Erinnerung an Udo Jürgens Aber bitte mit Sahne!

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Gefühlvoll interpretieren die Sänger die größten Lieder von Udo Jürgens. Foto: factum/Bach

Leonberg - Wer heute zu denen zählt, die „schon länger jung“ sind, sich also in der zweiten Lebenshälfte befindet, hat den Eindruck, Udo Jürgens habe es „schon immer“ gegeben. Gut kann man sich im Publikum noch an seine Anfänge erinnern: der Durchbruch damals 1966 mit „Merci, Chérie“, als der „Eurovision Song Contest“ noch „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hieß – und dann folgte eine Platte nach der andern, bis der Komponist, Pianist und Sänger zu einem der bedeutendsten Entertainer des 20. und frühen 21. Jahrhunderts aufgestiegen ist.

Annika Bruhns, Andreas Bieber, Sabine Mayer und Karim Khawatmi, vier Star-Solisten aus dem erfolgreichen Musical „Ich war noch niemals in New York“ haben am Samstagabend in der Stadthalle, etwas mehr als zwei Jahre nach seinem plötzlichen Tod, das Publikum mit den Chansons von Udo Jürgens in den Bann gezogen.

Die Zuhörer sind fast ausschließlich Fans der ersten Stunde: Da ist die Frau, die sich noch gut erinnert, dass der Sänger einst beim 50-jährigen Jubiläum der Leonberger Bausparkasse extra zu einem Live-Auftritt angereist sei; eine andere weiß noch, wie sie ihn damals in der Stuttgarter Liederhalle als junges Mädchen persönlich erlebt hat – „das muss jetzt genau 50 Jahre her sein!“

Einer, der etwas zu sagen hatte

Erinnerungen werden ausgekramt, mit anderen geteilt. Ein anderer Zuhörer dagegen, ursprünglich Elvis-Presley-Fan, merkte als „Spätzünder“ erst mit zunehmendem Alter, dass der Komponist, Sänger und Pianist „etwas zu sagen“ hatte und besondere Qualitäten als Entertainer besaß – sein Auftritt im weißen Bademantel war legendär.

Udo Jürgens hat immer betont, dass im Wort „Unterhaltung“ der Begriff „Haltung“ stecke – und hat Position bezogen: gegen Spießigkeit, Bigotterie, Raubbau an unserem Planeten. Zitate zwischen den Musikstücken, die von den Solisten präsentiert werden, zeigen ein bisschen etwas von seiner Lebensphilosophie: er plädiert für mehr Mitmenschlichkeit und hält die Überheblichkeit des Menschen für das schlimmste Übel, weil sie unseren Planeten gefährde.

Mit großer Leidenschaft inszenieren die vier Solisten, begleitet von einer fetzigen Band aus Flügel, Cello, Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keyboard, eine rockige Performance, die das Publikum in den Bann zieht. Die Zuhörer schätzen besonders, dass die Interpreten keine bloße Kopie des großen Vorbilds abliefern, sondern eine ganz eigene Interpretation mit viel Verve und Esprit.

Der Soundtrack des Lebens

Als eindringliches Solo („Siebzehn Jahr’, blondes Haar“), im anrührenden („Ich will mit dir einen Drachen bau’n!“) oder auch schmissigen Duett („Der Teufel hat den Schnaps gemacht!“) und im schwungvollen Quartett („Griechischer Wein“ mit gekonnter Sirtaki-Einlage) präsentieren die vier Akteure nicht nur Wort und Musik, sondern eine Bühnenshow der Extraklasse. Das begeisterte Publikum reißt es von den Sitzen, stehende Ovationen, es wird mitgesungen und rhythmisch geklatscht. Diese Musik war nicht nur das Leben von Udo Jürgens („Zwölf Töne, ein klingendes Universum in Dur und Moll!“), es war der Soundtrack zum Leben des Publikums selbst.

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