Kommunalwahl 2019 SPD: Die jüngste Kandidatin ist noch keine 18

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Kinderbetreuung in Renningen ist eines der Themen, das die SPD besonders in den Vordergrund rücken will. Foto: factum/Archiv

Renningen - Ein Mittzwanziger auf dem ersten Platz, eine Jugendgemeinderätin und ein ehemaliger Bürgermeisterkandidat: Die Liste der SPD Renningen für die Gemeinderatswahl 2019 ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Einige prominente Namen finden sich darauf, nicht nur aus dem Bereich Kommunalpolitik. Und längst nicht alle sind Mitglied in der SPD. So auch Dennis Metzulat, dessen Name besonders hervorsticht. Er hatte 2016 gegen den amtierenden Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) kandidiert und aus dem Stegreif 46,5 Prozent der Stimmen geholt. Vor der Wahl hatte die SPD-Fraktion Wolfgang Faißt unterstützt.

Was an der Liste vor allem ins Auge fällt: Weder der erste noch der zweite Listenplatz gehören einem langjährigen Ratsmitglied. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Mauch ist auf dem dritten Platz, Gerhard Kicherer auf Platz fünf. Die Anregung dafür kam von den erfahrenen Ratsherren selbst . „Ich bin gerne noch einmal dabei, aber wir wollen den jungen Engagierten eine Chance geben und einen Generationenwechsel einleiten“, so Mauch.

Jan Hambach auf Listenplatz 1

Den ersten Platz belegt denn auch der 24-Jährige Jan Hambach, Kreisvorsitzender der Jusos, der vor Kurzem den Ratssitz von Reinhard Händel übernommen hat. „Herr Mauch kam mit diesem Vorschlag auf mich zu“, erzählt Jan Hambach. „Das hat mich überrascht und gefreut.“ Zugleich sei das natürlich eine besondere Verantwortung, den Erwartungen an solch eine Platzierung gerecht zu werden. Auf dem zweiten Listenplatz folgt die 33-Jährige Anna Walther. Die Elternbeirätin dürfte Lesern unserer Zeitung ebenfalls nicht unbekannt sein. Sie hatte sich öffentlich bereits kritisch mit dem Thema Kinderbetreuung in Renningen auseinandergesetzt.

Kinderbetreuung ist eines der Themen, dem sich die Fraktion neben bezahlbarem Wohnraum, Schulen, aber auch Lückenschluss und Hesse-Bahn besonders intensiv widmen möchte. Themen, die auch Dennis Metzulat ganz oben sieht. Insbesondere Wohnen und Kinderbetreuung hatte er schon bei seiner Bürgermeisterkandidatur in den Vordergrund gestellt. Er belegt Platz 15 auf der Liste der SPD, ist selbst aber kein Mitglied.

Vor dem Hintergrund der Bürgermeisterwahl und der damaligen Positionierung der SPD war seine Kandidatur kein sofortiger Selbstläufer. „Wir haben das schon ganz offen diskutiert“, berichtet Mauch. „Uns war wichtig, dass nicht irgendwelche Fronten entstehen.“ Bei den Gesprächen habe sich aber deutlich gezeigt, dass die Themen und die Ausrichtung von Dennis Metzulat und der SPD sehr gut zusammenpassen. „Wohnraum ist ja ein Herzensthema von mir“, erklärt Metzulat und wünscht sich speziell in Bezug auf die Kinderbetreuung, „dass wir wegkommen von einem wirtschaftlichen hin zu einem sozialen Betreuungsmodell“.

Nach der Bürgermeisterwahl gründete der heute 38-Jährige eine eigene Partei, Demokratie in Bewegung (DiB), und weitete sein politisches Engagement bundesweit aus. „Ich bekam aber auch hier immer wieder positive Rückmeldungen von Bürgern, die mich dazu animiert haben, weiterzumachen“, berichtet Metzulat. „Ich bin überrascht, wie viele Menschen mich heute noch ansprechen und wegen etwas um Hilfe bitten.“ Mit den Fraktionen im Rat sei er weiter im Gespräch geblieben, über Jan Hambach – die Jusos unterstützten Dennis Metzulat bei der Bürgermeisterwahl ganz offen – kam dann der engere Kontakt zur SPD zustande und schließlich die Entscheidung zu einer Kandidatur.

Die Vorsitzende des Jugendgemeinderats kandidiert

Weitere bekannte Namen auf der Liste sind unter anderem Marcel Dzubba, Gesamtjugendleiter des TSV Malmsheim, und Els Clausen, Präsidentin der Sportvereinigung Renningen. Auch der Name Mika Sharif ist bekannt: Sie ist die Vorsitzende des Jugendgemeinderats und erst 17 Jahre alt – vor der Wahl wird sie noch 18. Auch sie ist kein SPD-Mitglied, wurde aber von Jan Hambach angesprochen und wagt nun den Schritt in die „große“ Politik. „Der Listenplatz ermöglicht mir eine Chance, die ich sehr gerne ergreifen möchte.“ Vor allem in Sachen Bildung und Familie und Weiterbildungsmöglichkeiten für Jugendliche möchte sie sich einsetzen. „Ein anderer tragender Aspekt war, dass das Durchschnittsalter in der Politik um die 56 Jahre beträgt.“

„Ich bin ganz begeistert von der Liste“, schwärmt Mauch. Das Gleichgewicht aus Jungen und Älteren, Männern und Frauen sei ein besonderes Anliegen gewesen. „Wir hatten auch überhaupt keine Probleme, die Liste aufzustellen“, freut er sich. Nicht nur der Ortsverbandsvorsitzende Reinhard Händel hofft nun darauf, dank der Liste nach der Kommunalwahl weitere Plätze im Gemeinderat zu gewinnen.

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