Leonberg An der Silbertorallee regieren Feen und Trolle

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Gemeinsam mit der Erzieherin Inga Schwarz fühlen sich die Wurzelkinder im Wald wohl. Foto: factum/Bach

Leonberg - Weißt du, London, das ist so ein kleines Dorf, wo man Ferien machen kann, aber ohne Gepäck, denn das muss man vorher am Flughafen abgegeben.“ Die kleine Julia weiß Bescheid in der großen Welt und sie strahlt über das ganze Gesicht. „Heute ist der letzte Kindi-Tag, morgen haben wir Ferien“, sagt sie. Dabei wischt sie sich über den Mund und verteilt einen Rest Schokolade über die blauen und weißen Sternchen aus Schminke, die ihre Wangen zieren, und sie freut sich wie ein Honigkuchenpferdchen.

Sie gehört nämlich zu der Schar kleiner Feen und Trolle, die seit einigen Tagen den winterlich kahlen Forst rund um die Silbertorallee im Silberberger Wald unsicher machen. Und wie es für Feen und Trolle üblich ist, allerlei Schabernack treiben. So haben die ulkigen Trolle aus Schnüren Schlangen gebastelt, die sie in die Rucksäcke anderer Kinder gesteckt haben, aus denen sie Furcht einflößend herauslugen. Oder sie haben die Rucksäcke gleich gänzlich spurlos verschwinden lassen. Die Feen zeigen sich lieber von ihrer guten Seite und legen für alle ein Stück Schokolade bereit.

Jetzt gibt es Vesper

Doch nun haben die 15 Feen und Trolle, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind, eine Pause eingelegt und an den kleinen Tischen die Vesperdosen ausgepackt. Ein Holzofen spendet in dem Bauwagen des Waldkindergartens Wurzelkinder eine wohlige Wärme, und für kurze Zeit ist Ruhe eingekehrt. Doch als Besucher bringt man Unruhe in die kleine Welt – alle wollen etwas wissen – oder loswerden. Ein Dreikäsehoch interessiert sich brennend dafür, ob ich auf den rutschigen Waldwegen nicht auf dem Allerwertesten gelandet sei – etwas, das anscheinend unvorsichtigen Besuchern öfter passiert. Dann wird gemutmaßt, ob der Besucher wohl der Postmann sei oder doch von der Polizei. „Wir haben zuhause auch eine Zeitung!“, rufen mehrere Kinder, als das Rätsel endlich gelüftet ist.

Die Erzieherin Inga Schwarz, der die beiden Praktikantinnen Julia Freidinger und Sultan Yilmaz zur Seite stehen, kann die wilde Schar kaum bändigen, als plötzlich zwischen dem Besucher und der aufgeweckten Kinderschar ein höchst philosophischer Disput entbrennt: Ist ein grauhaariger Endfünfziger, der noch Vater und Mutter hat, auch ein Kind? „Nein!“ tönt es anfangs laut. Aber wer Vater und Mutter hat, sei doch ein Kind, gibt der eine oder die andere der kleinen „Philosophen“ zu bedenken. Da fällt einer aus der Ecke der „Großen“, die bald sechs sind und im Herbst zur Schule gehen werden, ein salomonisches Urteil: „Du bist ein erwachsenes Kind.“ Alle geben sich damit zufrieden.

Lange will die Gruppe nicht im Wagen bleiben

Doch eine Kinderschar, die es gewohnt ist, bei Minusgraden draußen nicht nur zu basteln und zu werkeln, sondern sich auch eine Geschichte anzuhören, hält es nicht lange im engen Bauwagen. Nachdem ein Gedicht für Malte vorgelesen wird, der in den letzten Tagen gefehlt hatte und alle eine Wunderkerze zur Feier des Tages abbrennen lassen, stürmt die Gruppe hinaus.

Dabei stiebt auch eine Schar Meisen davon, die es sich auf einer Baumscheibe bequem gemacht hatte. Auf der haben die Kinder eine Futterstelle gebastelt. Stolz zeigen die Kinder ihren aus Naturmaterialien angefertigten Weihnachtsschmuck, die aus Ton geformten Figuren, und erzählen, wie sie im Ofen in der benachbarten Hütte Plätzchen gebacken haben.

„Es ist immer eine Freude zu sehen, welch enges Verhältnis die Kinder zu den Erzieherinnen Inga Schwarz und Antje Jüttner haben“, sagt Melanie Kürschner aus dem Vorstand des Kindergarten-Trägervereins erfreut. „Die Kinder erleben die Jahreszeiten intensiver und sie lernen die Natur zu schätzen und zu schützen“, sagt die Mutter, die sich wie alle Eltern in dem Verein engagiert. Wer mehr über den Waldkindergarten erfahren will, bekommt unter antje.waldkindergarten@web.de Auskunft.

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