Leichtathletik Leistungssport als Schule fürs Leben

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Ursula Kreutel hat den Diskus im Jahr 1999 auf eine Weite von 65,32 Meter geworfen – Weltklasse. Foto: Archiv Hans-Joachim_Müller

Leonberg - Mehr als 23 Jahre lang hat die Höfingerin Ursula Kreutel dem Vorstand des Württembergischen Rasenkraftsport- und Tauziehverbandes als Frauenwartin angehört; und das war nur eine von mehreren, ehrenamtlichen Funktionen, die sie jetzt in jüngere Hände gelegt hat. „Ich wollte mit der Übernahme von Ehrenämtern etwas zurückgeben, was ich vor allem als Leistungssportlerin an Unterstützung erfahren habe“, sagt die 52-jährige ehemalige Top-Sportlerin.

Sie gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie davon spricht, wie der Leistungssport ihr Leben geprägt habe: „Er war für mich, auch auf hohem Niveau, eine Schule für’s Leben. Dort habe ich das Rüstzeug auch für meinen Beruf erworben.“

Mit 14 Jahren zu den Blauen

Ursula Kreutel war 14 Jahre alt, als sie das blaue Trikot der Stuttgarter Kickers erstmals übergestreift hat. Zu den „Blauen“ schon als junge Schülerin zu gehen – dazu hat sie die frühere Landestrainerin Bärbel Schultze überredet, die damals selbst eine Kickers-Athletin der württembergischen Spitzenklasse war. 38 Jahre lang ist Ursula Kreutel dem Degerlocher Klub treu geblieben.

Große Erfolge – insbesondere im Diskuswerfen – hat sie während ihrer erfolgreichen Sportlerinnen-Karriere erzielt. So war sie im Jahr 1990 deutsche Meisterin (63,96 Meter) und qualifizierte sich für die Europameisterschaften in Split, wo sie das Finale erreichte und gegen die Phalanx der letztmals für die damalige DDR angetretenen Werferinnen aus dem Osten Deutschlands und der UdSSR auf dem siebten Rang landete (63,28 Meter).

Der württembergische Rekord hat noch Bestand

Die ein Kilogramm schwere Diskusscheibe schleuderte Ursula Kreutel damals auf die Weltklasse-Weite von 65,32 Metern, was – fast selbstredend – noch heute württembergischen Rekord bedeutet. Selbstbewusst sagt sie: „Mit meiner damaligen Bestleistung hätte ich aktuell richtig gute Medaillen-Chancen bei internationalen Meisterschaften.“

Wenige Jahre später hat sie dem Diskuswurf-Ring „ade“ gesagt. Ganz losgekommen vom Sport ist Ursula Kreutel dennoch nicht. Der Kickers-Abteilungsleiter Manfred Arnold weckte in ihr die Lust für den Rasenkraftsport, der wegen ihrer Grundlagen als ehemalige Spitzensportlerin nicht allzu viel Trainingszeit abverlangte. Immerhin sammelte sie im Steinstoßen, Hammerwerfen und Gewichtwerfen manchen deutschen und württembergischen Meistertitel und hält in ihrer Alters- und Gewichtsklasse den deutschen Seniorinnen-Rekord im Steinstoßen mit 14,97 Metern.

Start bei der Landesmeisterschaft

Dennoch halten sich ihre sportlichen Ambitionen in Grenzen. „Demnächst sind wieder Landesmeisterschaften, da mache ich mit, auch dann, wenn mich der Verein für Mannschaftswettkämpfe braucht.“ Ansonsten widmet sich die Mutter einer 18-jährigen Tochter ihren ehrenamtlichen und beruflichen Aufgaben: als gerichtlich bestellte Betreuerin von Erwachsenen, die ihre privaten Geschäfte nicht mehr selbst erledigen können; als Kreisrätin für die Freien Wähler im Böblinger Kreistag; als Vorsitzende des Vereins für Kleingärtner und Siedler in Höfingen. Sie betreibt selbst mit großer Freude auf einem von ihrem Vater übernommenen Pachtgrundstück biologischen Anbau. Außerdem kümmert sie sich um ihren Großpudel namens Orpheus.

Auf die Frage, was sie in ihrem bewegten Leben auf keinen Fall mehr erleben möchte, nennt sie ein sportliches und ein privates Erlebnis: „1986 habe ich lediglich um zwei Zentimeter die Goldmedaille bei den deutschen Juniorenmeisterschaften gegen meine Konkurrentin Bettina Rösen aus Xanten verpasst. Da hätte ich vor Enttäuschung ins Gras beißen können. Und ganz schlimm und furchtbar war der plötzliche Autounfalltod meines Partners im Jahr 1999, als ich gerade schwanger mit unserer Tochter Katharina war.“

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