Kultur in Korntal-Münchingen Kindertheater bleibt das Sorgenkind

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Die Korntalerin Adelheid Kreisz gründete die Schattenbühne Cadrage. Foto:  

Korntal-Münchingen - Fast 8000 Besucher, 25 Veranstaltungen, davon ein Fünftel ausverkauft: „2017 war ein sehr erfolgreiches Kulturjahr. Unser Programm strahlt über die Stadtgrenze hinaus.“ So lautete Melanie Thamm-Becks Fazit in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dort hat die Kulturreferentin einen Rück- und Ausblick auf die Veranstaltungen in der Stadthalle Korntal und im Münchinger Widdumhof gegeben.

Der Kabarettist Gerhard Polt, zwei Mal „Hannes und der Bürgermeister“, die Revue „Sophisticated Ladies“ sowie die SWR1-Produktion „Pop und Poesie“ füllten im vergangenen Jahr die Stadthalle komplett. Im Widdumhof habe der Münchner „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec mit seiner Lesung für einen „hohen Promifaktor“ gesorgt, sagt Thamm-Beck. Insgesamt hätten fast zwei Drittel aller Veranstaltungen einen Kostendeckungsgrad von hundert Prozent erreicht.

Stabile Abo-Zahlen

Das Theater-Abonnement der Stadthalle gehöre zum „festen Bestandteil“ des Kulturlebens: „Die Mischung aus ernstem Schauspiel und Komödien ermöglicht dem Publikum einen Einblick in die reichhaltige Theaterlandschaft“, sagt Thamm-Beck. Die Bürger schätzen das Angebot: Die Zahlen sind stabil, aktuell zählt die Stadt 377 Abonnenten. Zum Vergleich: 2016 waren es 378. Rund 5500 Menschen hatten in jenem Jahr die 20 Veranstaltungen besucht, von denen ein Viertel ausverkauft war.

20 bis 25 Veranstaltungen soll es 2018 geben. „Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Thamm-Beck. Fest steht indes, dass sie dieses und nächstes Jahr „namhafte“ Künstler aus der Stadt auf die Bühnen holen will, etwa Adelheid Kreisz und ihr Cadrage Schattentheater. Zum 200-Jahr-Jubiläum von Korntal erwartet die Bürger im Januar 2019 ein Konzert mit Gaby Pas-Van Riet, Sophie Pas sowie Viola und Jens Fuhr. Daneben kommen der Zauberkünstler Thomas Fröschle alias Topas, der Kabarettist Rüdiger Hoffmann und der Komiker Dominik Kuhn alias Dodokay ins Strohgäu. „Es bleibt eine Gratwanderung, den Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden, das Budget einzuhalten und eine gesunde Mischung aus Unterhaltung und Anspruch zu finden“, sagt Melanie Thamm-Beck. Dennoch sei ihr ein „abwechslungsreiches Programm“ gelungen.

Höherer Zuschuss, halber Preis

Die Kultur erhält mehr Geld. Der Zuschuss der Stadt liegt künftig bei 29 000 Euro, zuletzt waren es 27 500. Schwerbeschädigte zahlen für Veranstaltungen im Theater-Abo nur noch den halben Preis. „Rabatte sind eine allgemeine Gepflogenheit“, sagt Thamm-Beck, deren Wunsch der Gemeinderat folgte. „Beim Freiverkauf sind Rabatte dagegen Verhandlungssache mit den Künstlern, ebenso wie die Schüler- und Studentenermäßigungen“, sagt die Kulturreferentin. Sie setze sich dafür ein, dass die Ermäßigung für Schwerbeschädigte für alle Veranstaltungen gilt.

Damit sich Erwachsene für Kultur begeistern, müssen sie schon als Kinder herangeführt werden. Doch laut Thamm-Beck wird das immer schwieriger. „Viele Kinder haben wegen der Ganztagsschule oder des Horts nachmittags keine Zeit mehr.“ So musste die Kulturreferentin die Produktion „Pinocchio“ absagen, weil die Resonanz der Familien zu gering war.

Neue Wege beim Kindertheater

Um mehr Kinder ins Theater zu bekommen, geht Thamm-Beck neue Wege. Sie hatte bei den Leitern der Betreuungseinrichtungen das Interesse an Kindertheater am Vormittag abgefragt. 2018 gibt es nun zwei Stücke für Mädchen und Jungen im Kindergartenalter. An einem Nachmittag treten Christof und Vladi Altmann wieder auf. Ihr Liedertheater habe am vergangenen Freitag mehr als 100 Zuschauer gelockt. „Die Resonanz ist immer auch stark abhängig von den Künstlern“, stellt Melanie Thamm-Beck fest. Der Grat zwischen Erfolg und Scheitern sei schmal: Bekannte Gruppen ziehen Zuschauer zwar an. Doch andererseits bestehe die Gefahr, dass die Bürger den Künstler schon kennen und ihnen die Abwechslung fehlt – und sie daher der Veranstaltung fern bleiben.

Thamm-Beck stemmt das Kulturprogramm mit einer 50-Prozent-Stelle. Eine weitere Halbtagsstelle stehen für das Sekretariat und den Kartenverkauf zur Verfügung. Kultur bietet auch der Verein Komüka: Er organisiert seit fast 24 Jahren einen Abend mit Gesang, Zauberei und Jonglage.

Viel Kultur in den Strohgäu-Kommunen

Programm
Um „neben Ludwigsburg und Stuttgart zu bestehen“, bietet das Strohgäu ein umfangreiches Kulturprogramm. Vereine engagieren sich ebenso wie Initiativen und Gruppen, die Stadt und öffentliche Einrichtungen.

Gerlingen
In der Kommune gibt es – ebenso in Ditzingen – ein mobiles Kino, auch sind beide Städte im Verein Kulturregion Stuttgart. Er veranstaltet interkommunale Kulturprojekte. Seit 20 Jahren gibt es die Frauengruppe „Frauen entwickeln tatkräftig Zukunft in Gerlingen“, kurz Fetzig. Sie initiiert im Jahr vier bis fünf Veranstaltungen, darunter mindestens ein Theaterstück. Die Einkaufs- und Kulturnacht des Stadtmarketingvereins lockt bis zu 1000 Besucher an.

Ditzingen
Das Kulturamt organisiert jedes Jahr rund zehn Veranstaltungen. Hinzu kommen Angebote alle zwei Jahre, etwa das Hafenscherbenfest. Der Arbeitskreis Altes Rathaus Schöckingen, der Ditzinger Kultur- und Kunstkreis sowie die IG Tonal mit dem Jugendhaus organisieren weitere Veranstaltungen.

Hemmingen
In der Gemeinde kümmert sich die Gruppe Distelart um immer wieder neue Veranstaltungen. Die populärste ist die Kulturnacht. Der Etterhof setzt auf Dauer- und Wechselausstellungen.

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