stets kritisch nach der Entwicklung der eigenen Klinik fragen. Drüben der Landrat und die Mehrheit der Kreisräte aus dem Raum Böblingen, die wenig Verständnis für die Haltung der Nordkollegen haben.

Sache der Geschäftsführung

Am klarsten in dieser Richtung positioniert sich der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Obwohl das Krankenhaus in seiner eigenen Stadt ebenfalls zugunsten einer Großklinik auf dem Flugfeld Federn lassen muss, ist der Fraktionschef der Freien Wähler mit Verve auf Zentralkurs und sieht im Medizinkonzept ein „klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung der Häuser.“ Was letztlich in den einzelnen Standorten geschehe, sei Sache der Geschäftsführung und Ärzte, erklärt Sprißler in einer Kreistagsdebatte zum Medizinkonzept und erhält viel Zustimmung.

Da hat sein Fraktionskollege Werner Metz einen deutlich schwereren Stand. Der Leonberger Kardiologe verfolgt den Zentralisierungskurs seit Jahren kritisch. Im Kreistag mahnt er dringend eine klare Definition des Begriffes „Basisversorgung“ an, die nach Eröffnung der Flugfeldklinik für Leonberg und Herrenberg vorgesehen ist. Dass der neue hoch qualifizierte Chefarzt in der Leonberger Chirurgie sich auf chronische Darmentzündungen spezialisieren soll, komplexe Tumor-Operationen aber in Böblingen vorgesehen sind, ist für den Mediziner Metz fachlich nicht nachvollziehbar.

Politische Entscheidungen

Und die Meinung des Landrats und der Kreistagsmehrheit, dass die Berichte in der Zeitung und öffentliche Kritik dem Krankenhaus mehr schade als nütze, ist für Metz ein „Totschlagargument.“

Günther Wöhler hält es ebenfalls für richtig, das mögliche Veränderungen öffentlich diskutiert werden. „Solche weitreichende Entscheidungen müssen politisch und nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen werden“, sagt der Sozialdemokrat, der sich in einer ähnlichen Lage wie Metz befindet. Auch er ist Arzt aus Leonberg, auch er hält einen Abbau medizinischer Expertise am hiesigen Krankenhaus für fatal, und auch er vertritt damit eine Minderheitenmeinung.

Einbindung der Ärzte zwingend

Diese artikulieren Wöhler und Metz übrigens nicht nur mit Blick auf die Ausstattung des Krankenhauses selbst. Den geplanten Gesundheitscampus mit medizinischen Dienstleistungen und Praxen sehen beide Mediziner ebenso skeptisch. „Damit greifen wir stark in die ambulante Versorgung ein“, warnt Wöhler. „Wir dürfen nicht riskieren zum Totengräber lokaler Arztpraxen zu werden.“ Die Einbindung der niedergelassenen Ärzte sei daher „zwingend“.Metz wiederum erwartet, dass die Leonberger Ärzte erst gar nicht ans Krankenhaus ziehen, weil sie moderne Praxen in der Stadt haben.

Auch diese Bedenken, wen wundert’s, werden von den meisten nicht gern gehört.

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