Kliniken im Kreis Ludwigsburg fehlen die Krankenschwestern Mit einer Kopfprämie gegen den Personalmangel

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Auf den Stationen der Krankenhäuser fehlt das Personal. Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehen deshalb neue Wege. (Symbolfoto) Foto: dpa

Ludwigsburg - Neue Arbeitszeitmodelle, günstige Wohnungen und eine Kopfprämie: die Regionale Klinikenholding (RKH), die die Krankenhäuser im Kreis Ludwigsburg betreibt, versucht auf verschiedenen Wegen, neue Mitarbeiter für die Pflegeberufe zu gewinnen. Zuletzt hatten die Kliniken bis zu 60 offene Stellen für Krankenschwestern und Pfleger gemeldet, einige Stationen konnten zum Teil nicht mehr belegt werden, weil das Personal fehlte.„Der Kampf um die besten Mitarbeiter läuft“, sagt der RKH-Geschäftsführer Jörg Martin – weshalb einige der Vorhaben, die Kliniken attraktiver zu machen, so schnell wie möglich anlaufen sollen.

So wird es bald ein sogenanntes Lebensarbeitszeitkonto für die RKH-Mitarbeiter geben. Dort kann das Personal Überstunden, Weihnachtsgeld oder auch Teile des Gehalts einzahlen. Das Geld liegt auf einem Treuhandkonto, bis der Arbeitnehmer dieses leert – und eine Auszeit vom Beruf nimmt, parallel zum Job eine Ausbildung macht oder früher in Rente gehen will. Die RKH spricht von einem Alleinstellungsmerkmal im regionalen Gesundheitswesen.

Wohnheime werden saniert

Ebenfalls die Attraktivität steigern sollen neue Karrieremöglichkeiten in den Pflegeberufen. Bisher gab es für Krankenschwestern nur wenig Aufstiegschancen, was aus Sicht der Klinikleitung viele Bewerber abgehalten hat, überhaupt in die Branche zu kommen. Künftig soll es bei der RKH einfacher möglich sein, neben der Arbeit auf der Station ein duales Studium oder eine Weiterbildung zu machen.

Ein Problem, weswegen nicht nur der RKH das Pflegepersonal fehlt, ist die mäßige Bezahlung. 2500 Euro Einstiegsgehalt bei einer 39-Stunden-Woche reichen speziell in der Region Stuttgart nicht aus, um auf dem Wohnungsmarkt die freie Wahl zu haben. Günstige Zimmer, zum Beispiel in den Wohnheimen, sollen der Klinikenholding daher einen Vorteil im Kampf ums Personal bringen.

Rund 570 Zimmer und 170 Wohnungen haben die Klinken Ludwigsburg-Bietigheim im Bestand, doch viele davon stammen aus den 1960er und 1970er Jahren und müssen saniert werden. Für die Bauarbeiten an den Häusern in der Mainzer Allee und der Kornbeckstraße in Ludwigsburg ist schon Geld im Unternehmensplan eingestellt, auch das Schwesternwohnheim in der Bietigheimer Riedstraße soll, zumindest zum Teil, aufgemöbelt werden.

Die CDU im Kreistag hatte im vergangenen Jahr in einem Antrag vorgeschlagen, die Holding mögen sich doch mit den kommunalen Wohnungsbauunternehmen zusammentun, um neue, bezahlbare Unterkünfte anbieten zu können. Der kaufmännische Direktor der RKH, Axel Hechenberger, sagt: „Unser Kerngeschäft sind Krankenhäuser, nicht der Bau von Wohnungen“. Er bestätigt aber Gespräche mit der Ludwigsburger und der Bietigheimer Wohnungsbau als möglichen Partnern für Bauprojekte.

Alle Absolventen der Pflegeschule werden übernommen

Um überhaupt genügend neue Bewerber zu finden, hat die RKH auch eine Prämie von 500 Euro ausgesetzt für den Fall, dass Mitarbeiter neue Kollegen anwerben. Die Idee ist gleichwohl nicht neu: das Klinikum Stuttgart geriet im vergangenen Oktober bundesweit in die Schlagzeilen, weil sogar 2500 Euro als Prämie für Mitarbeiter ausgelobt wurden, die neue Fachkräfte vermittelten. Damit das Geld ausgeschüttet wurde, mussten die neuen Mitarbeiter mindestens ein Jahr bleiben.

Unabhängig von den neuen Strategien zur Personalgewinnung hat sich die Situation bei den Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim zuletzt gebessert: statt 60 unbesetzten Pflegestellen war der Personalplan im Herbst sogar ganz leicht im Plus. Der Grund: sämtliche Absolventen der hauseigenen Pflegeschule wurden übernommen. Vor allem in den Operationssälen brauche man aber nach wie vor Zeitarbeiter, sagt der Regionaldirektor Matthias Ziegler. Insgesamt musste die RKH im vergangenen Jahr mehr als 1,1 Millionen an Zeitarbeitsfirmen überweisen.

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