Kreis Böblingen Wenn der andere Elternteil keinen Unterhalt zahlt

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Viele Kinder brauchen Unterstützung – auch im Kreis Böblingen. Foto: dpa

Kreis Böblingen - In der Familienkasse herrscht Ebbe – da springt das Jugendamt ein: Für etwa 1850 Kinder zahlt das Kreisjugendamt derzeit Unterhaltsvorschuss. Das Geld sichert wenigstens teilweise das, was die Kinder zum Leben brauchen. „Der andere Elternteil zahlt entweder zu wenig Unterhalt oder gar keinen“, sagt Wolfgang Trede, der Leiter des Jugendamtes. So liegt der Schwerpunkt in der Tätigkeit des Amtes nun im Bereich Unterhaltsvorschuss, wo es aufgrund einer gesetzlichen Änderung zu deutlich mehr Förderung von Kindern, aber auch mehr Arbeit für die Fachkräfte kommt. Das geht aus der Jahresstatistik des Amtes hervor.

Das Jugendamt habe leider ständig mit „schwarzen Schafen“ zu kämpfen – mit Elternteilen, die sich zum Beispiel einfach aus dem Staub gemacht hätten. „Das ist manchmal Detektivarbeit, diesen Vätern und Müttern auf die Spur zu kommen. Aber wer eine Unterhaltspflicht hat, der muss auch zahlen“, erklärt Anja Buhse, die Leiterin der Unterhaltsvorschusskasse. Immerhin seien ihre Kolleginnen und sie so etwas wie „Anwälte der Kinder“ – und die müssten schließlich auch irgendwie zu ihrem Recht kommen.

Fallzahlen verdoppeln sich

Der Grund für die stark gestiegenen Fallzahlen ist eine zum 1. Juli 2017 erfolgte Gesetzesänderung. Vorher erhielten Kinder nur bis zum zwölften Lebensjahr Unterhalt, jetzt ist das bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres möglich. Auch die Höchstbezugsdauer von zuvor 72 Monaten wurde nun aufgehoben. Für die Unterhaltsvorschusskasse bedeutet dies eine Verdopplung der Fallzahlen im Vergleich zum Jahr 2016 bei den Unterhaltsvorschussleistungen.

Das Kreisjugendamt hat im Jahr 2017 auch 1668 junge Menschen und Familien Hilfe zur Erziehung gewährt, knapp 200 mehr als zwei Jahre zuvor. Ein Rückgang ist dagegen bei den vom Jugendamt betreuten und versorgten minderjährigen, unbegleiteten Ausländern zu verzeichnen. Nach dem starken Anstieg ihrer Zahl von Herbst 2015 bis Mitte 2016 auf 285 geht die Zahl inzwischen zurück, da viele das 21. Lebensjahr vollendet haben und ihre Unterbringungen über die Jugendhilfe endet. Trede lobt in diesem Zusammenhang die gute Kooperation mit den freien Trägern im Kreis, wie etwa das Seehaus Leonberg, oder das Waldhaus. Die haben es geschafft, durch Anmietungen und neuen Gebäuden Plätze für die jungen Flüchtlinge zu schaffen.

Aktiv zum Schutz der Kinder

Von Nachbarn, Angehörigen, vom Kinderarzt, von Lehrern und Erzieherinnen – aber auch von der Polizei und von Spielgefährten: Hinweise darauf, dass es einem Kind nicht gut geht, gibt es von vielen Seiten. Insgesamt 190 Mal ist das Kreisjugendamt zum Schutz von Kindern im vergangenen Jahr gezielt solchen Hinweisen nachgegangen.

Für alle Leistungen von den frühen Hilfen über die Übernahme von Kitagebühren bei einkommensschwachen Familien bis zu den erzieherischen Hilfen hat der Kreis im Jahr 2017 rund 44 Millionen Euro ausgegeben. Die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass hier pro 1000 Jugendlichen in 33 Fällen Hilfen geleistet wurden, der Durchschnitt in den baden-württembergischen Landkreisen liegt bei 28.

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